Potsdam : Jakobs mahnt „Bürgerbahnhof“ an

Gestern Richtfest am Kaiserbahnhof / Nachbargebäude am Bahnhof Potsdam-Sanssouci verfallen

Günter Schenke

Gestern Richtfest am Kaiserbahnhof / Nachbargebäude am Bahnhof Potsdam-Sanssouci verfallen Brandenburger Vorstadt – Das gestrige Richtfest des umgebauten Kaiserbahnhofs am Wildpark nutzte Oberbürgermeister Jann Jakobs, um den schlechten Zustand der benachbarten Gebäude, die zur Bahnstation Potsdam-Sanssouci gehören, anzumahnen. „Mit Blick auf den Bürgerbahnhof müssen wir noch Gespräche führen“, sagte er an Bahnchef Hartmut Mehdorn gewandt. Dabei geht es vor allem um die an der Geschwister-Scholl-Straße gelegenen Fachwerkbauten, die in den letzten Jahren praktisch zu Ruinen verfallen sind. Wie am Rande des Richtfestes verlautete, werde deren Abriss erwogen. Damit wäre ein Konflikt mit der Denkmalpflege vorprogrammiert. Ein Teil der seit Jahrzehnten ungenutzten Fachwerkbauten beherbergte einst die Bahnhofsgaststätte am „Bahnhof Wildpark“. Mit der Bezeichnung „Bürgerbahnhof“ für die Station Potsdam-Sanssouci wählte Jakobs bewusst einen gegensätzlichen Begriff zum „Kaiserbahnhof“. Die Position der Bahn zu einem öffentlichen Zugang des im Sommer nächsten Jahres fertig gestellten Gebäudes ist im Wesentlichen unverändert. Der Schulungsbetrieb von 800 Führungskräften im Jahr lasse einen öffentlichen Zugang nicht zu, betont Mehdorn. Allerdings wolle die Bahn zum jährlichen „Tag des Denkmals“ Führungen anbieten. Sie räumt darüber hinaus die Möglichkeit ein, das Haus für spezielle Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. In einer Mitteilung der Deutschen Bahn heißt es: „Potsdam ist der ideale Standort für die DB Akademie. Nahe an der Zentrale des DB-Konzerns gelegen, bietet sich hier den Teilnehmern die Möglichkeit, die nötige Ruhe und Konzentration zu finden. Daher kann der Kaiserbahnhof kein öffentliches Haus sein.“ Als schwierige Gratwanderung bezeichnete Mehdorn den Anspruch, einen Teil des Weltkulturerbes zu bewahren und gleichzeitig ein Lernzentrum mit modernen Anforderungen zu schaffen. So gelang es, die originalen Stahlträger der Gleishalle zu rekonstruieren und die historischen Außenmauern zu erhalten. Kaisersaal, Gefolgesaal und Gleishalle sind der historischen Gestaltung nachempfunden. Nach Fertigstellung enthält das Gebäude im Untergeschoss neben Büro- und Schulungsräumen ein Auditorium für 175 Zuhörer. Als technisches Highlight will die DB den Fahrdienstmodulator eines ICE zu Lehr- und Anschauungszwecken installieren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 25 Millionen Euro. Laut Mehdorn bewegen sich die Arbeiten in diesem Kostenrahmen und auch der Fertigstellungstermin werde eingehalten. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus Mitteln der Deutschen Bahn AG. Darüber hinaus beteiligen sich das Land Brandenburg, die Stadt Potsdam, der Bund und die EU an der Finanzierung. Günter Schenke