• Kinderrechte-Filmfestival in Babelsberg: Schüler drehen eigenen Streifen - in nur wenigen Tagen

Kinderrechte-Filmfestival in Babelsberg : Schüler drehen eigenen Streifen - in nur wenigen Tagen

Schüler des Leibniz-Gymnasiums drehen einen Film, der im Juni auf dem Kinderrechte-Filmfestival im Thalia gezeigt wird. Dafür schlüpfen sie auch in die Rolle von Senioren.

Lisa Habermann Rebecca Tanner
Der Film der Schüler setzt sich mit dem Recht auf freies Spielen auseinander.
Der Film der Schüler setzt sich mit dem Recht auf freies Spielen auseinander.Foto: Lisa Habermann

Potsdam - „Kamera? Läuft! Ton? Läuft! Und Action!“ Elane und Justus, Schüler der Klasse 6a des Leibniz-Gymnasiums, sitzen verkleidet als altes Ehepaar vor der Kamera und spielen die erste Szene ihres Kurzfilms „Fußball mit Hindernissen“. Hinter der Kamera herrscht absolute Stille und Konzentration. „Cut! Du lehnst dich zu weit aus dem Bild. Wir drehen das nochmal“, sagt Jonas Schwarz, Leiter der Dreharbeiten. Zu sehen sein wird der Film im Rahmen des Kinderrechte-Filmfestivals am 2. Juni im Babelsberger Thalia-Kino.

Seit 2013 findet das Festival regelmäßig zweimal im Jahr statt. Gezeigt werden von Schulklassen gedrehte Filme, die sich jeweils mit einem der Kinderrechte auseinandersetzen. Jede Klasse sucht sich selber aus, auf welches Kinderrecht sie sich spezialisieren will. Ein Ranking gibt es nicht, denn es geht bei diesem Festival nicht ums Gewinnen, sondern darum, auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen.

Spielende Kinder als Störfaktor

Klassenlehrerin Hanna Tannert hat sich dieses Jahr entschieden, mit ihrer sechsten Klasse mitzumachen. „Ein Elternteil hat mich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht und ich dachte mir: Warum nicht? Das würde bestimmt den Klassenverband stärken“, sagt die 31-Jährige. Ihre Schüler setzen sich filmisch mit dem Recht auf freies Spielen auseinander. In ihrem Film geht es um ein altes Ehepaar, das sich daran stört, wenn Kinder auf dem Hof spielen. Sie beschweren sich bei der Vermieterin und spannen sogar ein Seil auf, um die Kinder am Spielen zu hindern. Darüber stolpert dann allerdings der Mann, er muss ins Krankenhaus und das Paar gewinnt langsam das Einsehen, dass seine Ansichten vielleicht doch zu hart waren.

Die elfjährige Elane spielt die Seniorin mit Leidenschaft: „Dietrich, die Kinder spielen schon wieder auf unserem Hof. Das zweite Mal schon in dieser Woche. Ich rufe jetzt sofort die Vermieterin an“, keift sie für den Film.

Eine Woche Zeit für Konzept und Dreh

Ungefähr eine Woche haben die Schüler Zeit für ihr Konzept und den Dreh. „Am ersten Tag haben wir uns über die Kinderrechte in Deutschland informiert und uns schon Gedanken über das Drehbuch gemacht“, erzählt Schüler Vincent, der ebenfalls elf Jahre alt ist. Schon am zweiten Tag hätten sie ihre Ideen umgesetzt, das grobe Drehbuch geschrieben und die Rollen verteilten. „Wirkliche Texte haben wir aber nicht“, sagt Vincent. Wir wissen den Inhalt der Szene und improvisieren dann.“ Die Kinderrechte hat Manuela Neels, Sozialpädagogin des Kinder- und Jugendbüros Potsdam, gemeinsam mit den Schülern gelernt. Insgesamt 54 Kinderrechte wurden 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.

Die Anzahl der am Projekt teilnehmenden Klassen variiert von Jahr zu Jahr, sagt Oliver Bärthel, Vertreter des Landesverbandes Kinder- und Jugendfilm Berlin e.V. (kijufi). Im November vergangenen Jahres nahmen 19 Schulklassen aus dem Land Brandenburg teil, dieses Mal sind es sechs. 

Die Stimmung ist konzentriert, aber entspannt

Die Idee zum Festival hatte der jetzige Leiter Jan Rooschüz, der sich schon viele Jahre für Kinder und Jugendliche einsetzt. „Ihm ist es wichtig, dass die Kinderrechte anerkannt werden, und das versuchte er durch spielerisches Filmen umzusetzen“, sagt Bärthel. Das Ziel sei es, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit den Kinderrechten auseinandersetzen und andere darauf aufmerksam machen.

Während der Dreharbeiten überlegen die Kinder, wie sie die nächste Szene besser gestalten können. „Da ist eine zu große Pause zwischen euren Sätzen“, ruft Drehleiter Jonas Schwarz. „Justus, du hast eine Zeitung in der Hand, sag’ doch etwas über das Coronavirus“, kommt die Idee von hinten. Die Stimmung ist konzentriert, aber entspannt. Jeder darf seine Meinung sagen und alle hören zu. Nachdem die Dreharbeiten im Kasten sind, wird die Kamera ein- und das Pausenbrot ausgepackt.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.