• Jüdisches Leben in Potsdam: Land kündigt Vereinbarung zum Synagogenbau

Jüdisches Leben in Potsdam : Land kündigt Vereinbarung zum Synagogenbau

Nach der Jüdischen Gemeinde Potsdam steigt nun auch das Land aus der Vereinbarung zum Synagogenbau aus. Jetzt könnte es einen Neustart des Projekts geben.

Das Grundstück gegenüber dem Filmmuseum war vom Land Brandenburg für den Bau der Neuen Synagoge zur Verfügung gestellt worden.
Das Grundstück gegenüber dem Filmmuseum war vom Land Brandenburg für den Bau der Neuen Synagoge zur Verfügung gestellt worden.Foto: Carsten Koall/dpa

Potsdam - Das Land Brandenburg kündigt den Vertrag über den Bau der neuen Potsdamer Synagoge. Das teilte das zuständige Wissenschaftsministerium am Dienstag mit. Damit folgt das Land der Jüdischen Gemeinde Potsdam, die den Vertrag bereits in der vergangenen Woche gekündigt hatte. Der Vertrag war damit aus Sicht des Landes ohnehin hinfällig. „Nach der Kündigung der gemeinsamen Vereinbarung aus dem Jahr 2018 durch die Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam kann die ursprüngliche Zielsetzung, die Synagoge zusammen mit den beiden Gemeinden zu bauen, nicht mehr erreicht werden", so Ministerin Manja Schüle.

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Die Vereinbarung sah vor, dass beide Gemeinden einen gemeinsamen Ansprechpartner für das Land benennen. Das Land hatte sich zur Bauträgerschaft verpflichtet und mit der Ausführung den Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) beauftragt. Alle Beteiligten erkannten den Vorentwurf von Architekt Jost Haberland an. Nachdem die Jüdische Gemeinde den bisherigen Ansprechpartner Ud Joffe, der auch Vorsitzender der Synagogengemeinde ist, seit Jahresbeginn nicht mehr mittragen wollte, war es zu einer Kontroverse um das weitere Vorgehen gekommen.

Landesregierung hält an Projekt fest

Die Kündigung bedeutet jedoch nicht, dass das Projekt vor dem Aus steht. "Wichtig ist und bleibt: Wir bauen die Synagoge für alle Jüdinnen und Juden“, so Schüle. Nach PNN-Informationen will das Ministerium kurzfristig das Gespräch mit beiden Gemeinden suchen, um Möglichkeiten für die weitere Zusammenarbeit auszuloten. In welcher Konstellation das geschehen könnte, blieb am Dienstag jedoch unklar. Man gehe jedoch davon aus, dass alle Beteiligten das weitermachen wollen. Nach PNN-Informationen setzt das Land weiter auf einen Baubeginn im Jahr 2021.

„Im 30. Jahr der Wiedergründung der ersten jüdischen Gemeinden im Land Brandenburg haben die Jüdinnen und Juden einen Anspruch auf ein religiöses und kulturelles Zentrum im Herzen der Landeshauptstadt", erklärte Schüle. Im April dieses Jahres habe das Land seine Zusage bekräftigt, das Synagogen- und Gemeindezentrum zu bauen. "Insbesondere viele ältere Gemeindemitglieder sehnen sich nach langem Warten danach, die Fertigstellung ihrer Synagoge erleben zu können. Ich stehe weiterhin zu diesem Projekt“, so Ministerin Schüle.

Dabei hatten sich im Frühjahr Fortschritte angedeutet: Erst am 24. April hatte die Ministerin gemeinsam mit Ud Joffe, Mykhaylo Tkach von der Jüdischen Gemeinde Potsdam, dem Architekten Jost Haberland und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) den lange erwarteten Startschuss für die Bauarbeiten verkündet.

Auch die Synagogengemeinde hat sich seit der vergangenen Woche offenbar mit der Fortsetzung des Projekts befasst. Nach PNN-Informationen hat sie nun in einem Schreiben an das Ministerium der Kündigung durch die Jüdische Gemeinde widersprochen. Man gehe davon aus, dass die Vereinbarung weiter gilt, da kein wichtiger Grund für eine Kündigung vorliege. Durch die Kündigung von Seiten des Landes dürfte sich dieser Standpunkt jedoch überholt haben. Da eine Klärung über einen Austausch von Schreiben aber nicht sinnvoll erscheine, schlägt die Synagogengemeinde vor, kurzfristig ein gemeinsames Gespräch der Vertragsparteien durchzuführen.

Baugenehmigung schon seit zehn Jahren

Die alte Synagoge hatten die Nazis in der Pogromnacht 1938 verwüstet. Für die Mitglieder der damaligen Gemeinde folgten Ausgrenzung, Enteignung und Vernichtung. Wer konnte, floh ins Exil. Am 11. Januar 1942 wurden die letzten 40 Potsdamer Juden nach Riga deportiert. Im April 1945 fiel die Synagoge einem alliierten Luftangriff zum Opfer und brannte vollständig aus. Die Ruine neben der Hauptpost am heutigen Platz der Einheit wurde nach dem Krieg abgerissen. Heute steht dort ein Wohnhaus.

Einer der Entwürfe für das Gemeindezentrum samt Synagoge in der Schloßstraße. 
Einer der Entwürfe für das Gemeindezentrum samt Synagoge in der Schloßstraße. Foto: Haberland Architekten

Um die Rückkehr jüdischen Lebens zu unterstützen, verpflichtete sich das Land Brandenburg 2005, den Neubau einer Synagoge mit rund fünf Millionen Euro zu fördern. Inzwischen ist die Summe auf acht Millionen Euro aufgestockt worden. Schon seit zehn Jahren gibt es eine Baugenehmigung. Doch die äußere Gestaltung des geplanten Neubaus sowie die Raumaufteilung führte zu Kontroversen innerhalb der jüdischen Gemeinde, die sich daraufhin aufspaltete.

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