• Pilgerweg für Klimaschutz führt durch Potsdam

Klimaschutz in Potsdam : Für das Klima von Bonn bis Katowice

Der dritte ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit führt durch Potsdam. In vielen Aktionen machen die Pilger auf ihr Anliegen aufmerksam. Den Großteil der Strecke legen sie zu Fuß zurück.

Zu Fuß für die Umwelt. Seit rund zweieinhalb Monaten sind die Klimapilger unterwegs.
Zu Fuß für die Umwelt. Seit rund zweieinhalb Monaten sind die Klimapilger unterwegs.Foto: PRIVAT

Potsdam - Es sind viele Kilometer, die die Pilger auf ihrer Reise zu bewältigen haben, denn für den Großteil der Strecke nutzen sie ein 100-prozentig schadstofffreies Fortbewegungsmittel: ihre eigenen Füße. Am 9. September sind die Teilnehmer des dritten „Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit“ in Bonn gestartet. Die 1600 Kilometer bis Berlin würden sie zu Fuß zurücklegen, erzählt Christian Seidel, ehemaliger SPD-Stadtverordneter aus Potsdam, der die Strecke von Düsseldorf bis Katowice mitläuft. Einen Teil des Weges bis Polen würden sie anschließend mit Bus und Bahn fahren. Die 200 Kilometer bis Katowice, wo am 3. Dezember die UN-Klimakonferenz beginnt und das Ziel ihrer Reise ist, laufen sie erneut zu Fuß, so Seidel. „Dort treffen wir mit Pilgerern aus Italien und Skandinavien zusammen.“

Die Pilger fordern ein verbindliches Regelwerk

Am gestrigen Mittwoch haben die Pilger nach etwa zweieinhalb Monaten Wanderung Potsdam erreicht. Auf ihrem Weg wollen die Klimaschützer auf den fortschreitenden Klimawandel aufmerksam machen. Nach dem Abschluss des Pariser Klimaabkommens 2015 hätten sie sich gefragt: „Was muss jetzt getan werden, damit Deutschland die Bedingungen erfüllen kann?“, sagt Seidel. Bei ihren Überlegungen seien sie schnell bei der Braunkohle gelandet. In Deutschland und vielen anderen Ländern habe sich in puncto Klimaschutz bisher zu wenig bewegt. Um das Ziel des Klimaabkommens – die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius – zu erreichen, bedürfe es einem verbindlichen Regelwerk, sagt der Potsdamer Physiker. Und nicht nur: „Jeder einzelne ist gefragt, darüber nachzudenken, was er in seinem Leben nachhaltiger gestalten kann.“ Dass man im Alltag mit weniger auskommt, als man denkt, zeigen auch die Pilger auf ihrer Route. Denn bei ihrem Gepäck, das sie jeden Tag mit sich tragen, mussten sie sich auf das Wichtigste reduzieren. Sie würden die Erfahrung machen, dass sie damit gut leben könnten, sagt Seidel. Für die Übernachtung in Kirchgemeindesälen und Sporthallen hätten sie in ihrem Gepäck auch Luftmatratzen und Isomatten dabei. Bei der langen Route fällt die Teilnehmerzahl laut Seidel recht unterschiedlich aus. „Etwa zehn Pilger gehörten zum harten Kern, bis zu 30 Mitläufer sind mehrere Wochen dabei.“ Auf einzelnen Abschnitten steige die Teilnehmerzahl auf bis zu 120, wenn zum Beispiel mehrere Schulklassen mitlaufen.

Auf dem Programm stehen Besuche der deutschen Braunkohlereviere

Auf ihrem Weg steuern die Pilger die deutschen Braunkohlereviere an. Einen Tag vor der Räumung waren sie im Hambacher Forst. Die Atmosphäre sei damals friedlich gewesen, schildert Seidel die Stimmung vor Ort. In den vergangenen Monaten hatten dort Zehntausende demonstriert, um die vom Energiekonzern RWE veranlasste Rodung des Waldes für die Gewinnung von Braunkohle zu verhindern. Auf ihrem Pilgerweg, der sie bisher unter anderem durch Hannover, Halle, Leipzig, Frankfurt (Oder) und Cottbus führte, stand auch ein Besuch in der Lausitz an. Dort hätten die Pilger mit dem Vorsitzenden der LEAG, dem Lausitzer Energieunternehmen und Braunkohleproduzenten, gesprochen, erzählt Seidel. Vor Ort gehe es um Fragen wie dem Verlust von Heimat und dem traditionellen Arbeitsplatz. Damit müsse man sich auseinandersetzen, sagt er. Dennoch sagen die Klimaschützer: „Wir fordern den schnellstmöglichen Kohleausstieg.“ Wichtig seien dabei aber konkrete strukturelle Maßnahmen und Förderungen, so Seidel. Außerdem setzen sie sich auch für eine klimafreundliche Verkehrswende ein.

Ein Gespräch mit Experten des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist geplant

Wie in den anderen Städten und Kommunen steht für etwa 30 Pilger auch in Potsdam einiges auf dem Programm: Am Donnerstag würden sie vom neuen Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) empfangen, außerdem gebe es eine Prozession mit mehreren Schulklassen vom Stadthaus zum Alten Markt in Potsdam, so Seidel. Dort ist um 10.30 Uhr ein ökumenisches Gebet geplant. Daran können auch interessierte Potsdamer teilnehmen genauso wie an dem offenen Abend im Heilig-Kreuz-Haus um 17 Uhr. Außerdem treffen die Pilger sich mit Vertretern der Landtagsfraktion und besuchen das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Ob es ihnen gelingt, die Menschen wachzurütteln? Sie würden nicht erwarten, dass sofort ein Schalter umgelegt werde und plötzlich eine andere Klimapolitik umgesetzt werde. Aber sie würden oft hören, dass durch ihr Auftauchen in den verschiedenen Gemeinden und Kommunen über Klimaschutz und Klimagerechtigkeit nachgedacht werde, sagt Seidel. „Wir erleben, dass wir Impulse setzen können.“