• Interview: „Zu früh, um den Preis zu berechnen“

Interview : „Zu früh, um den Preis zu berechnen“

Wie teuer wird die Klimastrategie der EWP für die Kunden?Chefin Sophia Eltrop spricht im Interview über Potsdams Energieverbrauch, Elektromobilität und die ehrgeizige Dekarbonisierung der EWP.

Sophia Eltrop, Geschäftsführerin der EWP.
Sophia Eltrop, Geschäftsführerin der EWP.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Frau Eltrop, woher kommt bisher die Energie für Potsdams Strom- und Wärmeversorgung?
 

Wir arbeiten auf Erdgasbasis mit maximaler Effizienz. Das Heizkraftwerk erzeugt mittels Kraft-Wärme-Kopplung den Strom und die Fernwärme, sehr emissionsarm und optimiert durch den Wärmespeicher, der verhindert, dass die Turbinen zu häufig an- und abgestellt werden müssen. Das macht sie maximal effizient. Sobald es überschüssigen Windstrom am Markt gibt, wird damit die Elektrodenkesselanlage angeworfen, die grüne Wärme erzeugt. Zudem verkaufen wir Strom aus Wasserkraft aus Österreich.

Die EWP setzt sich bei ihrer Dekarbonisierungsstrategie ehrgeizige Ziele. Wie soll das finanziert werden?

Zur Person

Sophia Eltrop, geboren 1965, ist Diplom-Volkswirtin und seit dem Jahr 2017 Geschäftsführerin der Energie- und Wasser Potsdam. Mit ihr sprach Marco Zschieck.


Für das große Heizkraftwerk muss in zehn Jahren ohnehin eine Erneuerung her. Die neue Lösung besteht in einer ausgeklügelten Mischung von Solarthermie, Tiefen- und Oberflächengeothermie, Elektrodenkesselanlagen, Wärmetauschern und weiteren Wärmespeichern. Diese ergänzen ein neues Heizkraftwerk optimal, das dann auch mit Brennstoffen wie grünem Wasserstoff eingesetzt werden kann. Wir werden die Förderlandschaft ausschöpfen und für den verbleibenden Bedarf auf Kredite zurückgreifen.

Welche Kosten kommen auf die Kunden zu?

Wir haben die technische Machbarkeit der Projekte geprüft. Dies auf den Endkundenpreis umzurechnen, dafür ist es zu früh. Im Werkstattverfahren wollen wir die Aspekte Kundenfreundlichkeit, wirtschaftliche Stärke und Klimaschutz in ein sinnvolles Verhältnis setzen.

Familien haben üblicherweise einen höheren Energiebedarf für Strom- und Wärme. Welche Unterstützung gibt es für sie?

Wir haben für sozialschwache Familien die „Kleine Hilfe“ (20 Euro Rabatt pro Jahr für Kunden mit Wohnberechtigungsschein, Anm. der Red.) bei den Stromkosten eingerichtet. Außerdem arbeiten wir mit geringen Grundgebühren, so dass auch kleine Verbrauchseinsparungen den Familien Einsparpotenziale bieten.

Wie steht es derzeit um die Elektromobilität und was ist geplant?

Wir setzen auf einen Mix aus Elektroantrieb für kleinere Fahrzeuge – hier sammeln wir bereits erste positive Erfahrungen – und für große Fahrzeuge später Wasserstoffantrieb. Feuerwehrautos werden aber zum Beispiel noch lange Zeit einen Dieselantrieb behalten. Dabei wollen wir noch nicht experimentieren.

Was können EWP-Kunden tun, um ihren Verbrauch zu reduzieren?

Eine Optimierung der Heizung kann Energie einsparen. Richtiges Heizen und Lüften, etwa Stoßlüften statt Dauerlüften, kann viel Energie sparen. Eine Raumtemperaturabsenkung um ein Grad Celsius kann bis zu sechs Prozent Heizenergie einsparen. Die Umstellung auf LED-Leuchten hat einen wesentlichen Effekt. Ein Elektroauto ist gegenüber einem Verbrenner effizienter. Geplant ist eine Erweiterung unserer Dienstleistungen im Bereich Energiemonitoring.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.