• Keine Kittel, sondern viel Schönes Desigerinnen-Duo öffnet Modegalerie

Potsdam : Keine Kittel, sondern viel Schönes Desigerinnen-Duo öffnet Modegalerie

Fündig geworden: Blick in die neue Mode-Galerie „von Kittel“.
Fündig geworden: Blick in die neue Mode-Galerie „von Kittel“.Foto: M. Thomas

Der Farbgeruch ist noch nicht ganz verschwunden, aber im Kamin leuchten Kerzen und mit heißem Punsch wird es so richtig gemütlich. Seit Sonntag hat die neuen Mode-Galerie „von Kittel“ in der Benkertstraße geöffnet, sind Anja Pruggmayer und Mirjem Thielecke, beides diplomierte Designerinnen, nun Geschäftspartnerinnen. Erfahrungen bringen sie mit aus den vergangenen Jahren: Temporär mieteten sie sich über die Adventszeit in dem Holländerhaus ein, die durchweg positive Resonanz dieses Projekts für vier Wochen ermutigte sie, sich ganzjährig im Viertel niederzulassen und dort ihr neu gegründetes Modelabel zu etablieren.

„Wir schneidern alles selbst, dazu kommen Schmuck, Porzellan und Papeterie-Artikel von Designern, die es bisher in Potsdam nicht gibt“, sagen sie. Der Name „von Kittel“ stehe für bequeme und alltagstaugliche Mode, hochwertige Stoffe in guter Verarbeitung, aber auch mal für „schick“. Keine Massenware von der Stange, eher kleinere Auflagen oder Einzelstücke, die gern nach den Vorstellungen der Kunden angefertigt werden. Ergänzt werden die Textilien durch Designer-Schmuck unter anderem von Dorit Schubert und Anna Kuntsche und dekorativem Porzellan von Witt und Hirschler.

Ein Besuch bei „von Kittel“ lohnt sich noch aus ganz anderer Hinsicht. Das 1736 gebaute Haus in der Benkertstraße ist vermutlich das einzige in Potsdam, das mit einer restaurierten Wand- und Deckenmalerei aus dem Jahr 1750 aufwarten kann: wunderschöne Blumengirlanden und Ziergitter, die an der Stuckdecke sowie einer Wand von der Restauratorin Lenore Löwe, die auch die Eigentümerin des Hauses ist, bereits komplett restauriert wurden. Die restlichen Wände offenbaren freigelegte Fragmente, an denen Löwe eines Tages weiterarbeiten will. Sie lebt seit den Achtzigern in dem Haus, das ihr viel Leidenschaft und Fleiß abverlangte. Die Malerei entdeckte sie unter Schichten von Tapeten und Farben. Sie könnte von dem Potsdamer Veduten-Maler Johann Friedrich Meyer stammen, der in dem Haus wohnte, allerdings erst seit 1770 dort gemeldet war.

Thielecke und Pruggmayer wissen um ihren kleinen Schatz und fühlen sich in dem geschichtsträchtigen Ambiente zwischen Malerei, historischem Dielenboden und Kamin sehr wohl. Ihr Laden in der Benkertstr. 21 ist jeweils von Dienstag bis Sonntag geöffnet.spy

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