• Potsdam: Duell um das Sozialdezernenten-Amt

Kandidaten stellen sich vor : Duell um das Amt des Sozialdezernenten in Potsdam

Die frühere Münchner SPD-Sozialbeigeordnete Brigitte Meier und der Torgauer Verwaltungsmann Lars Fähling wollen an die Spitze des Sozialdezernats im Potsdamer Rathaus.

Zwei Bewerbungen für die offene Stelle des Sozialdezernenten in Potsdam: Lars Fähling (links) und Brigitte Meier.
Zwei Bewerbungen für die offene Stelle des Sozialdezernenten in Potsdam: Lars Fähling (links) und Brigitte Meier.Foto: Torgauer Zeitung/ SZ Photo/Robert Haas/ Sebastian Gabsch

Potsdam - Brigitte Meier gegen Lars Fähling: Das sind nach PNN-Recherchen die verbliebenen beiden Kandidaten im Zweikampf um den verwaisten Posten an der Spitze des Sozialdezernats. Am Montagabend haben sich beide den im Stadtparlament vertretenen Fraktionen vorgestellt.

Bei Brigitte Meier handelt es sich um die frühere Sozialdezernentin aus der bayerischen Landeshauptstadt München mit 1,5 Millionen Einwohnern, sie ist 54 Jahre alt und Sozialdemokratin. Ihr Kontrahent Lars Fähling ist 36 Jahre alt und Beigeordneter für Finanzen, Kultur, Kitas und Soziales in der sächsischen Kreisstadt Torgau mit 20.000 Bürgern. Ein Favorit zeichnete sich vor Redaktionsschluss zunächst noch nicht ab. Am Mittwoch soll das Stadtparlament einen der beiden wählen – in geheimer Abstimmung.

Brigitte Meier
Brigitte MeierFoto: SZ Photo

Kandidatin mit Amtserfahrung

Zumindest in punkto Erfahrung scheint Meier überlegen. Die diplomierte Sozialpädagogin war unter anderem Geschäftsführerin bei einer Jugend-, Migranten- und Arbeitslosen-Hilfegesellschaft der Münchner Arbeiterwohlfahrt, saß jahrelang für die SPD im Stadtrat der bayerischen Metropole und war seit 2010 dort die Beigeordnete für Soziales. Allerdings war sie laut Medienberichten 2016 nicht mehr für eine weitere Amtszeit angetreten, nachdem sie unter anderem wegen verschleppter Erstattungsanträge bei den Unterbringungskosten für Flüchtlinge den Rückhalt der schwarz-roten Rathauskooperation in München verloren hatte.
Derzeit ist Meier Geschäftsführerin der Israelitischen Kultusgemeinde Oberbayern, mit fast 10.000 Mitgliedern die zweitgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands. Zuletzt hatte Meier im Februar mit einer Bewerbung um das Amt der Kölner Schuldezernentin dort Schlagzeilen gemacht – das Auswahlverfahren wurde dann aber laut Medienberichten aus Sorge vor Konkurrentenklagen von der Stadtspitze gestoppt.

Lars Fähling
Lars FählingFoto: Torgauer Zeitung

Kandidat mit Potsdam-Kenntnissen

Über Lars Fähling ist bisher weniger berichtet worden, allerdings kennt er – bei Dezernentenwahlen auch nicht unwichtig – Potsdam bereits aus der Nahperspektive. So hat er Jura an der Universität Potsdam studiert und dort auch promoviert. Ferner war er unter anderem als Referent im Präsidialamt der Uni tätig. Vor seiner Wahl zum Beigeordneten in Torgau Ende 2017 war er Referent für den Brandenburger Landtag bei der märkischen Vertretung in Brüssel. Fähling ist parteilos und verheiratet.
Die beiden Kandidaten hatten sich gegen mehrere andere Mitbewerber in einem anonymisierten und von dem Personalberatungsunternehmen Kienbaum durchgeführten Verfahren durchgesetzt – unter anderem gegen die Gleichstellungsbeauftragte in der Stadtverwaltung, Martina Trauth (Linke), die ihre Ambitionen früh öffentlich gemacht hatte. Ihre Nichtberücksichtigung hatte wie berichtet den Linke-Kreisvorstand empört. Diese Kritik wiesen die Fraktionschefs von SPD und CDU, Pete Heuer und Matthias Finken, am Montag zurück. Heuer sagte, die Bewerberauswahl sei „nach Eignung, Befähigung und Leistung“ erfolgt. Die beiden Bewerber hätten sich auch „mit deutlichem Abstand von den anderen Kandidaten abgehoben“, darüber sei sich die Runde der Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament einig gewesen. Auch Finken sagte, man sei sich einig gewesen, dass anhand der anonym vorliegenden Eignungs- und Leistungsmerkmale die beiden Bewerber die besten Voraussetzungen mitbringen. „Das jetzt infrage zu stellen, ist nicht nachvollziehbar“, sagte Finken. Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg wollte den Vorgang auf Anfrage nicht weiter kommentieren: Er sagte lediglich, die geäußerte Kritik sei „das gute Recht des Kreisvorstands“.
Seit der Wahl des früheren Amtsinhabers Schubert zum Rathauschef ist das Sozialdezernat unbesetzt. Zu dem wichtigen Geschäftsbereich gehören die Feuerwehr und das Ordnungsamt, das früher dort angedockte Jugendamt untersteht inzwischen dem Bildungsdezernat. Sollte die Berufung so kurz vor der Kommunalwahl im Stadtparlament scheitern, fürchtet man im Rathaus, dass der wichtige Posten womöglich bis Ende des Jahres unbesetzt bliebe. Derzeit muss Kämmerer Burkhard Exner (SPD) das Amt kommissarisch ausfüllen. In Potsdam waren schon mehrere Beigeordneten-Wahlen äußerst knapp verlaufen.