• Kitas in Potsdam droht Personalnotstand: „Arbeitsmarkt für Erzieher ist leergeräumt“

Kitas in Potsdam droht Personalnotstand : „Arbeitsmarkt für Erzieher ist leergeräumt“

Kitas in Potsdam brauchen dringend Fachkräfte, doch arbeitssuchende Erzieher sind kaum vorhanden. Die Jobcenter-Zahlen sind alarmierend.

Potsdam - Die 500.000 Euro der Stadt zur Verbesserung der Situation bei der Kleinkindbetreuung sollen vor allem den Kitas zugutekommen, in denen viele Kinder zehn Stunden oder mehr betreut werden. Das empfahl der Jugendhilfeausschuss am Donnerstag in einem Änderungsantrag der Linken und der SPD. Am kommenden Mittwoch soll dieser Antrag in der Stadtverordnetensammlung eingebracht werden. Bevor über die Finanzierung der Kitakosten weitere Beschlüsse gefasst werden, soll aber zunächst ein Rechtsgutachten abgewartet werden, das die Stadt wie berichtet bei einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben hat. Dieses soll Anfang nächster Woche vorliegen und klären, ob die Stadt oder das Land für zusätzliche Erzieher zahlen muss. „Nach dem Ergebnis werden wir mit den Beteiligten intensiv ins Gespräch gehen “, erklärte Sozialdezernent Mike Schubert (SPD). „Aber niemand stellt den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz infrage.“

Doch selbst wenn die Finanzierung geklärt wird, bleibt die Frage nach der Besetzung der Stellen. „Da muss ich leider Wasser in Ihren Wein gießen“, kommentierte Anja Spiegel, Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur Potsdam. Die Zahlen zur Lage auf dem Arbeitsmarkt im Bereich Erziehung, die sie im Ausschuss präsentierte, sprechen für sich: Derzeit seien 50 Erzieher in der Stadt Potsdam arbeitslos gemeldet. Doch die meisten von ihnen hätten gerade ihre Ausbildung beendet und bereits eine Stelle gefunden, würden diese aber erst zu Beginn des Kitajahres antreten. Faktisch blieben gerade noch fünf Arbeitssuchende übrig. Dem gegenüber stünden 30 offene Stellen für Erzieher allein in den Potsdamer Kitas. Das Fazit von Anja Spiegel: „Der Markt ist regelrecht leergeräumt.“

Höhere Löhne oder kürzere Ausbildung?

Auch wenn sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses einig waren, dass sie keine Lösung für den Fachkräftemangel präsentieren können, stellten sie doch einige Ideen in den Raum. Für Mike Schubert ist es eine Option, „über eine Ausbildung nachzudenken, die unter der examinierten liegt“. Laut Frank Otto (Die Grünen) können nur höhere Löhne den Mangel zumindest verbessern.

Doch immerhin gab es im Ausschuss auch eine positive Nachricht: Die Kita „Sternschnuppe“ Am Stern, in der es Mitte Februar einen Brand gegeben hatte, kann Anfang Juli zumindest teilweise wieder bezogen werden. 83 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren können zurückkehren in ihre Räume. 

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