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Kitabetreuung in Potsdam : Freude auf die Rückkehr zum Normalbetrieb

Ab dem 15. Juni sollen auch in Potsdam alle Kinder wieder regulär in der Kita betreut werden. Gut finden das alle, Kritik gibt es trotzdem.

Ab 15. Juni soll in Potsdams Kitas wieder ohne Abstand gespielt werden können. 
Ab 15. Juni soll in Potsdams Kitas wieder ohne Abstand gespielt werden können. Foto: Friso Gentsch/dpa

Potsdam - Mit Lob und Erleichterung haben Potsdams Kitaträger und Elternvertreter auf die vom Land angekündigte Rückkehr zum Normalbetrieb in den Betreuungseinrichtungen ab 15. Juni reagiert. Gleichwohl gab es auch Kritik an der Kurzfristigkeit der Entscheidung und den bestehenden Unklarheiten bei der Umsetzung der Lockerungen.

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Hintergrund

Bis Ende des Jahres will die Stadtverwaltung einen Zeitplan vorlegen, wann sie wieder als Träger von kommunalen Kitas auftritt – und damit Satzungsrecht für wieder einheitliche Kita-Gebühren in Potsdam erhält. Das sagte Familiendezernentin Noosha Aubel (parteilos) am Mittwochabend im Hauptausschuss. Dabei machte die Beigeordnete deutlich, dass die ab Sommer absehbar unterschiedlichen Gebühren für die Kitabetreuung nur eine Ausnahme sein können. 


Wie berichtet verzichtet die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben vor allem wegen zahlreicher juristischer Probleme ab dem Sommer auf konkrete Gebührenvorgaben für die rund 50 privaten Kitaträger in Potsdam. Diese sollen selbst ihre Gebühren erheben. Das könne zu erheblichen Unterschieden in den Preisen je nach Einrichtung und Träger führen, hatte das Rathaus schon mehrfach gewarnt. 


Hintergrund ist auch die Vorgabe des Bildungsministeriums für eine solche trägerscharfe Kalkulation – während Potsdam stets auf einheitliche Gebühren gesetzt hatte. Kritik am Scheitern gab es keine. Die Lage sei zwar misslich, aber nachvollziehbar, sagte etwa Linke-Fraktionschef Stefan Wollenberg. Ferner beschlossen die Stadtverordneten im Ausschuss einen Fragenkatalog zur Aufklärung des Skandals um die bis Mitte 2018 zu hoch angesetzten Kita-Gebühren, deren Rückzahlung an die Eltern läuft. Zur Aufklärung der Verantwortlichkeiten im Rathaus soll wie berichtet ein externer Gutachter beauftragt werden. Die Stadt hat für die Rückzahlung an die Eltern mehr als 45 Millionen Euro eingeplant, die Überweisungen und die komplexe Rückzahlung selbst mussten die Träger übernehmen – und sollen damit Ende des Jahres fertig sein.

Ende der Doppelbelastung

Angela Schweers, Chefin der Potsdamer Arbeiterwohlfahrt (Awo), begrüßte die Rückkehr zum Normalbetrieb. Die Awo ist mit 20 Kitas und Horten, in denen rund 3300 Kinder betreut werden, der größte Träger der Stadt. Monatelang hätten viele Eltern eine Doppelbelastung gehabt, weil sie neben dem Job auch noch ihre Kinder betreuen mussten, sagte sie den PNN. Das sei ihnen nicht länger zuzumuten, auch, weil Arbeitgeber angesichts zunehmender Lockerungen in der Coronakrise wohl immer weniger Verständnis aufbrächten, wenn Eltern weiterhin zu Hause blieben. Ab Montag stünden alle Awo-Einrichtungen wieder allen Kindern offen. „Wir kriegen das hin“, zeigte sich Schweers zuversichtlich. Zugleich werde man darauf achten, die Hygieneregeln einzuhalten. Leider werde die entsprechende Landesverordnung wohl erst am Freitag vorliegen.

Fröbel: Zeit ist das Hauptproblem

Letzteres sieht man bei der Fröbel-Gruppe, die in Potsdam elf Kitas mit rund 2000 Kindern betreibt, als Hauptproblem für eine reibungslose Rückkehr zum Normalbetrieb. „Wir haben dann keine Zeit mehr, um zu reagieren“, kritisierte Fröbel-Sprecherin Beatrice Strübing den PNN. Übers Wochenende müssten Dienstpläne geändert, Köche für Hunderte zusätzliche Essen vorgehalten und nicht zuletzt die Eltern informiert werden. „Eine solche Über-Nacht-Entscheidung ist aber nicht über Nacht umzusetzen“, warnte Strübing. Man brauche womöglich ein paar Werktage, um einen Normalbetrieb zu organisieren. Hinzu kämen weitere Probleme, weil viele, vor allem kleinere Kinder jetzt zum ersten Mal seit drei Monaten wieder eine Kita besuchten und praktisch neu eingewöhnt werden müssten. Dennoch sei die Rückkehr zum Regelbetrieb absolut richtig, betonte Strübing. Im Mittelpunkt müsse das Wohl der Kinder stehen. Diese hätten unter der Krise besonders zu leiden gehabt, weil ihnen die sozialen Kontakte und die frühkindliche Bildung ihrer Einrichtung wochenlang gefehlt hätten. 

Kritik auch vom EJF

Auch beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) mit seinen rund 1000 Kindern in neun Potsdamer Einrichtungen ist man vor allem erleichtert über die Rückkehr zur Normalität in den Kitas. Der eingeschränkte Regelbetrieb sei nur schwer umsetzbar gewesen, sagte die für Potsdam zuständige Bereichsleiterin Lisa Lorenz auf Anfrage. Alle Erzieher seien hochmotiviert. Leider seien die Träger vorab aber nicht über die Maßnahme informiert worden. Daher gebe es eine Reihe offener Fragen, etwa welche Hygieneregeln künftig gelten sollen. Es gebe Gerüchte, dass das städtische Gesundheitsamt Einschränkungen machen wolle, aber es sei unklar, welche. Es sei daher offen, ob alle EJF-Einrichtungen bereits ab Montag vollumfänglich ans Netz gehen könnten. Eltern brauchten aber Sicherheit. Schon jetzt werde der Träger mit Anfragen überhäuft.

Lob und Kritik von Hoffbauer

Bei der Hoffbauer gGmbH, einer Tochter der gleichnamigen Stiftung und Trägerin von zehn Kitas und Horten mit fast 1500 Kindern, sieht man die Kurzfristigkeit ebenfalls kritisch. Man frage bereits bei den Eltern die Bedarfe ab, um schnellstmöglich reagieren zu können, sagte Geschäftsführerin Julia Meike. Auch Hoffbauer sei aber grundsätzlich froh über die Entscheidung des Landes.

Die Eltern freuen sich

Das sind nicht zuletzt auch die Eltern. „Wir freuen uns über den Schritt, denn er ist im Sinne der Kinder und Familien“, sagte Robert Witzsche vom Potsdamer Kita-Elternbeirat den PNN. Auf Landesebene werde man jetzt darauf drängen, dass bis spätestens September ein Konzept für den Umgang mit einer möglichen zweiten Corona-Welle vorliege.
Von der Stadt war am Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen. 

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