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Kaufhaus in der Innenstadt : Karstadt-Filiale in Potsdam schließt

Der Potsdamer Standort von Karstadt ist eine von 62 Filialen der Warenhauskette, die von der Schließung betroffen sind. Oberbürgermeister Schubert kündigt Gespräche mit Handelsverbänden für Montag an.

Geschlossenes Kaufhaus sorgte für Überraschung.
Geschlossenes Kaufhaus sorgte für Überraschung.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Die Potsdamer Filiale von Karstadt schließt. Sie ist eine von 62 Standorten bundesweit, die der letzte große deutsche Warenhauskonzern dicht macht. Eine offizielle Bestätigung von Karstadt Galeria Kaufhof steht zwar noch aus, allerdings reagierte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) umgehend in Form einer Pressemitteilung. „Die Entscheidung des Unternehmens bedeutet einen herben Verlust für Potsdam", so Schubert laut der Mitteilung. "Das Warenhaus in der Brandenburger Straße ist seit seiner Wiedereröffnung ein entscheidender Motor für die Entwicklung der Potsdamer Innenstadt." 

Warum Potsdam?

Schubert äußerte Unverständnis darüber, warum gerade Potsdam betroffen ist. "Warum gerade Potsdam mit seit Jahren stark wachsender Bevölkerung, steigender Kaufkraft und stabil hohen Touristenzahlen auf der Streichliste steht, lässt sich schwer nachvollziehen", hieß es vom Oberbürgermeister.

In der Potsdamer Filiale arbeiten etwa 100 Beschäftigte. Die Mitarbeiter wurden offenbar am Freitag über die Schließung informiert. Die Filiale selbst war am Freitag geschlossen, auf einem Schild stand "Wegen einer Betriebsversammlung geschlossen". 

Die Karstadt-Filiale in der Brandenburger Straße schließt.
Die Karstadt-Filiale in der Brandenburger Straße schließt.Foto: Ottmar Winter PNN

Die Mitarbeiter wurden überrascht

Kurz nach Ende der Betriebsversammlung verspürten die Mitarbeiter von Karstadt wenig Lust zu einer Stellungnahme: Zwei verließen wortlos den Mitarbeitereingang an der Jägerstraße, ein anderer äußerte sich hingegen optimistisch: „Ich glaube, es ist noch nicht ganz klar, vielleicht machen wir auch irgendwann wieder auf.“ Die Nachricht von der Schließung habe er nicht erwartet: „Das kam auf jeden Fall überraschend.“

Viele Passanten standen ratlos und enttäuscht vor den verschlossenen Türen des Kaufhauses: „Erst morgen wieder!“, rief ihnen ein Hausmeister von innen zu. Als die Kunden vom Grund für die Schließung erfuhren, reagierten sie unterschiedlich: „Das wäre schade“, sagte eine ältere Frau vor dem Haupteingang, eine andere meinte: „Das tut mir überhaupt nicht Leid, ich habe dort nie bekommen, was ich brauchte.“ Ein Passant äußerte sich verwundert zu der Schließung: „Das wäre hart, das ist ja schließlich das größte Kaufhaus in der Innenstadt.“

Ankermieter für die Innenstadt

Immer wieder wurde der Standort als Ankermieter und wichtiger Faktor für die Potsdamer Innenstadt bezeichnet. Deutschlandweit betreibt der Konzern 172 Filialen. Von den Schließungen sind rund 6000 Mitarbeiter betroffen. 

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Nils Busch-Petersen, Chef des Handelsverbands Berlin Brandenburg bezeichnete die Schließung als "große Herausforderung für die Innenstadt". Das sei ein Rückschlag für die Brandenburger Straße. "Ich muss vor allem an die Tage denken, in denen sehr viele Potsdamer Händler in der Innenstadt alles dafür getan haben, dass in das Gebäude wieder ein Warenhaus einzieht. Ich war bei der Eröffnung 2005 selbst dabei."

Bärbel Schälicke, Vorsitzende der AG Innenstadt, sagte, der Weggang werde eine "ganz große Lücke" hinterlassen. Sie sei von der Meldung völlig überrascht worden. "Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, es ist das einzige Warenhaus der Größe hier, Potsdam ist eine Landeshauptstadt", sagte sie auf Anfrage. Sie müsse die Nachricht erst einmal verarbeiten. "Das hat mich echt umgehauen", so Schälicke. 

Götz Friederich, Kreisvorsitzender der CDU in Potsdam, sagte, es sei „ein schwarzer Tag für den Potsdamer Einzelhandel“. „Mit der Schließung dieses so herausragend wichtigen Publikumsmagneten verliert Potsdam nicht nur eine Attraktion für die Erlebniswelt der Innenstadt, sondern auch einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor für den Einzelhandel insgesamt“, so Friederich.
Ab sofort müsse man alle Kraft darauf verwenden, um "so zeitnah wie möglich eine adäquate Neu-Ansiedelung zu realisieren".

Oberbürgermeister Schubert kündigte an, dafür kämpfen zu wollen, dass das Stadtpalais ein Warenhaus bleibt. „Es ist mir wichtig, dass Händler und Stadt jetzt an einem Strang ziehen. Wir müssen gemeinsam mit allen zügig die nächsten Schritte beraten. Der Warenhaus-Standort in der Brandenburger Straße muss als Einkaufsmagnet für die Innenstadt erhalten werden“, sagt der Oberbürgermeister. 

Gespräche am Montag geplant

Laut der Mitteilung plant Schubert deshalb für Montag eine Reihe von Gesprächen, unter anderem mit der Industrie- und Handelskammer Potsdam und dem Handelsverband Berlin-Brandenburg. Bereits telefoniert habe er mit dem Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen. Auch zur Leitung des Potsdamer Karstadt-Hauses habe er Kontakt aufgenommen. Kontaktaufnahme. Im Laufe der kommenden Woche seien weitere Termine mit der AG Innenstadt und Innenstadthändlern geplant. In diesen Gesprächen solle es auch darum gehen, zu überlegen, wie den Auswirkungen auf den lokalen Handel begegnet werden kann. Auch zum Eigentümer des Stadtpalais soll es in der kommenden Woche eine Kontaktaufnahme geben, kündigte Schubert an. 

Die Karstadt-Filiale in Potsdam schließt.
Die Karstadt-Filiale in Potsdam schließt.Foto: Ottmar Winter

Umsatzeinbrüche in der Coronazeit

Karstadt Galeria Kaufhof hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, rund ein Drittel seiner Filialen deutschlandweit schließen zu wollen. Zunächst war jedoch unklar, welche betroffen waren. Der Konzern war bereits vor der Coronakrise angeschlagen, die pandemiebedingten zeitweisen Schließungen hatten dann massive Umsatzeinbrüche bedeutet. „Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden“, sagte der Generalbevollmächtigte des Konzerns, Arndt Geiwitz, am Freitag. Das Unternehmen, der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi haben sich bundesweit auf einen Sozialplan und einen Interessenausgleich für Galeria Karstadt Kaufhof verständigt. Er sieht unter anderem vor, dass die gekündigten Mitarbeiter für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können.

Haus mit langer Geschichte

Die Karstadt-Quelle AG hatte das Grundstück des Warenhauses in der Brandenburger Straße in Potsdam 1993 erworben. Karstadt war damit wieder an den Ort zurückgekehrt, an dem das Unternehmen bereits von 1931 bis in die DDR-Zeit hinein ein Warenhaus betrieben hatte. Nach einem Brand im Gebäude war das Haus seit 1995 geschlossen. Die Landeshauptstadt Potsdam hatte, so heißt es in der Mitteilung der Stadt, "seinerzeit alles in ihren Kräften Stehende getan, um den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes für Karstadt zu ermöglichen und die Rahmenbedingungen für den Neubeginn zu schaffen". Die Filiale war nach mehrjährigem Leerstand und einem Umbau für 50 Millionen Euro 2005 eröffnet worden. Immer wieder hatte es Spekulationen über eine mögliche Gefährdung des Standorts gegeben. 

Sechs von elf Filialen machen in Berlin dicht

In Berlin stehen mehr als die Hälfte der Karstadt-Filialen vor dem Aus. Den Angaben zufolge sollen sechs von elf Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen geschlossen werden. Außerdem soll die geplante Filiale in Berlin-Tegel gar nicht erst öffnen. Geschlossen werden sollen in der Hauptstadt die Standorte in Berlin-Charlottenburg, Berlin-Tempelhof sowie an der Müllerstraße in Berlin-Wedding, im Berliner Ringcenter an der Frankfurter Allee, in Berlin-Hohenschönhausen sowie die Filiale in den Gropius-Passagen in Neukölln.
Der Landesbezirk der Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass in Berlin bislang mindestens 600 Beschäftigte direkt von den Schließungen betroffen sind. Insgesamt arbeiten demnach in den elf Warenhäusern rund 1850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (mit dpa)

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