• Kita-Notbetreuung in Potsdam: Vorbereitung für den Ernstfall

Kita-Notbetreuung in Potsdam : Vorbereitung für den Ernstfall

Die Kita-Notbetreuung für systemrelevante Berufe in Brandenburg ist neu geregelt. Die Landeshauptstadt bereitet die Umsetzung vor. Aktuell ist in Potsdam keine Kita geschlossen. 

Kitas sind in der Omikron-Welle besonders betroffen. 
Kitas sind in der Omikron-Welle besonders betroffen. Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Potsdamer Kitaträger und die Stadt bereiten sich in der Omikron-Welle auf Notbetreuungsangebote für Eltern mit vorrangigem Anspruch vor – Details zur Umsetzung sind aber noch unklar. Wie das Landesbildungsministerium am Dienstag mitgeteilt hatte, ist eine entsprechende Regelung noch am selben Tag über die angepasste Eindämmungsverordnung in Kraft getreten. 

Demnach haben bestimmte Eltern einen Anspruch auf eine Notbetreuung ihrer Kinder für den Fall, dass die Kita oder Kindertagespflegestelle aufgrund des Infektionsgeschehens oder wegen Personalausfall nicht mehr alle Kinder betreuen kann. Auch in früheren Phasen der Pandemie hatte es einen Notbetreuungsanspruch für bestimmte Berufsgruppen gegeben. Allerdings ist das Infektionsgeschehen in der Omikron-Welle dynamischer, insbesondere an Kitas und Schulen – was auch zu Personalausfall führt.

Wer hat Anspruch auf Notbetreuung?

Einen Anspruch auf Notbetreuung haben nun Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil in der kritischen Infrastruktur beschäftigt ist und wo eine häusliche Betreuung nicht organisiert werden kann. Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem der Gesundheitsbereich, Schulen und Kitas, Feuerwehr, Polizei, die Bereiche Energie, Abfall, Wasser, ÖPNV sowie die Logistikbranche. Einen Anspruch auf Notbetreuung haben laut der neuen Landesregelung auch Kinder, „die aus Gründen der Wahrung des Kindeswohls zu betreuen sind“ sowie „in begründeten Einzelfällen Kinder von Alleinerziehenden“, sofern keine häusliche Betreuung möglich ist. Über die Anträge auf Notbetreuung sollen die Kreise und kreisfreien Städte entscheiden, heißt es weiter.

Im Potsdamer Rathaus bereitet man die Umsetzung vor. Bis Freitag soll das Prozedere vorgestellt werden, sagte ein Stadtsprecher am Mittwoch auf PNN-Anfrage. Aktuell sei in Potsdam keine Kita geschlossen. Es gibt aber mindestens eine Kita, die wegen Personalausfall pauschal mehrere Gruppen geschlossen hat.

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Die Fröbel-Gruppe, die in Potsdam acht Kitas betreibt, begrüßt, dass das Land nun endlich rechtliche Klarheit geschaffen und nicht nur Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen miteinbezogen hat: „Wir freuen uns darüber, dass die Regelung auch Kinder berücksichtigt, die mit Blick auf das Kindeswohl eine Kita besuchen sollten“, sagt Fröbel-Sprecher Mario Weis. Trotz hohem Krankenstand sehe man sich in der Lage, die Notbetreuung umzusetzen: Derzeit sind laut Weis rund 23 Prozent der Potsdamer Fröbel-Mitarbeiter:innen nicht im Dienst. Darunter befinden sich positiv Getestete, Verdachtsfälle und Mitarbeiter:innen, deren Kinder in Quarantäne sind.

„Unsere Potsdamer Fachkräfte arbeiten gerade vielfach am Limit, damit auch in der Pandemie möglichst viele Kinder ihr Recht auf frühe Bildung wahrnehmen können“, sagt Weis. Um die Notbetreuung umzusetzen, will Fröbel im Zweifel Öffnungszeiten reduzieren oder Kita-Gruppen nach Bedarf verkleinern. Zudem könnten Mitarbeitende aus anderen Einrichtungen einspringen, so Weis.

Schulen und Kitas von der Omikron-Welle stark betroffen

Für die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die in Potsdam 26 Kitas und Horte betreibt, sei die Vorbereitung eine Herausforderung, sagte Awo-Vorstandschefin Angela Schweers den PNN: „Die Coronazahlen überschlagen sich, die Festlegungen und Verordnungen überschlagen sich – wir versuchen, Schritt für Schritt für unsere Eltern und Kinder eine Lösung zu finden.“ Der hohe Krankenstand bringe die Einrichtungen an Grenzen. Gleichzeitig habe sie großen Respekt davor, was Familien und Erzieher:innen in den vergangenen zwei Jahren möglich gemacht haben.

Angela Schweers.
Angela Schweers.Foto: Martin Müller

Beim Kitaträger Kinderwelt, der in Potsdam acht Kitas betreibt, sieht man sich gut aufgestellt. „Von einer Schließung einer unserer Potsdamer Einrichtungen gehen wir momentan nicht aus, insofern ist die Notbetreuung gesichert“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit.

Potsdams Schulen und Kitas sind in der Omikron-Welle besonders vom Infektionsgeschehen betroffen, wobei die Sieben-Tage-Inzidenz unter den Jüngsten zuletzt wieder etwas gesunken ist. Laut den am Dienstag vom Landesgesundheitsministerium veröffentlichten Zahlen liegt die Inzidenz bei den 0- bis 4-Jährigen in Potsdam bei 1600, bei den 5- bis 9-Jährigen bei 4172. Nach Angaben der Stadt sind momentan 122 Kita-Kinder sowie 104 Kita-Mitarbeitende infiziert. Weitere 790 Kinder und fünf Mitarbeitende sind in Quarantäne. Betroffen sind 33 der knapp 120 Einrichtungen in Potsdam.

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