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Jüdisches Leben in Potsdam : Grundstein für neue Synagoge gelegt

Nach Jahrzehnten in Provisorien erhalten Jüdinnen und und Juden in Potsdam ein neues Gotteshaus. Mit dem Bau nahe des Landtags allein sei es aber nicht getan, mahnt die Kulturministerin.

Klaus Peters Christian Müller
Potsdams Gemeinde- und Synagogenzentrum ist ein Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland.
Potsdams Gemeinde- und Synagogenzentrum ist ein Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland.Visualisierung Jost Haberland Architekt

Potsdam - Nach jahrelangem Streit zwischen den jüdischen Gemeinden ist am Montag der Grundstein für die jüdische Synagoge in Potsdam gelegt worden - einen Tag vor dem 83. Jahrestag der Pogromnacht. 

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Kulturministerin Manja Schüle (beide SPD), der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) nahmen an der Zeremonie teil. Das Land finanziert das Projekt mit rund 13,7 Millionen Euro.

"Ich bin glücklich, dass wir heute den Grundstein für die Synagoge legen können. Allen Beteiligten, die hierzu konstruktiv und mit unermüdlichem Engagement beigetragen haben, mein großer Dank. In der Mitte der Stadt und in Sichtweite des Landtags wird die Synagoge ein klares Bekenntnis zum Judentum in Brandenburg sein", sagte Woidke. Dieses Bekenntnis sei mehr als notwendig. "Wir haben in den vergangenen Jahren zunehmend abscheuliche Angriffe und offenen Antisemitismus erlebt. Es ist die Verantwortung der Politik, der Gesellschaft und jedes Einzelnen von uns, diese Entwicklungen niemals zu übersehen, zu ignorieren oder zu akzeptieren. Möge das Bauwerk symbolisch und tatsächlich die Heimstatt der Jüdischen Gemeinschaft in Potsdam werden und Ausstrahlungswirkung in das ganze Land hinein entfalten."

Der Regierungschef erinnerte daran, dass der Grundstein in einem symbolträchtigen Jahr gelegt wurde. "Schließlich blicken wir auf 350 Jahre jüdisches Leben in Brandenburg zurück. Die jüdische Gemeinde Brandenburg feiert ihr 30-jähriges Jubiläum", so Woidke.

"Glücklichste Tag meiner Amtszeit als Kulturministerin"

„Die Errichtung der Synagoge ist ein Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Potsdam wieder dort präsent und sichtbar sein wird, wo es hingehört: im Herzen der Stadt, in unserer Mitte. Ich freue mich darauf – und wünsche allen am Bau Beteiligten für ihr Werk: Masel tov!“, sagte Schüle laut Mitteilung ihres Ministeriums.

Zuvor hatte sie im RBB-Inforadio gesagt. „Es ist der glücklichste Tag meiner Amtszeit als Kulturministerin.“ 14 Jahre Diskussionen fänden einen versöhnlichen Abschluss. Der Bau werde ein sicheres Gebäude für die Jüdinnen und Juden, die sich in den vergangenen 30 Jahren von Provisorium zu Provisorium gehangelt hätten. Angesichts wiederholter antisemitischer Straftaten mahnte sie jedoch: „Mit einem Bau allein ist es nicht passiert. Wir alle sind aufgefordert, aufmerksam zu sein und auch einzuschreiten bei antisemitischen Übergriffen.“ Das gelte auch bei entsprechenden Witzen am Stammtisch.

Mit der heutigen Grundsteinlegung für den Synagogenbau beginne ein neues Kapitel, so der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. „Damit ist ein wichtiger Schritt getan für ein neues Zuhause der jüdischen Gemeinschaft in Potsdam und für ein gutes Miteinander.“ 

Mit dem Neubau der Synagoge werde das jüdische Leben die Zeit der Provisorien endlich hinter sich lassen, hieß es seitens Oberbürgermeister Schubert. "Die neue Synagoge möge ein Haus des Friedens, ein Haus der Religion, ein Haus des jüdischen Glaubens in unserer Stadt sein und somit für alle ein Licht gegen die Dunkelheit“, so der Rathauschef.

Große Freude über die Zeremonie herrschte auch bei Abraham Lehrer. „Mit der heutigen Grundsteinlegung wird der lang ersehnte Wunsch der jüdischen Gemeinschaft in Potsdam nach einem Zentrum mit Synagoge endlich erfüllt. Das erfüllt mich mit großer Freude“, sagte der Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Synagoge soll ein Zentrum für alle jüdischen Gemeinden sein

Um die Gestaltung der Fassade und die Nutzung der Innenräume der Synagoge gibt es zwischen den jüdischen Gemeinden bereits seit mehr als zehn Jahren erbitterten Streit. Bislang konnten sich der Landesverband West der jüdischen Kultusgemeinden sowie der Landesverband der jüdischen Gemeinden Brandenburg nicht über Bau und Betrieb des religiösen Zentrums einigen.

Daher will das Land das Synagogen- und Gemeindezentrum nun mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland errichten. Die Synagoge soll nach dem Willen der Landesregierung ein Zentrum für alle jüdischen Gemeinden sein. 

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"Für uns ist das ein großer Tag. Wir waren in den letzten Jahren oft verzweifelt, weil wir nach den vielen Rückschlägen nicht mehr daran geglaubt haben, dass wir noch eine würdige Synagoge bekommen", teilten die Vorstände der Gemeinde Adass Israel zu Potsdam e.V. und die Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam e.V., Aleksander Kogan und Evgeni Kutikow, mit. 

Einige Gemeindemitglieder seien inzwischen verstorben, hieß es in der Mitteilung. "Heute sehen wir aber mit großem Optimismus und Zuversicht in die Zukunft, in der wir als Juden mit unserer religiösem und kulturellen Leben ein akzeptierter und wertvoller Teil der städtischen Gesellschaft sein werden." Beide Gemeinden bedankten sich bei der Landesregierung und besonders bei Kulturministerin Schüle "für die beharrliche und mutige Unterstützung". Auch ihren langjährigen Unterstützern aus der Zivilgesellschaft seien die Gemeinden zu großem Dank verpflichtet.

Nach dem Entwurf des Architekten Jost Haberland ist im Erdgeschoss des geplanten Baus ein Café für die Öffentlichkeit vorgesehen. Das religiöse Zentrum liegt im ersten Geschoss mit einem Synagogenraum, der rund neun Meter hoch sein wird.  Der Vorsitzende der Potsdamer Synagogengemeinde, Ud Joffe, hatte die Pläne kritisiert, er sprach am Montag jedoch von einem Gebäude „für uns alle“.

Die historische Synagoge im Stadtzentrum überstand zwar die NS-Pogrome von 1938, wurde jedoch danach von der Post genutzt und im April 1945 bei einem Luftangriff zerstört. Die neue Synagoge wird nach der im August eröffneten kleinen Universitätssynagoge am Neuen Palais das zweite neue jüdische Gotteshaus in Brandenburgs Landeshauptstadt. (mit dpa/epd)

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