• Kinobilanz und Ausblick: Das wollten die Potsdamer 2019 im Kino sehen

Kinobilanz und Ausblick : Das wollten die Potsdamer 2019 im Kino sehen

Starke Mädchen an der Spitze: Potsdams Kinobetreiber sind zufrieden mit dem Kinojahr 2019. Besonders gefragt waren ein Drama und ein Animationsfilm.

Königin Elsa, Anna, Kristoff und Rentier Sven in "Die Eiskönigin 2".  Der Film war im UCI Potsdam 2019 der meistgesehene.
Königin Elsa, Anna, Kristoff und Rentier Sven in "Die Eiskönigin 2".  Der Film war im UCI Potsdam 2019 der meistgesehene.Foto: Disney/dpa

Potsdam - Ob Programmkino oder Multiplex: Filme mit starken Mädchenfiguren haben es im vergangenen Jahr sowohl im Babelsberger Thalia als auch im UCI in den Bahnhofspassagen an die Spitze der Zuschauergunst geschafft. Der meistgesehene Film im Thalia war „Systemsprenger“ um ein neunjähriges Mädchen, dessen Aggressivität scheinbar weder in Pflegefamilien noch im Heim oder der Psychiatrie beizukommen ist. Im UCI schaffte es „Die Eiskönigin 2“ ganz nach vorn, die Fortsetzung des Disney-Märchens um Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna.

Das Thalia zählte das dritte Jahr in Folge mehr als 150.000 Besucher

Rund 7500 Besucher haben „Systemsprenger“ gesehen, sagte Thalia-Kinochef Thomas Bastian auf PNN-Anfrage. Mit rund 30 Sonderaufführungen für Mitarbeiter aus dem Erziehungsbereich habe es der Film schließlich noch vor der Tragikomödie „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ auf Platz eins geschafft. Erziehungsfragen seien bei den Thalia-Besuchern immer „Topthema“, sagte Bastian. Den Film von Regisseurin Nora Fingscheidt und dem Babelsberger Produzenten Peter Hartwig habe man aber auch bewusst werbetechnisch aufgebaut. Auf Platz drei landete der noch im Jahr davor gestartete „Der Junge muss an die frische Luft“, die Verfilmung von Hape Kerkelings Kindheitserinnerungen, mit rund 6800 Besuchern 2019. Insgesamt habe das Thalia zum dritten Mal in Folge mehr als 150.000 Zuschauer gezählt, sagt Bastian: „Das zeigt, dass wir stabil sind.“

„Systemsprenger“ war der meistgesehene Film im Thalia. Es geht um eine aggressive Neunjährige, die sich Geborgenheit wünscht.
„Systemsprenger“ war der meistgesehene Film im Thalia. Es geht um eine aggressive Neunjährige, die sich Geborgenheit wünscht.Foto: Peter Hartwig / kineo / Weydemann Bros. / Yunus Roy Im

Investiert hat das Thalia im vergangenen Jahr für die Besucher unsichtbar – in IT- und Telefontechnik sowie eine schnellere Datenrate, sagt Thomas Bastian. Das sei wichtig gewesen, da immer mehr Filme per Versand übers Netz ins Kinosystem eingespielt werden, erklärt er. Nur noch etwa jeder dritte Film werde tatsächlich physisch verliehen.
2020 will das Thalia weiter auf den direkten Dialog zwischen Filmemachern und Besuchern in Filmgesprächen setzen – zwischen 100 und 150 solcher Sonderveranstaltungen gebe es im Kino mittlerweile pro Jahr, sagt Thomas Bastian. Die Babelsberger machen sich auch Hoffnungen auf einen Platz im Berlinale-Programm als Kiezkino – ob es damit etwas wird, wird Ende Januar bekanntgegeben.

Das Thalia plant eine politische Reihe - Arbeitstitel: "Cinema Antifa"

Die Reihe „Fridays for Future Cinema“ mit Filmen rund um das Thema Klimaschutz soll fortgesetzt werden – und eine neue dezidiert politische Reihe hinzukommen, wie Bastian den PNN sagte: „Wir planen eine Reihe mit dem Arbeitstitel „Cinema Antifa“, da werden wir ganz schön randalieren.“ Die Idee sei, Filme zu den Themen Rassismus und Antifaschismus zu zeigen und damit insbesondere Schulen anzusprechen. Denkbar sei, den monumentalen Dokumentar-Zweiteiler „Shoa“ von Claude Lanzmann über den Holocaust aufzuführen. Aber es gehe nicht nur um Dokumentarfilme. Auch an Western wie „Leichen pflastern seinen Weg“ könnten Mechanismen von Faschismus deutlich gemacht werden, glaubt Bastian. „Wichtig ist, dass man herausarbeitet: Was macht man, wenn man Faschisten wählt, wo führt das hin – ganz ohne Nazikeule.“ Auch das Openair-Kinosommer im Waschhaus wird bleiben, kündigte Thomas an. Dass das Freiluftkino auf der Freundschaftsinsel wegen fehlender Gelder für die nötige Sanierung nun abgerissen werden soll, bedauere er.

Nach dem Luxus-Umbau: Weniger Plätze, aber mehr Besucher im UCI

Im UCI, das 2018 zum luxuriöseren Kino mit mehr Komfort umgebaut worden war, seien die Besucherzahlen trotz weniger vorhandenen Plätzen „deutlich angestiegen“, wie Unternehmenssprecherin Nadine Breuer auf PNN-Anfrage mitteilte. Genaue Zahlen nannte sie nicht. Neben dem Spitzenreiterfilm „Die Eiskönigin 2“ hätten es „Avengers: Endgame“ und die Neuauflage von „Der König der Löwen“ in die Top drei der am meisten gesehenen Filme geschafft. Zwischen den Jahren sei noch „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ hinzugekommen. Überraschend gut sei auch „Das perfekte Geheimnis“ gelaufen: „Das ist vor allem sehr erfreulich, weil er das Potential deutscher Kinofilme zeigt“, so Breuer.

Die Diskussion um die Sicherheit in den Bahnhofspassagen – im März hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) eine Sicherheitskonferenz einberufen, in der Folge gab es unter anderem verstärkte Streifen von Polizei und Ordnungsamt – hat das Kino nicht beschäftigt: „Uns ist hier nichts Negatives bekannt“, sagt Nadine Breuer.

Der Super Bowl wird wieder live im UCI übertragen

In diesem Jahr hat das Kino bereits einige Veranstaltungshighlights vorbereitet: American-Football-Fans können am 2. Februar den Super Bowl, also das Endspiel der US-Liga, live auf der Kinoleinwand erleben. Auch Spieler der Potsdamer Royals werden zu Gast sein. Auch Konzertfilme, Animes aus Asien sowie Live-Übertragungen aus Opern und Balletten werde es weiter geben.
Auch Familienevents sind geplant, so etwa am 9. Februar das „Disney-Mitmachkino“, wo Episoden aus Disney-Serien gezeigt werden, bei denen die Kinder zum mitmachen, mitsingen oder mittanzen animiert werden.

Ob die Fußball-Europameisterschaft übertragen wird, stehe noch nicht fest, so die Sprecherin weiter. Im Thalia wird man die EM-Spiele im Kinocafé Konsum übertragen, wie Kinochef Thomas Bastian sagte. Das habe sich bewährt.

Das Filmmuseum hatte bereits im Dezember eine positive Bilanz für 2019 gezogen (PNN berichteten). Dort waren 27.500 Gäste im Kino gezählt worden – ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, als es 25.000 waren.

Höhere Preise im Thalia, das UCI erhöhte bereits nach dem Umbau 2018

Das Filmmuseum ist mit Abstand das günstigste Kino in der Stadt: 6 Euro zahlt man dort im Normalpreis. Das Thalia hat Ende 2019 die Preise erhöht, der Grundpreis beträgt nun 11,50 Euro. Im UCI kostet das Normalticket je nach Preiskategorie in verschiedenen Sälen und zu verschiedenen Zeiten zwischen 14,50 Euro und 8,50 Euro. In allen Kinos werden Zuschläge zum Beispiel bei Überlänge fällig.

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