• Interview mit dem Minsk-Architekten: „Potsdam möge sich freuen!“

Interview mit dem Minsk-Architekten : „Potsdam möge sich freuen!“

Die Stiftung von Mäzen Hasso Plattner will das Minsk in Potsdam erhalten und ein Museum daraus machen. Der damalige Architekt Karl-Heinz Birkholz hat davon aus der Zeitung erfahren - und sich sehr gefreut. 

Der Minsk-Architekt Karl-Heinz Birkholz.
Der Minsk-Architekt Karl-Heinz Birkholz.Foto: Andreas Klaer/PNN

Herr Birkholz, Sie sind der Architekt des Minsk, dessen Abriss besiegelt schien und das nun doch gerettet wird – von Hasso Plattner, der ein Museum für DDR-Kunst dort einrichten will. Was sagen Sie?

Ich war total überrascht, als ich das in der Zeitung gelesen habe. Ich finde das ganz toll, was Herr Plattner da vorhat. Und vor allem entspricht es dem, was ich schon immer angeregt habe, nämlich im Minsk keine Wohnungen unterzubringen, sondern eine öffentliche Nutzung.

Haben Sie persönlich noch an einen Erhalt des Minsk geglaubt?

Nein, im Gegenteil. Als die Entscheidung bekannt wurde, das Minsk aufzustocken, war ich so ungehalten, dass ich mich eigentlich zu Wort melden wollte.

Sie sprechen von dem im Werkstattverfahren ausgehandelten Kompromiss, Anbauten zuzulassen, um das Gebäude wirtschaftlich erhalten zu können.

Ein solches Gebäude hätte aber mit dem Minsk überhaupt nichts mehr zu tun gehabt!

Das scheint ja nun auch vom Tisch zu sein. Plattners Pläne finden in ganz Potsdam bislang ein überwältigendes positives Echo.

Ja, man kann der Stadt nur gratulieren. Ich war immer der Meinung, dass man vor der Umgebung, also dem Brauhausberg, Respekt haben sollte, wenn man dort etwas baut. Diese Hanglage ist einmalig. Die veröffentlichten Skizzen für das Museumsprojekt zeigen, dass Plattner auf diese besondere Lage Bezug nimmt und sich zu der dazugehörigen Architektur bekennt. Das ist toll. Ich habe vor diesem Mann unerhörten Respekt. Er baut nicht nur, sondern er baut gut, in guter Qualität. Das ist keine Kulissenarchitektur. Potsdam möge sich freuen!

Für Potsdam bedeutet dieser Schritt eine Zäsur. Erstmals hat ein Oberbürgermeister einen privaten Mäzen davon überzeugt, mit seinem Geld den Erhalt von DDR-Architektur zu bezahlen.

Ich finde das beachtenswert. Es scheint ja, als ob mit dem neuen Oberbürgermeister ein neuer Wind im Rathaus weht. Ich kann ihm nur viel Erfolg wünschen.

Haben Sie selbst Reaktionen bekommen?

Meine Kinder haben beide angerufen. Meine Tochter wohnt an der Ostsee, mein Sohn ist Potsdamer. Die haben sich gefreut, dass das Minsk nun doch noch Anerkennung findet. Dieses Gebäude ist in meiner Laufbahn als Potsdamer Architekt einer der absoluten Höhepunkte gewesen – an so einem besonderen Standort einen solchen Komplex in Eigenregie gestalten zu dürfen.

Haben Sie Ratschläge für Herrn Plattner, was die Sanierung angeht?

Nein. Das Minsk ist ein reiner Stahlbetonskelettbau, der im Innern alles zulässt. Natürlich funktioniert dieser wunderbare Standort nur, wenn der Blick auf die Stadt frei bleibt.

Das hat Plattner ja vor. Und er will ja sogar die Wasserspiele wiederherstellen lassen, die zu DDR-Zeiten den Weg zum Minsk und der alten, inzwischen abgerissenen Schwimmhalle säumten.

Eine solche Kaskade gehört ja auch zu einer Hanglage. Es war ja unser Anliegen, gemeinsam mit den Gartenarchitekten dort nicht nur ein Haus hinzustellen, sondern den Berg insgesamt zu gestalten. Die Wasserspiele waren in diesen Überlegungen ein ganz wichtiger Punkt. 

Generationen von Schülern sind im Sommer barfuß durch die Becken gelaufen.

Genau so wollten wir das. Das Ensemble sollte genutzt werden.

Werden Sie denn zur Eröffnung des Museums für DDR-Kunst im Minsk gehen?

Ich bin jetzt 89 Jahre alt und ich weiß, dass dieses hohe Alter seine Grenzen hat. Wenn aber meine Gesundheit mitspielt, werde ich da mit Freuden hingehen!
 

Die Fragen stellte Peer Straube.

Zur Person

Karl-Heinz Birkholz, 89, studierte Architektur an der Ingenieurschule für Bauwesen in Neustrelitz. Er entwarf das Minsk auf dem Brauhausberg, dessen Bau von 1970 bis 1977 dauerte.