• Kinderbetreuung in Potsdam: Neues Kitajahr, alte Probleme

Kinderbetreuung in Potsdam : Neues Kitajahr, alte Probleme

20.000 Kitaplätze bietet Potsdam. Doch genug ist das nicht. Es fehlt an Personal - und noch ist der Kitanavigator nicht fertig.

Die Zahl der Betreuungsplätze in Potsdam wird ausgebaut.
Die Zahl der Betreuungsplätze in Potsdam wird ausgebaut.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Potsdam erweitert zum Start des neuen Kitajahres erneut die Betreuungskapazitäten. Trotzdem dürften sich damit nicht alle Sorgen von Eltern auflösen. Weiterhin gibt es Probleme bei der Kapazität, der Verteilung und dem Personal. Deshalb sollen auch in den nächsten Monaten noch zusätzliche Angebote hinzukommen. Wie die Stadt auf PNN-Anfrage mitteilte, stehen aktuell insgesamt 20.000 Betreuungsplätze in der Landeshauptstadt zu Verfügung. Das sind 1360 mehr als vor einem Jahr. Es gibt 4300 Krippenplätze, 7100 Kindergartenplätze und 8600 Hortplätze.

Neue Kapazitäten sind zum neuen Kitajahr an vier Standorten geschaffen worden. Mit 134 Plätzen gibt es die meisten neuen in der Kita Pipapo in Fahrland. In der AWO-Kita Inselmäuse in der Burgstraße in der Innenstadt entstehen 100 zusätzliche Plätze. In der Kita Sausewind in der Lotte-Pulewka-Straße gibt es nach einer Sanierung 25 zusätzliche Plätze. Und die Kita Löwenzahn im Ginsterweg in der Waldstadt erweitert ihr Angebot um 80 Plätze.

100 zusätzliche Plätze entstehen in der Kita "Inselmäuse" in der Potsdamer Burgstrasse.
100 zusätzliche Plätze entstehen in der Kita "Inselmäuse" in der Potsdamer Burgstrasse.Foto: Andreas Klaer

Trotzdem reicht das Angebot nicht ganz aus. „Zurzeit sind sechs Krippenkinder und sechs Kitakinder nicht versorgt“, teilte die Stadtverwaltung mit. Den betroffenen Eltern seien bereits bedarfsgerechte Betreuungsangebote gemacht worden, die sie jedoch aus individuellen Gründen nicht annehmen wollten, hieß es. Der Betreuungsplatzservice Kita-Tipp stehe jedoch mit den Eltern in Kontakt und sei bestrebt, Lösungen mit dem Ziel der Versorgung der Kinder zu finden.

„Der seit Jahren geplante und immer wieder verschobene Kitanavigator – eine Plattform zur zentralen Anmeldung und Platzvergabe – lässt weiter auf sich warten“, schrieben die PNN vor einem Jahr. Daran hat sich nichts geändert. „Derzeit läuft die Vergabevorbereitung“, heißt es nun auf Anfrage. Im Frühjahr hatte das Rathaus auf Anfrage des Linken-Stadtverordneten Sascha Krämer bekannt gegeben, dass sich der zuletzt für Ende 2021 vorgesehene Start für den Kitanavigator verschieben werde. Ein neuer Termin wurde nicht genannt.

Potsdam wächst - und der Bedarf auch

Da Potsdam weiter wächst, dürfte auch der Bedarf an Kinderbetreuung weiter zunehmen. Wie berichtet hatte Potsdam Ende Juni die Schwelle von 181.000 Einwohnern überschritten. Im Jahresvergleich nahm die Einwohnerzahl um 1765 zu. Immerhin – bis Jahresende sollen weitere Kinderbetreuungsangebote dazukommen: 130 zusätzliche Plätze entstehen in der Kita Kasimir und Suse in der Sophie-Alberti-Straße in der Waldstadt und 118 weitere Plätze sind in der Kita in der Jagdhausstraße am Stern vorgesehen. In der Kindertagesstätte Eiche gab es Umbauten, es sind dabei keine neuen Plätze hinzugekommen.

Allerdings sind die baulichen Voraussetzungen nicht das einzige Problem. Es hapert auch beim Personal: Aktuell sind noch 50 Erzieherstellen nicht besetzt, teilte die Arbeitsagentur auf PNN-Anfrage mit. Der Mangel an Erziehern sei auch weiterhin ein großes Problem, sagt Sprecherin Katharina Schack, Sprecherin der Potsdamer Arbeitsagentur. Viele Kitas hätten Probleme, offene Stellen zu besetzen. Dazu komme aktuell der Ausfall von einigen älteren Erziehern, die zur Risikogruppe gehören und deshalb während der Corona-Pandemie nicht arbeiten. 

Betreuungseinrichtungen, die noch freie Stellen haben, empfiehlt Schack, offensiv für sich zu werben. „Viele sind mit Aushängen erfolgreich, auch kann es helfen, direkt in die Klassen der auszubildenden Erzieher zu gehen.“ Immerhin: Das Interesse am Beruf Erzieher steige, und damit auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in diesem Bereich. Argumente für die Ausbildung seien auch das mittlerweile gezahlte Ausbildungsgeld sowie die Verbesserung der Möglichkeit, diese berufsbegleitend zu absolvieren. Rein rechnerisch müsste es eine Lösung für den Personalmangel geben. 

Saisoneffekt in den Ferien

Allein in Potsdam waren im Juli 87 Erzieherinnen und Erzieher arbeitslos gemeldet, im weiteren Umkreis des Agenturbezirkes sogar 236. Allerdings handele es sich dabei zum Teil um einen sogenannten Saisoneffekt, so die Arbeitsagentur: Die schulischen Berufsausbildungen endeten Mitte Juli, neu eingestellt werde aber in diesem Beruf in aller Regel nach den Sommerferien. Der Bedarf an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern werde nicht allein durch die neu ausgelernten Fachkräfte gedeckt werden: Einrichtungen würden erweitert und angestellte Fachkräfte gehen in den Ruhestand. 

Außerdem gibt es Konkurrenz: Viele Erzieherinnen und Erzieher entscheiden sich aufgrund des höheren Verdienstes für einen Arbeitsplatz in Berlin, weiß man bei der Arbeitsagentur. Außerdem können sie nicht nur in Kitas arbeiten, sondern auch in der Jugendhilfe oder in Kinderheimen. 

Ein Teil der Absolventen strebt ein weiterführendes Studium an. Sie stehen dem Arbeitsmarkt dann nicht zur Verfügung, sondern wechseln im Herbst an eine Hochschule. Doch es gibt noch mehr Hindernisse: Die Arbeitsagentur betreue auch Erzieherinnen und Erzieher, die selber vor dem Problem stehen, in den Randzeiten keine Betreuung für ihre eigenen Kinder zu haben. 

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