• Karl Foerster zum 50. Todestag: Vom Glück des Gärtnerns

Karl Foerster zum 50. Todestag : Vom Glück des Gärtnerns

Karl Foerster war nicht nur Gärtner, sondern Gartenphilosoph. Heute vor 50 Jahren ist er in Potsdam gestorben. Eine neue Biografie versucht eine Annäherung.

Klaus Büstrin
Karl Foersters Haus und Garten in Potsdam-Bornim.
Karl Foersters Haus und Garten in Potsdam-Bornim.Foto: PNN / Ottmar Winter

Potsdam - Gärtner und Gartengestalter kann es nicht genug geben. Denn der Gärtnerberuf ist nach Karl Foersters Überzeugung den vornehmsten und geistig forderndsten Betätigungen des Menschen ebenbürtig: „Für geistig anspruchsvolle und universal gestimmte Menschen ist er einer der großen Berufe.“ Was das bedeutet, hat er selbst erfahren. 

Dem 1874 Geborenen war als Jugendlichen noch nicht klar, welchen Beruf er wählen sollte. Er schwankte zwischen Seefahrer, Maler, und Gärtner. Doch die Beschäftigung von Kunst und Kultur im Elternhaus wurde entscheidend. Mutter Ina pflegte intensiv ihre Malbegabung und Vater Wilhelm Foerster, der renommierte Berliner Astronom, säte in Karl das große Naturinteresse, speziell für das Gärtnern. 

Karl Foerster (1874 - 1970) hat wie kein anderer Gärtner die deutsche Gartenlandschaft des 20. Jahrhunderts geprägt. 
Karl Foerster (1874 - 1970) hat wie kein anderer Gärtner die deutsche Gartenlandschaft des 20. Jahrhunderts geprägt. Foto: promo

Rund 370 Züchtungen gehen auf Foerster zurück

In diesem Beruf sollte Karl Foerster zu den ganz Großen seines Metiers im 20. Jahrhundert gehören, einschließlich der Züchtung von Stauden. 1932 züchtete er erste Phlox-paniculata-Sorten, in der Folge gab es neue Sorten von Rittersporn, Astern und Gräsern. Insgesamt gehen rund 370 Züchtungen auf ihn zurück.

Am 27. November 1970, vor genau 50 Jahren, starb Karl Foerster mit 96 Jahren in seinem Haus am Bornimer Raubfang. Auch am Ende seines Lebens war er überzeugt: „Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner“. Ein berühmt gewordenes Zitat, das er 1937 in dem Buch „Glücklich durchbrochenes Schweigen“ formulierte. 

Das Haus Karl Foersters wurde in den letzten Jahren restauriert.
Das Haus Karl Foersters wurde in den letzten Jahren restauriert.Foto: Andreas Klaer

Bei dem neuen Buch über Foerster fehlt die kritische Sicht

Die in Essen lebende Gartenhistorikerin und Journalistin Antje Peters-Reimann hat es als Titel für ihre unlängst im Stuttgarter Eugen Ulmer Verlag erschienene Biografie über Karl Foerster benutzt. Ulmer gibt das umfangreiche schriftstellerische Werk und die nicht minder poetisch geschriebenen populärwissenschaftlichen Bücher der Gartenikone heraus. 

Doch leider fehlt eine fundierte wissenschaftlich-kritische Sicht auf Leben und Wirken Foersters. Zwar wartet die Autorin der Ulmer-Edition mit einem Fundus an Wissen auf, das sie nicht nur in der Vielzahl der Veröffentlichungen von und über den Gärtner, Staudenzüchter, Schriftsteller und Gartenphilosophen fand. Sondern auch in Gesprächen vor allem mit Gärtnern, die teilweise Mitarbeiter im Betrieb Foersters waren, auch mit Gartenhistorikern. 

Die eindrucksvollste Foerster-Veröffentlichung ist von 1982


Antje Peters-Reimann hat ein gut lesbares Buch geschrieben. Der Protagonist mit seinen verschiedenen Facetten ist bei der Autorin jedenfalls bestens aufgehoben. In den vergangenen Jahren sind einige Bücher über Foerster erschienen – der 1982, zu DDR-Zeiten, im Union Verlag herausgekommene und nun bei Ulmer neu edierte Erinnerungsband der Witwe Eva Foerster und des Journalisten Gerhard Rostin „Ein Garten der Erinnerung“ gehört noch immer zu den eindrucksvollsten Veröffentlichungen. Auf jeder Seite liegt hier der Atem der Authentizität. 

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Auch das Buch „Der Garten meines Vaters“ von Tochter Marianne Foerster (Deutsche Verlags Anstalt München, 2005), lebt natürlich von der Nähe zu Eltern, Garten und Haus. Marianne Foerster, die bis 1990 als Gartengestalterin in Brüssel tätig war und dann nach Bornim zog, hatte stets die teilweise Rekonstruktion des Areals rund um das Haus im Blick. 

Die Geschichte des Gartens in Bornim beginnt 1911

Zur Buga 2001 sollte alles schick sein. Schon in den 1980er Jahren hatten der Landschaftsarchitekt Hermann Göritz und der Gartenhistoriker Peter Herling einzelne Bereiche bereits überarbeitet. 1981 wurde der Foerster-Garten unter Denkmalschutz gestellt.

Die treuhänderische Marianne-Foerster-Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) sichert heute den fortwährenden Bestand von Haus und Garten. Das 1910 im englischen Landhausstil errichtete Gebäude wurde in den vergangenen Jahren saniert und die Fassade zum Senkgarten rekonstruiert. 

Restaurierungen im Innern, Spuren auf der Freundschaftsinsel

Auch im Inneren konnten Restaurierungen vorgenommen werden. Das Arbeitszimmer und die Bibliothek wurden originalgetreu wieder hergestellt. Durch die finanzielle Hilfe der Murmann-Stiftung können auch die Arbeiten im Kaminzimmer beginnen. Das Treppenhaus kann sich ebenfalls auf eine Restaurierung freuen. Die Stadt Potsdam ist hierfür die Geldgeberin. Eine ständige museale Öffnung wird es wohl nicht geben: Dafür geben die Räume nicht genug Platz für die Besucher her, so die DSD.

Der Gärtner hat seine gestalterischen Spuren bekanntlich nicht nur in Bornim hinterlassen, sondern auch auf der Freundschaftsinsel. Am heutigen 50. Todestag von Karl Foerster wird der Baubeigeordnete Bernd Rubelt den Ehrenbürger Potsdams dafür auf dem Alten Friedhof in Bornim ehren. Mit einem Blumengebinde.

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