• Interview | Potsdams Integrationsbeauftragte Magdolna Grasnick: "Geflüchtete haben in der Pandemie besonders gelitten"

Interview | Potsdams Integrationsbeauftragte Magdolna Grasnick : "Geflüchtete haben in der Pandemie besonders gelitten"

Rund 3000 Geflüchtete hat Potsdam seit 2015 aufgenommen. Die Integrationsbeauftragte Magdolna Grasnick über den Weg der Integration, verbleibende Probleme und die Folgen von Corona. 

Potsdams Beauftragte für Migration und Integration, Magdolna Grasnick.
Potsdams Beauftragte für Migration und Integration, Magdolna Grasnick.Foto: Landeshauptstadt Potsdam/ Robert Schnabel

Frau Grasnick, wie gut sind die Flüchtlinge, die seit 2015 in Potsdam angekommen sind, mittlerweile integriert?

Wir müssen bei der Frage der Integration immer auch auf die Stadtgesellschaft schauen. Der Prozess ist in Potsdam auf einem guten Weg. Aber es gibt immer Faktoren, die das Ankommen ausbremsen, etwa in den Bereichen Wohnen, Ausländerrecht oder der Sprache.

Was bleibt die größte Baustelle?

Kita, Bildung und Arbeit sind zentral dafür, dass die Menschen sich verwirklichen können. Für den Zugang zur Mitgestaltung bleibt die deutsche Sprache ein Grundfaktor.

Aus dem Integrationsmonitoring 2019 ging hervor, dass insbesondere im Bereich Bildung die Lage eher schlechter wird, als besser. Wie erklären Sie sich das?

Wir führen das Monitoring seit 2010 mit den gleichen Indikatoren durch. Bei der Bildung beobachten wir wachsende Unterschiede zwischen der deutschen und der nichtdeutschen Bevölkerung. Das hängt in erster Linie mit dem Zuwachs an Migranten zusammen. Vor acht Jahren lebten in Potsdam 9000 Nichtdeutsche, heute sind es doppelt so viele.

Wo kann man ansetzen?

Es gab beispielsweise im Bereich der Maßnahmen, die einen Zugang zur Berufsschule ermöglichen sollten, Erprobungsjahre, die nicht immer zum Ziel geführt haben. Es hat sich gezeigt, dass die vorgesehenen 24 Monate oft nicht reichten, so dass die Personen noch nicht in der Lage waren für eine Ausbildung. Hier wurde nachgebessert.

Welchen Einfluss hat hier die Pandemie?

Man kann Corona bei der Integration nicht ausblenden. In den Schulen und Kitas haben wir eine Reihe gut funktionierender Programme wie die Willkommensklassen oder Sprachförderung in der Vorschule. Vieles wurde durch die Pandemie ausgebremst. Für zugewanderte Kinder ist es sehr schwierig, wenn das deutsche Umfeld im Homeschooling wegfällt. Geflüchtete haben in der Pandemie besonders gelitten, vor allem im Bereich Bildung.

Noch immer leben fast 1000 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften, obwohl die Stadtverordneten im Juni 2020 beschlossen haben, diese abzuschaffen. Woran liegt das?

Das war ein sehr wichtiger Beschluss und ich bin sicher, dass es gelingen wird, dass Gemeinschaftsunterkünfte in Potsdam in absehbarer Zeit Geschichte sind. Die Verwaltung gibt sich Mühe, hier ist vieles in Bewegung. Wohnen ist das A und O in der Integration, und die Pandemie hat noch einmal deutlich gezeigt, dass Gemeinschaftsunterkünfte nicht funktionieren.

Als größte Hürde für die Aufnahme einer Beschäftigung nennt die Arbeitsagentur weiterhin die Sprache. Wird der Spracherwerb ausreichend unterstützt?

In Potsdam kann jeder Nichtdeutsche einen Deutschkurs belegen. Durch die Corona-Belastung wurde der Prozess auch hier teils unterbrochen. Der optimale Weg ist es aus meiner Sicht, wenn die Geflüchteten nach einem Grundlagenkurs möglichst schnell eine Beschäftigung aufnehmen. Durch die praktische Tätigkeit und das Umfeld der Kollegen gelingt der Spracherwerb viel besser. Es gibt hier bereits tolle Modelle wie die Willkommenslotsen der Handwerkskammer.

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