Jahresrückblick 2018 für Potsdam : Potsdamer Aufreger

Weniger Autos in der Innenstadt, ausgesperrte Kleingarten-Pächter und Kutschpferde im Hitzestress: Worüber Potsdam in 2018 besonders heftig diskutiert hat.

Unter Druck. Angergrund-Pächter protestierten gegen die Räumung. 
Unter Druck. Angergrund-Pächter protestierten gegen die Räumung. Foto: Andreas Klaer

Sport mit Hindernissen

Die Nutzer der Nowawiese am Babelsberger Park beschwerten sich im Januar über fehlendes Licht für den Platz, auch stehe der oft unter Wasser. Das Rathaus verteidigte die Situation unter Verweis auf den Welterbeumgebungsschutz. Im Juli geriet die Eröffnung des Spiel- und Bolzplatzes Groß Glienicke aus anderen Gründen zum Aufreger: Die notwendige Überquerungsmöglichkeit für die viel befahrene B2 fehlt. Aus ähnlichen Gründen soll ein Spielplatz an der L 92 in Uetz sogar zwei Jahre später eröffnen als vorgesehen, wie im September bekannt wurde. Selbst Mike Schubert (SPD), damals noch Sozialdezernent, sprach von einem „Irrsinn“.

Ins Rollen gebracht

Der Kampf des Fußballviertligisten SV Babelsberg 03 gegen ein Urteil des Nordostdeutschen Fußballverbandes machte im Februar weltweit Schlagzeilen. Der SVB sollte nach den Krawallen beim Spiel gegen Energie Cottbus 7000 Euro Strafe zahlen – weigerte sich aber, weil in der Urteilsbegründung auch die „Nazischweine raus“-Rufe der Babelsberger Fans angeführt wurden. Der Verein startete die Initiative #nazisrausausdenstadien gegen rechte Hetze, für die es bundesweit Unterstützung gab – und enorme Aufmerksamkeit: Unter anderem berichteten die New York Times und die Washington Post. Der Streit konnte im März beigelegt werden. Teil des Kompromisses: Der SVB durfte die Hälfte der verhängten Strafe für Gewaltprävention und Maßnahmen gegen Rechtsextremismus ausgeben. Schlichter war Jann Jakobs (SPD), damals noch Oberbürgermeister. 

Auf Draht. Das Bündnis „Potsdam autofrei“ rief zu Fahrraddemos auf.
Auf Draht. Das Bündnis „Potsdam autofrei“ rief zu Fahrraddemos auf.Foto: Andreas Klaer

Im Kern autofrei

Bei der ersten öffentlichen Werkstatt zur Umgestaltung der Friedrich-Ebert-Straße kam es im April zur hitzigen Debatte um die vorgeschlagene Verkehrsberuhigung zwischen Nauener Tor und Charlottenstraße. Im Sommer etablierte sich das neue Bündnis „Potsdam autofrei“: Bis November organisierte es vier Familien-Fahrraddemos.

Verlängerte Ferien

Der Potsdamer Verkehrsbetrieb zieht wegen fehlenden Personals und vermehrter Krankheitsfälle im Juni die Notbremse. Die Tramlinie 99 wird vorrübergehend eingestellt, der Ferienfahrplan vorgezogen. Erst im August konnten die PNN titeln: „Verkehrsbetrieb will Fahrplan wieder einhalten“.

Zitterpartie fürs Freiland

Die Stadtwerke wollen den Pachtvertrag für das alternative Jugendkulturzentrum Freiland nicht erneuern – diese Nachricht sorgte im Mai für Wirbel. Das Rathaus versuchte zu beschwichtigen, die Stadtpolitik beschloss die Verlängerung um zunächst ein Jahr. 

Pferde im Hitzestress

Ein Video mit Kutschpferden, die in der prallen Sonne leiden, sorgte im Juli für Diskussionen. Das Veterinäramt der Stadt reagierte auf Beschwerden von Tierschützern mit strengen Auflagen für das betroffene Unternehmen Sengebusch. Als im Oktober eines ihrer Pferde am Luisenplatz zu Boden ging, flammte die Debatte erneut auf. 

Vor allem im Sommer kam es auf der Freundschaftsinsel immer wieder zu Gewalt-Vorfällen.
Vor allem im Sommer kam es auf der Freundschaftsinsel immer wieder zu Gewalt-Vorfällen.Foto: Andreas Klaer

Gewalt auf der Insel

Ebenfalls im Juli sorgt die Nachricht der Polizei über eine „Massenschlägerei“ auf der Freundschaftsinsel für Aufregung. Der Vorfall war von Zeugen übertrieben worden, stellt die Polizei später klar. Allerdings kommt es bis in den Spätherbst hinein immer wieder zu Angriffen und Vandalismus auf der Insel. Die Stadt will eine nächtliche Kameraüberwachung prüfen.

Vor Gericht

Für viel Aufmerksamkeit und Bestürzung sorgt ein Prozess am Potsdamer Landgericht gegen vier Angeklagte, die eine Familie in ihrer Villa in der Bertinistraße brutal überfallen haben. Hier wird Ende Januar das Urteil erwartet. Im Mai wurde ein 38 Jahre alter Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt, weil er das anderthalbjährige Kind seiner Lebensgefährtin mit einem Medikamenten-Cocktail tötete. 

Der Kinderbauernhof Groß Glienicke geriet im August ins Visier der Staatsanwaltschaft.
Der Kinderbauernhof Groß Glienicke geriet im August ins Visier der Staatsanwaltschaft.Foto: Andreas Klaer

Unter Verdacht

Der Kitabauernhof Groß Glienicke, ein Vorzeigeprojekt, von dem unter anderem die Kita Spatzennest profitiert, geriet im August in den Fokus der Ermittler der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Es geht um mögliche Verbindungen zu einem Mitarbeiter des Bauamts, der dort Schwarzbauten geduldet haben soll. Der Betreiber wies die Vorwürfe zurück. Trotz Wohlwollen in der Stadtpolitik sah das Rathaus keine Chance auf Erhalt und schickte im September eine Abrissverfügung – das Widerspruchsverfahren läuft.

Eskaliert

Es war die erste Zwangsräumung einer Potsdamer Gartensparte seit dem Mauerfall: Im November ließ Investor Tamax einige Pächter der Sparte Angergrund aussperren. Damit eskalierte der Streit um die Grundstücke an der Dieselstraße, der schon länger schwelte: Die Tamax will dort Wohnungen bauen – darf aber nach geltender Rechtslage nicht. Daran soll sich auch nichts ändern, machten sowohl Rathaus als auch Stadtpolitik klar. Dann werde man notfalls klagen, kündigte der Investor im Dezember an.