• Interview | Hoteldirektor René Schreiter: "Der Umsatz war gleich Null"

Interview | Hoteldirektor René Schreiter : "Der Umsatz war gleich Null"

Wegen der Coronakrise brachen dem Potsdamer Hotel am Großen Waisenhaus die Einnahmen weg. Jetzt muss das Haus schließen. Die PNN sprachen mit Direktor René Schreiter.

Hoteldirektor René Schreiter muss das Hotel am Großen Waisenhaus wegen der Coronakrise schließen.
Hoteldirektor René Schreiter muss das Hotel am Großen Waisenhaus wegen der Coronakrise schließen.Foto: Sebastian Gabsch

Herr Schreiter, Sie haben bekanntgegeben, dass das Hotel am Großen Waisenhaus, das über 34 Zimmer verfügt, Ende Mai schließen muss. Was genau hat Sie zu der Schließung gezwungen?

Dieser Schritt war komplett coronabedingt: Aufgrund des Verbotes, Touristen aufzunehmen und wegen des Wegfalls von Geschäftsreisenden, die nun vermehrt im Homeoffice arbeiten oder auf Reisen verzichten, waren wir neun Wochen komplett geschlossen. Dadurch hatten wir seit dem 19. März praktisch einen kompletten Einnahmeverlust.

Waren die Soforthilfen des Landes nicht ausreichend, um den Weiterbetrieb des Hotels zu sichern?

Wir haben Soforthilfen erhalten und konnten damit unter anderem Kurzarbeitergeld für unsere insgesamt 13 Mitarbeiter vorstrecken, aber letztlich war das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zur Minderung unserer weiter laufenden Fixkosten hat das nicht ausgereicht.

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Was wäre nötig gewesen, um das Hotel zu retten?

Zahlende Gäste. Das Problem ist, dass uns Corona genau am Ende der Wintermonate getroffen hat, in denen wir traditionell weniger Gäste haben und wo die Ressourcen des letzten Jahres mehr oder weniger aufgebraucht waren. Spätestens ab April hätten wir dringend wieder finanzielle Mittel benötigt, um das Haus wirtschaftlich weiterführen zu können. Gerade der Mai ist normalerweise unser umsatzstärkster Monat, doch diesmal war der Umsatz gleich Null. Außer den Soforthilfen gibt es nur noch Kredite, doch die verschieben das Problem nur in die Zukunft, da wir keinen touristischen Nachholeffekt erwarten können. Auch wenn der Tourismus langsam wieder anzieht, sieht es bislang nicht danach aus, als wenn es in den nächsten Wochen einen großen Boom gäbe. Das kann unsere Verluste nicht im Ansatz ausgleichen.

Was jetzt mit dem Haus passiert, ist noch unklar.
Was jetzt mit dem Haus passiert, ist noch unklar.Foto: Sebastian Gabsch

Wie haben Ihre Mitarbeiter auf die Nachricht reagiert?

Unsere Mitarbeiter wurden am Freitag über die Schließung in Kenntnis gesetzt und unter Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt. Die Schließung hat sich ja bereits seit Wochen abgezeichnet und die Mitarbeiter konnten zumindest die Gründe, die dazu geführt haben, nachvollziehen. An dieser Stelle möchte ich ihnen nochmals für ihren jahrelangen Einsatz im Namen des Hotels danken.

Was passiert jetzt mit dem Haus in der Lindenstraße?

Das kann ich nicht genau sagen: Die „Dienstleistungs- und Beherbergungsbetrieb der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam GmbH“ hatte die Liegenschaft 2011 von der Stiftung Großes Waisenhaus gepachtet. Was nun mit dem Haus passiert, muss die Stiftung entscheiden.

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Das Hotel am Großen Waisenhaus ist das erste Hotel in Potsdam, das wegen den Auswirkungen der Coronakrise schließen musste. Erwarten Sie weitere Schließungen in Potsdam?

Ich habe die große Befürchtung, dass dies kein Einzelfall bleiben wird. Möglicherweise wird es vor allem in den Wintermonaten schwierig für viele andere Hotels. Das heißt nicht, dass sie gleich schließen müssen, aber sie werden Probleme bekommen.

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