• Kampf gegen die Pandemie: Potsdamer Senioren erhalten den dritten Piks

Kampf gegen die Pandemie : Potsdamer Senioren erhalten den dritten Piks

In der Landeshauptstadt laufen die Auffrischungsimpfungen – noch bis Samstag auch in der Metropolishalle. Manche Ärzte wollen die Booster-Impfung noch nicht anbieten.

Im Emmaus-Haus sind die Bewohner am Mittwoch zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft worden.
Im Emmaus-Haus sind die Bewohner am Mittwoch zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft worden.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus haben in Potsdamer Seniorenheimen und in der Ärzteschaft für Irritationen gesorgt. In einigen Heimen haben inzwischen fast alle Bewohner und Mitarbeiter die so genannte Booster-Impfung erhalten, andere zögern noch. Manche Ärzte bieten die dritte Impfung bereits an, andere wollen damit warten, bis die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Allgemeinempfehlung verkündet.

Mit der dritten Anti-Corona-Impfung soll das Immunsystem von Hochbetagten und Vorerkrankten gestärkt werden, weil der Impfschutz bei diesen vulnerablen Gruppen auch nach zwei Impfungen schneller nachlassen kann. Das brandenburgische Gesundheitsministerium, die Landesärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) und der Hausärzteverband hatten am Dienstag in einem Schreiben an die Ärzte dafür geworben, sofort mit den Auffrischungsimpfungen für diesen Personenkreis zu beginnen.

70 Seniorinnen und Senioren erhielten die dritte Impfung

Am Mittwochmorgen kam denn auch die Hausärztin Marion Kurzweil ins Emmaus-Heim der Lafim-Diakonie an der Eisenhartstraße, um 70 Seniorinnen und Senioren im Alter von 70 bis zu 100 Jahren den dritten Piks zu geben. Inzwischen sind 95 Prozent der 70 Bewohner und 85 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Die Beobachtungen der Pflegedienstleiterin Annegret Brigmann haben beinahe den Charakter einer Feldstudie: Bei insgesamt 200 Impfungen gab es zwei Mitarbeiter, die leichte Reaktionen zeigten, drei Jüngere hatten Fieber und Schüttelfrost, im Betreuten Wohnen klagte ein Bewohner über Hautausschlag, zwei fühlten sich schwach.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Die Gesundheitsministerkonferenz hatte im August und September dafür plädiert, Risikogruppen ab September Auffrischungsimpfungen anzubieten. Es wurde Zeit, denn die Zahlen in Brandenburg sind nicht ermutigend: Laut dem zweimal wöchentlich aktualisierten Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts haben, Stand Mittwoch, erst 6000 der rund 2,5 Millionen Bürger eine Auffrischungsimpfung bekommen. Das nicht viel kleinere Sachsen-Anhalt weist bei 2,2 Millionen Einwohnern 12 659 Dreifachgeimpfte auf – mehr als doppelt so viele.

Potsdamer Ärzte sind uneins

Anfang September legte das Vitanas Seniorencentrum am Volkspark los und ließ 88 Bewohner zum dritten Mal impfen. „94 Prozent unserer Mitarbeiter haben die Booster-Impfung bekommen”, sagt Heimleiterin Becky Leutholf, „ich bin Krankenschwester und hab sie fast alle motiviert”. Im AWO-Seniorenzentrum Käthe-Kollwitz-Haus findet die dritte Impfung laut AWO-Chefin Angela Schweers „in Kürze statt, die Ärzte stehen bereit”.

Auf der Homepage der Praxis Claudia Gutsch in Bornstedt hieß es zuletzt, es sei „denkbar”, dass eine Booster-Impfung vor allem für Personen mit erhöhtem Risiko „sinnvoll ist”. Die Praxis warte aber „eine offizielle Zulassung” ab. Seit Anfang September verabreiche man Drittimpfungen, hieß es später von der Praxis. Die Hausarztpraxis von Claudia Ritterath und Hendrik Poller im Bornstedter Feld bietet seit September ebenso unter anderem für Pflegeheimbewohner, über 60-Jährige und Personen mit Immunschwäche die dritte Impfung an.

Die Booster-Impfung gibt es aber auch im Impfzentrum in der Babelsberger Metropolishalle für Personen ab 80 Jahren und mit Vorerkrankungen. Ärzte und Schwestern stehen am heutigen Donnerstag von 8 bis 16 Uhr bereit, am Freitag von 11 bis 19 Uhr und am Samstag von 8 bis 16 Uhr. Für die Booster-Impfung dort hat die Stadt nicht ausdrücklich geworben, weil die Empfehlung der Stiko ausstand. Geimpft wird mit Biontech, „und es wird niemand abgewiesen, der zur berechtigten Gruppe gehört”, sagt Stadtsprecherin Juliane Güldner.

Hinweis der Redaktion: Die Hausarztpraxis Claudia Gutsch hat darauf hingewiesen, dass die Informationen auf der Homepage veraltet gewesen seien; seit September biete die Praxis entsprechenden Personengruppen die dritte Impfung an. (Stand: 26.9.2021)

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.