• Interview | Meteorologe Philip Lorenz: „Das gesamte Frühjahr war deutlich zu trocken“

Interview | Meteorologe Philip Lorenz : „Das gesamte Frühjahr war deutlich zu trocken“

Ein im Vergleich zu den Vorjahren warmer Januar, ein deutlich nasserer Februar hat Potsdam in diesem Jahr erlebt. Und wie wird der Sommer? 

Der Frühlingsanfang auf der Freundschaftsinsel.
Der Frühlingsanfang auf der Freundschaftsinsel.Foto: Andreas Klaer

Herr, Lorenz, wie ist das Wetter dieses Jahr in Potsdam im Vergleich zum Vorjahr? Ist es kälter?
Wenn man von 2019 und 2020 die erste Jahreshälfte vergleicht, ist es dieses Jahr ein bisschen kälter. Die Mitteltemperatur für diesen Zeitraum lag im vergangenen Jahr bei 9,8 Grad Celsius. Dieses Jahr sind es 9,5 Grad. Damit ist der Wert aber immer noch über dem mehrjährigen Durchschnitt von 1981 bis 2010. Im Schnitt hatten wir in diesem Zeitraum eine Mitteltemperatur von 7,6 Grad. Wenn man aber nur die beiden Jahre 2019 und 2020 vergleicht, sind die Verläufe unterschiedlich. So war der Januar dieses Jahres mit 3,9 Grad gegenüber den 1,1 Grad im vergangenen Jahr deutlich wärmer. Der Juni 2020 wiederum ist deutlich kühler. Hier liegt die Durchschnittstemperatur bei 18,7 Grad, im vergangenen Jahr waren es 22,5 Grad.

Meteorologe Philip Lorenz
Meteorologe Philip LorenzFoto: privat
Zur Person

Philip Lorenz ist promovierter Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Potsdam und arbeitet bei der Klima- und Umweltberatung im Regionalen Klimabüro Potsdam.

Hat es in diesem Jahr in Potsdam wenigstens mehr geregnet?
Die Niederschlagsmenge war in der ersten Jahreshälfte 2019 und 2020 recht ähnlich. 2019 lag die Niederschlagssumme bei 274 Litern pro Quadratmeter. Dieses Jahr sind es in demselben Zeitraum 257 Liter. Der mehrjährige Durchschnittswert von 1981 bis 2010 liegt bei 279 Litern pro Quadratmeter. Auch im vergangenen und in diesem Jahr ist die Verteilung über die Monate unterschiedlich. Der Februar war dieses Jahr deutlich nasser als im letzten Jahr, es hat über dreimal mehr geregnet. Dafür war das gesamte Frühjahr, von März bis Mai, deutlich zu trocken. Erst seit Juni regnet es wieder mehr. 2019 war der Juni aber noch nasser und auch im März hat es relativ viel geregnet.

Wie lassen sich diese teilweise deutlichen Unterschiede innerhalb der beiden Jahre erklären?
Die großräumigen Wetterlagen bestimmen das Wetter und die können jedes Jahr wieder anders sein.

Wie wird sich das Wetter dieses Jahr weiterentwickeln? Kommt noch der heiße Sommer?
Für alles, was über zwei Wochen hinausgeht, kann man keine seriösen Aussagen treffen.



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