Potsdam : Kein Vorbild

Vortragsabend über Hans Friedrichs – Potsdamer Oberbürgermeister der Nazizeit

Erhart Hohenstein

In diesen Tagen, wo Eva Hermans „Aufrechnung“ der Autobahnen und der Familienpolitik Hitlers gegen seine Millionen Menschen vernichtenden Verbrechen für Empörung und Prosteste gesorgt hat, lädt der Förderverein Militärmuseum Brandenburg-Preußen zu einem Vortragsabend über Hans Friedrichs ein. Er war von 1934 bis 1945 Potsdams Oberbürgermeister. Ein risikoreiches Unterfangen, das dank des Historikers Armin Hanson aber die politischen Klippen leidlich umschiffte.

Die Verdienste des 1929 als Generalmajor pensionierten Reichswehroffiziers um Potsdam sind nicht zu leugnen. Als Oberbürgermeister bewahrte er das historische Stadtbild und ordnete ihm Neubauten architektonisch unter. Er begriff Potsdams „Stadtpersönlichkeit“ als Gesamtkunstwerk von Bebauung und Landschaft bereits sechs Jahrzehnte vor der Erklärung zum Weltkulturerbe. Friedrichs vergrößerte die Stadt durch Eingemeindungen – so von Babelsberg – auf 125 000 Einwohner und versuchte ihr ein kulturelles Niveau zu geben, das Berlin nicht nachstand. Dies trug dazu bei, die Einverleibung Potsdams in die Reichshauptstadt zu verhindern.

Das alles kann Friedrichs angerechnet werden; es ändert jedoch nichts daran, dass er wie Hanson sagt ein „treuer Parteisoldat des Nationalsozialismus“ war. Dass Friedrichs kaum als Antisemit hervortrat, dass er seine Mitarbeiter, so den Bauhausschüler Hubert Hoffmann, nach der Befähigung und nicht nach dem Parteibuch auswählte und gelegentlich seinem Gönner Hermann Göring widersprach, vermag dies nicht zu relativieren. Bis zum Kriegsende 1945 hielt er treu zur Fahne, um sich dann rechtzeitig vor der herannahenden Roten Armee gen Westen abzusetzen. Laut Armin Hanson, der über die Denkmalpflege in Potsdam von 1918 bis 1945 promoviert, gab die Heimatschutz-Bewegung Friedrichs die entscheidenden Antriebe. Vor dem Ersten Weltkrieg entstanden, vertrat sie ein ganzheitliches Konzept aus Denkmalpflege, des Landschafts- und Naturschutzes und der Bewahrung der Tradition. Moderne Entwicklungen, so in der Architektur den Jugendstil, lehnte sie ab. Sie war rückwärtsgewandt und besaß nationalistische und rassistische Tendenzen. Offensichtlich sah Hans Friedrichs, der wie viele Offiziere die Weimarer Republik als Zeit des Niedergangs betrachtete, im Nationalsozialismus die Chance, seine Heimatschutzkonzeption durchzusetzen. 1932 trat er der NSDAP bei und wurde bereits ein Jahr später Kreisleiter in Potsdam. Friedrichs trug dazu bei, die zwölf Stadträte durch Mitglieder der Nazipartei zu ersetzen und drängte 1934 schließlich Oberbürgermeister Arno Rauscher aus dem Amt. Als Stadtoberhaupt praktizierte „Friedrich(s) der Kleine“, wie er spöttisch genannte wurde, einen militärischen Führungsstil, der seine Beamten zu Gehorsam und unbedingter Einsatzbereitschaft verpflichtete. Nach der Flucht 1945 verbrachte er seine letzten Lebensjahrzehnte im Schwarzwalddorf Menzenschwand.

In seinen Schlussbemerkungen erklärte der Vorsitzende des Militärmuseums-Vereins, Oberst a.D. Burkhart Franck, wie wichtig auch heute für Potsdams städtebauliche Entwicklung ein ganzheitliches Konzept und der Erhalt des historischen Stadtbildes seien. Als Vorbild dafür tauge Hans Friedrichs als Parteigänger des Nationalsozialsmus allerdings nicht. Erhart Hohenstein

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