• Jubiläum der Stadtteilschule Drewitz: Herzstück des Stadtteils

Jubiläum der Stadtteilschule Drewitz : Herzstück des Stadtteils

Zwei engagierte Menschen wurden beim Jubiläum der Stadtteilschule Drewitz ausgezeichnet.

Sarah Stoffers
Ehrenamt. Frank Gliemann leitet unter anderem die Fahrradreparatur.
Ehrenamt. Frank Gliemann leitet unter anderem die Fahrradreparatur.

Potsdam - Jessica Strate und Frank Gliemann haben es geschafft: Sie haben einen Oskar gewonnen. Allerdings nicht einen der begehrten Goldjungen aus Hollywood, sondern die gleichnamige Auszeichnung der Stadtteilschule Drewitz für ehrenamtliches Engagement und Einsatz.

Am Donnerstag feierte die Grundschule Am Priesterweg mit dem Begegnungszentrum Oskar, die gemeinsam die Stadtteilschule Drewitz bilden, mit etwa 100 Gästen ihren vierten Geburtstag. Seit 2014 wird der „Oskar“ zu jedem Geburtstag der Stadtteilschule verliehen: ein kleiner und ein großer versilberter Elefant. Elvira Eichelbaum, Schulleiterin der Grundschule Am Priesterweg, sagt: „Den Preis bekommen jedes Jahr ein engagierter Schüler und ein Bürger aus Drewitz, der sich ehrenamtlich einsetzt.“ Den kleinen Elefanten bekommt der Schüler, der große geht an den Bürger.

Auch Elefanten werden vergeben

Die Leiterin des Drewitzer Oskars, Kathleen Walter, erklärt, die Idee für den Preis sei damals aus dem Namen des Begegnungszentrums entstanden. „Die Stadtteilschule lebt davon, dass sich hier Leute engagieren und einbringen.“ Die versilberten Elefanten werden vom Juwelier Goldmann in Babelsberg gesponsert.

Jessica Strate traf ihr Oskargewinn unerwartet. „Ich freue mich sehr“, sagt die ehemalige Schülerin der Grundschule Am Priesterweg. Mittlerweile geht die zwölfjährige Drewitzerin in die siebte Klasse der Gesamtschule Am Schilfhof. Jessica habe sich viel in der Schule eingebracht, sagt ihre ehemalige Klassenlehrerin Dörte Hagedorn bei ihrer Laudatio. Den Preis hat sie vor allem für ihr Engagement als Schüleraufsicht bekommen. Sie habe Verantwortung für ihre Mitschüler übernommen und sei mit den jüngeren Schülern stets warmherzig und freundlich umgegangen, so Hagedorn.

Oskar für die Schulaufsicht

Jessica erzählt: „Ich habe in den Hofpausen die Aufsicht gemacht.“ Viele Schüler seien herumgerannt, hätten sich auch mal gestritten oder geprügelt. „Wir haben dann versucht, das selbst zu regeln, und nur wenn es richtig schlimm war, einen Lehrer geholt.“ Bei Notfällen, etwa der Verletzung eines Mitschülers, hat Jessica den Betroffenen zum Sekretariat begleitet. Ihre Mutter Melanie erzählt, durch ihren Einsatz als Aufsicht sei Jessica viel selbstbewusster geworden. Die junge Schülerin möchte sich auch in der Zukunft für andere einbringen. An ihrer neuen Schule gibt es einen Erste- Hilfe-Kurs, den sie gerne belegen würde.

Auch der zweite Gewinner, Frank Gliemann, wirkt am Donnerstag überrascht. Er engagiert sich bereits seit der Eröffnung des Begegnungszentrums in der Stadtteilschule. Der zurückhaltende Drewitzer, der lieber nicht mit der Presse reden möchte, leitet im Oskar die Selbsthilfewerkstatt für Fahrräder, die freitags ab 15 Uhr geöffnet ist. Zunächst als Nebenjob, später ehrenamtlich. Für sein Engagement war er bereits 2015 für den Ehrenamtspreis der Stadt Potsdam nominiert. In der Werkstatt leitet Gliemann die Reparaturen der Fahrräder an.

Möbel gebaut und Fahrräder restauriert

Sein Einsatz gehe jedoch noch weit darüber hinaus, sagt die Laudatorin und Mitarbeiterin des Begegnungszentrums, Katja Zehm. „Wenn wir Hilfe benötigen, ist er stets zur Stelle.“ Er baute Möbel für das kostenlose Festival am Löschteich, das im August dieses Jahres zum dritten Mal stattfand, oder auch mal eine Blumenetagere für den Schulhof – oder er restauriert alte Fahrräder, die dem Stadtteil kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Gliemann sei aus dem Team der Stadtteilschule nicht mehr wegzudenken, so Zehm.

Schulleiterin Eichelbaum sagt: „Es ist nur Hand in Hand zu schaffen, was wir hier leisten.“ Ohne die engagierten Schüler, Lehrer, Bürger und die vielen Kooperationspartner und Unterstützer, wie die Arbeiterwohlfahrt, den Rotary Club in Potsdam oder den Verein Berliner Vorstadt wäre die Stadtteilschule nicht ein solcher Erfolg.

Die Stadtteilschule ist eines der Vorzeigeprojekte der Gartenstadt Drewitz. 2013 wurde die Grundschule Am Priesterweg renoviert und umgebaut. Seither beherbergt sie unter ihrem Dach nicht nur die Grundschule, sondern auch den Drewitzer Stadtteiltreff Oskar. Die Schule mit ihren 380 Schülern aus 13 Nationen und das Begegnungszentrum bildeten mittlerweile das „Herzstück des Stadtteils Drewitz“, sagt Oskar-Leiterin Walter.

Mehr als 100 Angebote

Die mehr als 100 Angebote im Bereich Bildung, Beratung, Sport und Musik lockten allein im letzten Jahr 25 000 Besucher ins Begegnungszentrum. Es gibt Filmabende, eine Line-Dance-Gruppe, einen Chor, verschiedene Sportkurse, Beratungsangebote und das musikalische Projekt „Musik schafft Perspektive“ der Kammerakademie Potsdam. Gemeinsam mit Musikern der Kammerakademie, der Grundschule und anderen Einwohnern, Einrichtungen und Institutionen im Stadtteil finden musikalische Projekte statt, wie etwa das alljährliche große Opernprojekt. Im April dieses Jahres wurde das kulturelle Bildungsprogramm von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem BKM-Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“ ausgezeichnet. Und im Oktober wurde der neue Nachbarschaftstreff an der Wendeschleife in Drewitz mit Werkstattangeboten, Nachbarschaftsgärten und einem Insektenhotel feierlich eröffnet.

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