• Kinderwagen-Chor: Singstunde für Eltern

Kinderwagen-Chor : Singstunde für Eltern

Beim Kinderwagen-Chor in Potsdam-West können Eltern Hobby und Kinderbetreuung vereinen. Ein zweiter Chor ist nun in Babelsberg geplant.

Der Kinderwagen-Chor.
Der Kinderwagen-Chor.Foto: Ottmar Winter

Gähnen, strecken und miauen: Die Teilnehmer wärmen sich für das gemeinsame Singen auf. Sie essen Früchte – allerdings nur fiktive – und schmatzen laut dabei. Dann gehen die Geräusche in ein gleichmäßiges Summen über. „Und jetzt ein tiefes Seufzen“, sagt Chorleiterin Susan Glimmerveen. Schließlich stimmen die elf Chorteilnehmer das erste Lied an. Beobachtet werden sie dabei von ihren Kindern. Der Kinderwagen-Chor in Potsdam-West richtet sich zwar an die Eltern, willkommen sind aber auch die Kinder. „Sie sehen, dass die Eltern Spaß haben, sind aber vom Prozess nicht ausgeschlossen“, sagt Glimmerveen.

Und der harmonische Gesang scheint die Kinder sogar zu beruhigen. Während einige anfangs noch weinen oder quengeln, ist in dem Raum irgendwann nur noch der Gesang zu hören. Die Kinder, zwischen mehreren Monaten und bis zu drei Jahre alt, sitzen ruhig da und blicken fasziniert zu den Stimmgebern auf. Manche Kinder fangen an, im Takt zu wippen. Die Atmosphäre in dem Raum ist gemütlich, die Eltern sitzen im Kreis auf bunten Decken auf dem Boden, in der Mitte liegt Spielzeug für die Kinder bereit.

Susan Glimmerveen.
Susan Glimmerveen.Foto: Ottmar Winter

Der Chor ist noch relativ neu. Seit April dieses Jahres singen junge Eltern in der Hebammenpraxis in der Lennéstraße 13a in Potsdam-West. Im August oder September startet Glimmerveen noch einen Kinderwagen-Chor in Babelsberg. Vorher hat sie schon Workshops zum Singen von Wiegenliedern angeboten. Viele hätten gesagt, dass es schön sei, zusammen zu singen, erzählt die 55-Jährige. Mit dem Kinderwagen-Chor schaffte Glimmerveen, die langjährige Erfahrungen als Chorleiterin hat und seit 2014 auch einen Chor in Caputh leitet, ein wöchentliches Angebot. Die Teilnehmer im Kinderwagen-Chor singen Lieder aus aller Welt, darunter afrikanische, norwegische und keltische Stücke. Die Chorleiterin begleitet den Gesang auf der Gitarre.

Als nächstes steht ein norwegisches Lied auf dem Programm. Die Teilnehmer singen „Sei dame dei dame dei dam do“. Glimmerveen heftet sich mit einer Wäscheklammer einen Zettel, auf dem der kurze Liedtext steht, an ihr T-Shirt. Die tiefe Stimme des einzigen Vaters in der Runde sticht etwas hervor.

Mittlerweile sitzen die Kinder nicht mehr nur ruhig da, sondern verteilen sich krabbelnd im Raum oder spielen mit den Spielsachen. Manche schwingen passend zum Gesang die Rassel. Ein Kind inspiziert den Tascheninhalt einer Chorsängerin. Kurz danach kullern Blaubeeren aus einer Brotdose über den Boden. Als Glimmerveen auf der Gitarre spielt, schaut sich ein Kind das Instrument aus nächster Nähe an und greift freudig in die Saiten.

Vor allem kurze Texte stehen auf dem Notenblatt

„Ich mag, dass es so unkompliziert ist und man entspannt mitsingen kann“, sagt Teilnehmerin Lisa, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Mit ihrem einjährigen Sohn Tilmann ist sie von Anfang an dabei. Ihm gefalle die Musik. Dort könnten die Mütter singen und trotzdem ihre Kinder mitbringen. Das sei bei vielen anderen Aktivitäten oft nicht möglich.

Dass die Mütter und Väter vom Kinderwagen-Chor nicht ununterbrochen singen können, sondern sich auch mal um ihre Kinder kümmern müssen, gehört dazu. Es gehe ohnehin nicht darum, perfekt zu singen. Außerdem läuft alles ohne Noten. Wichtig sei es, dass es nicht zu schwer ist, weshalb Glimmerveen vor allem kurze Texte auswählt. „Die Idee ist, dass man zusammen singt“, sagt Glimmerveen, die ursprünglich aus den Niederlanden stammt und viele Jahre in England gewohnt hat bevor sie 2012 nach Potsdam kam. Genauso gefalle ihr aber auch, die Kinder zu beobachten, wie sie auf die Musik reagieren und „spontan ihren musikalischen Impulsen folgen“.

Eine Stunde lang wird gemeinsam gesungen

Gegen Ende der Chorstunde, die Glimmerveen ganz bewusst auf eine Stunde begrenzt, stimmen alle noch ein paar keltische Wiegenlieder an. Langsam werden die Kinder nun wieder unruhiger. Singend erheben sich schließlich die Chorteilnehmer und räumen gemeinsam den Raum auf bevor sie sich auf den Heimweg begeben. Ihre volle Aufmerksamkeit gilt nun wieder den Kindern.

Wer sich für den Kinderwagen-Chor in Babelsberg anmelden möchte, kann sich bei Susann Glimmerveen unter [email protected] melden. Der Chor startet im August oder September im Geburtshaus Apfelbaum, Tuchmacherstraße 17, in Potsdam und findet montags von 16 bis 17 Uhr statt. Ein Schnuppertermin ist kostenlos. Eine Sammelkarte für zehn Mal kostet 70 Euro.