• Interview: „Das Guggenheim-Museum in Bilbao hat es vorgemacht“

Interview : „Das Guggenheim-Museum in Bilbao hat es vorgemacht“

Die Kunstexpertin Gerda Ridler über die Strahlkraft großer Museen, die Bedeutung privater Museen für die deutsche Kunstlandschaft und Hasso Plattners Engagement

Zweiter Frühling für Potsdams Kunstlandschaft: Nach preußischen Schlössern könnte jetzt eine moderne Kunsthalle der Stadt internationale Strahlkraft verleihen.Alle Bilder anzeigen
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23.05.2013 23:20Zweiter Frühling für Potsdams Kunstlandschaft: Nach preußischen Schlössern könnte jetzt eine moderne Kunsthalle der Stadt...

Frau Ridler, Sie haben sich in einer Studie ausführlich mit privaten Museen im deutschsprachigen Raum beschäftigt und waren auch selbst Gründungsdirektorin des privaten Museums Ritter. In Potsdam soll nun ebenfalls ein privat finanziertes Museum mit einer Ausstellungsfläche von knapp 4000 Quadratmetern entstehen. Ist dies – verglichen mit anderen Häusern in Deutschland – viel?

Ein Museum mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern ist ein wirklich großes Unterfangen, vor allem für ein privates Museum. Ich kenne keine Privatsammlung, die auf so großem Raum ausgestellt wird. Mit den großen Häusern etwa in Berlin kann das vielleicht nicht mithalten, aber die sind meist von der öffentlichen Hand finanziert.

Die Kunsthistorikerin, Kulturmanagerin und und Kuratorin Gerda Ridler forscht seit Jahren zu privaten Museen. Die gebürtige Österreicherin ist Jahrgang 1963 und lebt heute in München.

Was bedeutet das für eine Stadt wie Potsdam, die bislang eher mit Schlössern und Gärten in Verbindung gebracht wird? 

 Dass durch ein Museum nicht nur eine Stadt, sondern ein ganzer Landstrich erheblich profitieren kann, hat zum Beispiel das Guggenheim-Museum in Bilbao bewiesen. Ob sich ähnlich positive Auswirkungen für Potsdam ergeben, kann man aus heutiger Perspektive leider nicht beurteilen. Man kann aber davon ausgehen, dass das wiederaufgebaute Palais Barberini mit der Präsentation hochkarätiger Kunstwerke große Strahlkraft haben wird. Immer abhängig von der Qualität, Internationalität und der Vielfalt des Ausstellungsprogramms wird das Privatmuseum sicherlich ein neues kunstinteressiertes Publikum in die Stadt bringen, das sonst nicht nach Potsdam kommen würde. Denken Sie an Baden-Baden. Das Profil dieser Stadt wird ganz wesentlich vom privaten Museum Frieder Burda geprägt, das jährlich durchschnittlich 200 000 Kunstbesucher anzieht.

Was haben privat finanzierte Museen für eine Bedeutung in der deutschen Kunstlandschaft?

Aus meiner Sicht haben sie eine wichtige Ergänzungsfunktion. Die öffentlichen Gelder werden immer knapper, deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Mäzene nicht nur für sich selbst sammeln, sondern die Werke der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Oft konzentrieren sich Privatsammler auf kunsthistorische Spezialgebiete, weil es für sie dann einfacher ist, auf dem Gebiet Experte zu werden. Stellen sie diese Werke dann aus, wird gewissermaßen auch eine Lücke in der Kunstlandschaft geschlossen.

Mancher Kritiker wittert hinter solchen Gesten Prestigesucht oder Eigennutz. Wird Mäzenen wie Hasso Plattner damit unrecht getan?

In jedem Fall. Natürlich bringt ein solches Engagement öffentliche Anerkennung, allerdings erfordert es auch große finanzielle und persönliche Anstrengung – gerade bei einem so ambitionierten Projekt, wie es in Potsdam geplant ist. Herr Plattner könnte sich ja auch 20 neue Segelboote anschaffen. Stattdessen macht er seine Kunstwerke für die Öffentlichkeit zugänglich und bereichert damit die Museumslandschaft und fördert so das allgemeine Kunstverständnis.

Apropos finanzielle Anstrengung – können Sie einschätzen, wie groß das jährliche Budget für ein derart großes Museum ungefähr wäre?

Das ist schwer zu sagen, mit einer Schätzung will ich mich da zurückhalten. Das kommt ganz darauf an, wie viele Ausstellungen es jährlich geben soll, welchem wissenschaftlichen Anspruch das Haus genügen will, wie hoch der Personalstand sein wird, welche Rahmenprogramme geplant sind und nicht zuletzt auch davon, ob Eintritt verlangt wird.

Das Museum soll gänzlich privat finanziert werden. Nicht einmal die Betriebskosten oder das Personal sollen, wie bei manchem anderen Museum, von der öffentlichen Hand bezahlt werden. Ist dies in Deutschland ein ungewöhnliches Konstrukt?

Eigentlich nicht. Vielen Sammlern ist gerade die Unabhängigkeit sehr wichtig. Wenn zum Beispiel die Stadt beteiligt wäre, könnte sie inhaltlich und programmatisch mitreden. Gerade erfolgreiche Unternehmer sind es aber gewohnt, alleine und schnell zu entscheiden und sie legen Wert auf Autonomie.

Die Fragen stellte Katharina Wiechers