• Kitas in Brandenburg: Mehr Kinder, weniger Erzieher

Kitas in Brandenburg : Mehr Kinder, weniger Erzieher

Immer mehr Kinder in Brandenburger Kitas werden deutlich länger als acht Stunden betreut - und viele Einrichtungen haben mit großen Personalsorgen zu kämpfen. Das macht sich auch in Potsdam bemerkbar.

In Potsdam sei es im Vergleich zu Kitas in ländlichen Regionen Brandenburgs noch leichter, Erzieherinnen zu finden, doch auch hier macht sich die Personalnot bemerkbar.
In Potsdam sei es im Vergleich zu Kitas in ländlichen Regionen Brandenburgs noch leichter, Erzieherinnen zu finden, doch auch hier...Foto: A. Burgi/dpa

Potsdam - Kitaplätze sind Mangelware in Potsdam, junge Eltern kennen das Problem zur Genüge. Wie die Situation aus Sicht der Kindertagesstätten aussieht, war am Dienstag Thema bei einer Fachtagung im Bürgerhaus Schlaatz, die die Volkssolidarität organisiert hatte. Mehrere Kita-Leiterinnen berichteten von der teils verheerenden Personalsituation – bei gleichzeitig steigendem Betreuungsbedarf. Auch eine Vertreterin des Landes beteiligte sich an der Diskussion und räumte an manchen Stellen Nachbesserungsbedarf ein.

Kinder sind oft bis zu zwölf Stunden in der Kita

Heike Seidler, Kita-Leiterin aus Frankfurt (Oder), rechnete zum Beispiel vor, dass mehr als die Hälfte der 140 Kinder in ihrer Einrichtung länger als acht Stunden betreut werden. Grund seien die langen Arbeitswege der Eltern und die Tatsache, dass viele Familien aus finanziellen Gründen darauf angewiesen seien, dass beide Elternteile in Vollzeit arbeiteten. Hinzu komme, dass Kita-Plätze knapp seien und die Kinder oft weit weg von zu Hause betreut werden – was zusätzliche Anfahrtszeit bedeutet. Oft seien die Kinder bis zu zwölf Stunden in der Kita, finanziert würden vom Land aber nur acht Stunden. Ähnlich sei die Situation auch in Potsdam, sagte Madeleine Friedrich vom Kita-Elternbeirat auf PNN-Anfrage. Auch in Potsdam müssten viele Eltern pendeln, zum Beispiel nach Berlin. Der Anteil der Kinder, die zehn Stunden täglich betreut werden, sei daher hoch, so Friedrich.

Simone Haase, Kita-Leiterin aus Luckenwalde, berichtete hingegen von großen Personalproblemen. Acht ihrer 28 Mitarbeiter seien körperlich und seelisch so belastet, dass sie nur noch in Teilzeit arbeiten könnten. Durchschnittlich fehlten in ihrer Kita 3,2 Mitarbeiter jeden Tag wegen Krankheit – dazu kommen noch Urlaubstage oder Weiterbildungen. 15 der Mitarbeiter seien über 50 Jahre alt und stünden teils schon vor der Rente, während es sehr schwer sei, Nachwuchs zu finden. „Wir suchen seit eineinhalb Jahren intensiv neue Erzieher und bekommen kaum Bewerbungen“, so Haase. Wenn doch mal ein Bewerber eingeladen werde, erweise er sich oft als nicht geeignet – wegen mangelnder Sprachkenntnisse, fehlender Kommunikations- oder Kritikfähigkeit. Auch Auszubildende seien schwer zu finden – und wenn, seien sie wegen der vielen Schultage schwer in den Kita-Alltag zu integrieren.

Personalmangel macht sich auch in Potsdam bemerkbar

In Potsdam sei es im Vergleich zum ländlichen Bereich noch etwas leichter, Erzieher zu finden, so Eltern-Vertreterin Friedrich. Allerdings mache sich der Personalmangel auch hier bemerkbar. Sie kenne Fälle von Einrichtungen, wo drei Stellen gleichzeitig unbesetzt seien. Im Extremfall führe der Personalmangel dazu, dass die Erzieher nur noch für die Sicherheit der Kinder sorgen könnten, während die pädagogische Arbeit darunter leide.

Die zuständige Referatsleiterin im Bildungsministerium, Bettina Stobbe, räumte ein, dass es einen Mangel an Fachkräften gebe. Allerdings befänden sich derzeit 4500 Erzieher im Land in Ausbildung, 1500 würden demnächst fertig. Auch auf die auf acht Stunden begrenzte Finanzierung der Betreuung ging Stobbe ein. Dass diese nicht bezahlt werde, sei falsch, betonte sie. Über die Einführung einer dritten Betreuungsstufe für Kinder mit einem Bedarf von mehr als acht Stunden müsse diskutiert werden.

In Potsdam fehlen derzeit noch 200 Plätze

Die Potsdamer Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Kitaplätze für das kommende Kitajahr ausreichen. Momentan fehlten gegenüber dem Plan zwar 200 Plätze, so Stadtsprecher Jan Brunzlow. In diesem Jahr würden noch drei Kitas – am Jungfernsee, am Filmpark und in der Heinrich-Mann-Allee – mit mehr als 370 Plätzen eröffnet, ab Januar sollen weitere 200 Plätze in der Kita am Stern zur Verfügung stehen. 2018 sind sieben Kita-Neueröffnungen geplant. (mit Jana Haase)

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