• Jahresbilanz der Mittelbrandenburgischen Sparkasse: Bestandskunden sollen für hohe Guthaben zahlen

Jahresbilanz der Mittelbrandenburgischen Sparkasse : Bestandskunden sollen für hohe Guthaben zahlen

Die Jahresbilanz der MBS weist Rekorde aus: mehr Kredite, mehr Wertpapiere, viel mehr Guthaben. Doch die Nullzinspolitik drückt den Gewinn. Das bekommen nun auch Kunden zu spüren.

Schriftzug der Sparkasse Am Kanal in Potsdam.
Schriftzug der Sparkasse Am Kanal in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Sparkassen und Banken verdienen eigentlich Geld mit dem Verleihen von Geld, nicht mit den Guthaben selbst. Wenn es von letzterem zu viel gibt, wird es kostspielig. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) reagiert auf den deutlichen Anstieg der Guthabenmenge nun mit der Weitergabe der Strafzinsen an Bestandskunden, wie am Donnerstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2021 deutlich wurde. Bei Neukunden gibt es dieses Verwahrentgelt schon seit etwa einem Jahr.

Konkret geht es dabei um den Einlagenzinssatz, den die MBS bei der Europäischen Zentralbank zahlen muss, wenn sie dort Geld parkt, das kurzfristig verfügbar sein muss. Dieser Zinssatz liegt derzeit bei minus 0,5 Prozent. „Viele Jahre haben wir diese Belastungen auf uns genommen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Andreas Schulz. Betroffen seien Girokonten mit Guthaben von mehr als 50.000 Euro und Sparbücher mit mehr als 25.000 Euro. Man spreche bereits individuell Kunden an, um andere Anlageformen für sie zu finden. Deshalb gebe es auch keinen Stichtag, ab dem der Zinssatz gelte.

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Tatsächlich ist der Zuwachs bei den Guthaben auch 2021 enorm gewesen. 888 Millionen Euro an neuen Einlagen sind laut Bilanz der MBS zugeflossen. Das war ein Zuwachs von 6,8 Prozent auf insgesamt 13,9 Milliarden Euro. Seit dem Jahr 2017 seien die Kundeneinlagen um 32 Prozent gestiegen. 

Einerseits liege der Zuwachs an der nach wie vor getrübten Konsumfreude. Die Sparquote lag 2021 mit 15 Prozent ähnlich hoch wie im Jahr zuvor. Andererseits hätten viele Wettbewerber schon länger die Bedingungen für Guthaben verschärft. Weil viel von dem zugeflossenen Geld aber täglich verfügbar auf Konten liege, entstünden der MBS Kosten. So habe die MBS im Jahr 2021 6,4 Millionen Euro für die Verwahrung ihrer Gelder unter anderem bei der Bundesbank zahlen müssen.

Kreditbestand auf Rekordniveau

Das Kreditgeschäft ist bei der MBS zwar auch gewachsen, allerdings langsamer als die Guthabenzuflüsse. Insgesamt sei der Kreditbestand um 221 Millionen Euro gewachsen. Das war ein Anstieg um 3,7 Prozent auf insgesamt 6,1 Milliarden Euro. Die Kreditzusagen lagen mit 1,34 Milliarden Euro auf dem Niveau vom Rekordjahr 2020. Davon flossen 618 Millionen Euro als Investitionsdarlehen an Unternehmen und Selbständige. Im Jahr zuvor hatte es auch wegen der pandemiebedingten Hilfskredite einen Rekord von 734 Millionen Euro gegeben.

Andreas Schulz, Chef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (Archivbild)
Andreas Schulz, Chef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (Archivbild)Foto: Thilo Rückeis

Die private Baufinanzierung boomt dagegen weiter: Die Zusagen an private Kreditnehmer wuchsen um zwölf Prozent auf 680 Millionen Euro. Davon waren allein 606 Millionen Euro Immobilienfinanzierungen. Bezahlbaren Wohnraum in der Region zu finden, sei jedoch gerade für junge Familien immer schwieriger. Brandenburg sei aktuell das führende Zuzugsland in Deutschland, wovon die MBS unverändert profitiere. Allerdings sieht Schulz Preisübertreibungen im Markt. Ihre konservativen Kreditstandards werde die MBS keinesfalls lockern. Wegen der hohen Immobilienpreise sei es für Durchschnittsverdiener immer schwieriger, den nötigen Eigenanteil für die Finanzierung aufzubringen, so Schulz. Das sei ein soziales Problem, das die Sparkassen nicht lösen können.

Wertpapiere immer gefragter

Um den niedrigen Zinsen zu entkommen, setzen immer mehr Menschen in der Region auf Wertpapiere. „Ohne Beimischung von Risikopapieren ist kein Kapitalerhalt mehr möglich; von Vermögensmehrung ganz zu schweigen.“ Der Saldo aus An- und Verkäufen sei ein weiteres Mal gewachsen und lag 2021 bei 523 Millionen Euro. Allein 17.000 neue Fondssparpläne seien abgeschlossen worden. Entsprechend stiegen bei der MBS die Einnahmen aus Provisionen.

Alles in allem war 2021 für die MBS ein gutes Jahr. Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag mit 142 Millionen Euro etwa zehn Millionen niedriger als im Jahr zuvor. Bisher habe sich die brandenburgische Wirtschaft als recht krisenresistent erwiesen. Die befürchtete Insolvenzwelle blieb aus. Ausschlaggebend sei die Wirtschaftsstruktur mit vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen. In der Region gebe es wenig Großunternehmen in zyklischen Branchen wie Maschinenbau oder Autoproduktion. Außerdem habe Corona den Boom der in der Region starken Immobilienbranche nicht bremsen können.

Zum guten Ergebnis habe auch die Weberbank einen ordentlichen Beitrag geleistet, so Schulz. Bei der in Berlin ansässigen Aktiengesellschaft war die MBS im Jahr 2009 eingestiegen. Sie konzentrierte sich auf das Vermögensmanagement von privaten und institutionellen Anlegern. 7,6 Milliarden Euro umfasse der Bestand. Allein im vergangenen Jahr seien rund 400 Millionen Euro hinzugekommen. Die Weberbank sei gut am Markt positioniert, habe treue und zufriedene Kunden, so Schulz. Für die MBS sei sie eine wichtige Ergänzung.

Filialen sollen alle erhalten bleiben

Für das laufende Jahr erwartet die MBS ein erfolgreiches Kundengeschäft. Alle 141 Filialen sollen erhalten bleiben. Dessen ungeachtet werde das Betriebsergebnis weiter zurückgehen. „Jahr für Jahr laufen höher verzinste Altfinanzierungen aus und werden durch neue zu niedrigere Zinsen ersetzt“, erklärte Schulz. Das drücke das Ergebnis. Eine moderate Zinswende würde den Banken zwar helfen, aber Riesensprünge erwarte er nicht. Man gehe auch für die nächsten Jahre von einem schlechten Zinsumfeld aus.

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse berät mit rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 700.000 Kunden an über 140 Standorten sowie online und ist Partner von Privatkunden, Kommunen, Handel, Handwerk und Mittelstand in ihrer Region. Sie ist die siebtgrößte Sparkasse Deutschlands und die größte in Ostdeutschland. Ihr Geschäftsgebiet umfasst die Landkreise Havelland, Oberhavel, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald sowie die kreisfreien Städte Brandenburg an der Havel und die Landeshauptstadt Potsdam.

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