• Klimawandel im Park Sanssouci: Welterbeparks am Wendepunkt

Klimawandel im Park Sanssouci : Welterbeparks am Wendepunkt

Klimawandel und Trockenheit lassen Bäume sterben, das verändert Potsdams Gärten unweigerlich. Was die Gärtner nun versuchen. 

Revierleiter des Parks Ralf Kreutz (Foto) zeigt Wassersäcke im Park Sanssouci.
Revierleiter des Parks Ralf Kreutz (Foto) zeigt Wassersäcke im Park Sanssouci.Foto: Andreas Klaer,PNN,Tsp

Potsdam - Wer nicht genau hinschaut, kann eine wichtige Maßnahme der Schlösserstiftung gegen das Baumsterben leicht verpassen. In einer Schneise im Park Sanssouci, geschlagen von einer Sturmserie im vergangenen Herbst, stehen zahlreiche Jungbäumchen. Die mehr als 100 Eichen, Rot- und Hainbuchen sind erst knie- bis hüfthoch. Aber sie sollen helfen, die Zukunft des Parks zu sichern. Denn sie haben gegenüber ihren älteren Artgenossen einen entscheidenden Vorteil: „Sie sind in der Trockenheit geboren.“ So drückt es Parkrevierleiter Ralf Kreutz aus. 

Die kleinen Bäumchen kennen es nicht anders – und passen sich an. Beispielsweise indem sie tiefer wurzeln als Altbäume. Der Nachwuchs ist irgendwo im Park auf natürliche Weise aufgegangen und dann hierher verpflanzt worden, um die Schneise irgendwann in einigen Jahren zu schließen. 

Jungbäumchen kennen nur die Trockenheit und passen sich an. 
Jungbäumchen kennen nur die Trockenheit und passen sich an. Foto: Andreas Klaer,PNN,Tsp

„Wir stehen an einem Wendepunkt“, sagt Kreutz über den Park Sanssouci und die anderen Potsdamer Welterbeparks. Viele der alten Bäume, gepflanzt teils schon zu Lennés Zeiten, stürben langsam ab. „Die massive Trockenheit seit 2018 hat diesen Prozess massiv befeuert“, sagt der 56-jährige Landschaftsarchitekt und Gärtner. 

80.000 Bäume stehen in den Parks der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten (SPSG). Schafft es ein Baum nicht, sich ausreichend mit Wasser zu versorgen, stirbt er von oben nach unten langsam ab. Kreutz zeigt auf einige rund 100 Jahre alte Eichen im Park. Eine davon hat nur noch eine schüttere Krone, von manchen dicken Ästen stehen nur noch Stümpfe, an anderen hängen kaum Blätter, die Rinde hat sich gelöst. „Ihr Aus wird bald kommen“, sagt der Revierleiter voraus. 

Sommerbrüche durch große Hitze

Die Wurzeln dieser Altbäume reichen etwa 1,50 bis 1,80 Meter weit ins Erdreich und erreichen damit nicht das Grundwasser. In dieser Tiefe ist der Boden durch die Dürrejahre ausgetrocknet. Auch ein ergiebiger Regen hilft dann nicht sofort, da die Regenmengen seit vier Jahren zu niedrig sind. Nicht zu unterschätzen seien auch Sommerbrüche, bei denen bei starker Hitze unvermittelt auch große Äste einfach herunterfallen. 

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Dazu kommen Schäden durch Stürme oder Schädlinge. Allein im Frühjahr dieses Jahres sind 122 Bäume durch Sturmschäden umgestürzt. „Das Erscheinungsbild des Parks wird sich unweigerlich verändern“, betont Kreutz. Er erläutert das anhand des Parks Charlottenhof, geprägt durch Baumgruppen, die je nach Position immer wieder neue Sichtbezüge entstehen lassen. Sterbe eine solche Baumgruppe und werde mit Jungbäumen nachgepflanzt, entstehe ein ganz anderes Bild. „Wir alle werden nicht mehr erleben, dass es an diesen Stellen wieder so aussieht wie vorher“, sagt er. „Heute planen wir für in 200 Jahren.“ 

Ralf Kreutz ist Revierleiter im Park Sanssouci. 
Ralf Kreutz ist Revierleiter im Park Sanssouci. Foto: Andreas Klaer,PNN,Tsp

Trotzdem bleibt er verhalten optimistisch: „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den heimischen Baumarten klarkommen werden“, sagt er. Zwar setze die Stiftung an einigen Stellen auch auf besonders klimaresistente Arten wie die Japanische Zelkove. Aber es sei eine Frage der Anpassung. Dazu beteiligt sich die Schlösserstiftung auch an einem Forschungsprojekt mit der Fraunhofer Gesellschaft und dem Helmholtz-Zentrum (PNN berichteten). Die Gärtner experimentieren mit verschiedenen Substraten zur Verbesserung der Erde, die versuchsweise auch per Bodenimpfung direkt zu den Wurzeln gebracht werden. Auch verschiedene Wässerungsmethoden werden genutzt – Wassersäcke, Tröpfchenbewässerung und Gießringe, die das rare Nass besser zu den Wurzeln leiten sollen. 

Mehrausgaben von 20 bis 30 Prozent

Denn auch wenn die Stiftung beim Gießen lediglich Notversorgung betreibt, wie Kreutz es ausdrückt, sind Aufwand und Kosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wo vor fünf Jahren ein Gärtner ab und an die Neupflanzungen wässerte, sind jetzt zwei Mitarbeiter pausenlos mit dem Gießen beschäftigt. Mussten damals Jungbäume nur in den ersten drei bis vier Lebensjahren mit Wasser aus dem Schlauch versorgt werden, brauchen sie jetzt rund zehn Jahre Gießhilfe, bis sie allein klarkommen. Auf rund 20 bis 30 Prozent schätzt Kreutz die Mehrausgaben. 

Das Wasserentnahmeverbot, am Dienstag per Allgemeinverfügung von der Stadt erlassen, betrifft auch die Stiftung. Wie berichtet ist es nunmehr bis Oktober verboten, Gießwasser aus Seen und Flüssen zu pumpen. Die Schlösserstiftung hat zwar nach Angaben von Kreutz eine Ausnahmegenehmigung, allerdings nur für die Nachtstunden. „Dann können wir unser Reservoir am Ruinenberg füllen“, sagt er. 

Doch schon vor dieser Regelung sind die meisten Brunnen ausgeschaltet worden, um Wasser zu sparen. Nur die große Fontaine vor den Sanssouci-Terrassen läuft noch, allerdings nicht mit vollem Druck. Die Formulierung des Revierleiters passt zur Parksituation: Der Springbrunnen, so sagt er, laufe „auf Halbmast“.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.