• Internationaler Preis für Kongsnæs-Wiederaufbau: "Nachhaltiger Beitrag für die deutsch-norwegischen Beziehungen"

Internationaler Preis für Kongsnæs-Wiederaufbau : "Nachhaltiger Beitrag für die deutsch-norwegischen Beziehungen"

Die Initiatoren des Potsdamer Kongsnæs-Projekts, Volker Schneeweiß vom Förderverein und Bauherr Michael Linckersdorff, werden in Oslo geehrt. Auch die gemeinnützige Linckersdorff-Stiftung ist gegründet.

Das Restaurant in der wiedererrichteten Ventehalle eröffnete 2019.
Das Restaurant in der wiedererrichteten Ventehalle eröffnete 2019.Foto: Ottmar Winter

Potsdam/Oslo - Der Wiederaufbau der ehemaligen Matrosenstation Kongsnæs am Ufer des Jungfernsees in Potsdam dauert schon ein gutes Jahrzehnt, nun gibt es auch internationale Anerkennung dafür: Am Dienstag (7. Dezember) erhalten die Initiatoren, Volker Schneeweiß vom ehemaligen Förderverein Kongsnæs und der Bauherr und Investor Michael Linckersdorff, in der Aula der Universität in Oslo den diesjährigen Willy-Brandt-Preis der norwegisch-deutschen Willy-Brandt-Stiftung.

Der Berliner Schmuckhändler Michael Linckersdorff kaufte das Areal 2009.
Der Berliner Schmuckhändler Michael Linckersdorff kaufte das Areal 2009.Foto: Andreas Klaer

Mit der Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten und danach im deutsch-deutschen Grenzgebiet teils unzugänglichen Gebäudekomplexes sei "ein nachhaltiger, besonderer Beitrag für die deutsch-norwegischen Beziehungen geleistet" worden, teilte die Stiftung mit. Das Kongsnæs-Ensemble, ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts auf Initiative von Kaiser Wilhelm II. errichtet, stehe "in besonderem Maße für die vielfältige Geschichte im Verhältnis zwischen Norwegen und Deutschland". Die Brandt-Stiftung verweist zudem auf die von Investor Linckersdorff gegründete und nach ihm benannte gemeinnützige Stiftung, mit der unter anderem "Denkmalpflege, Kunst, Kultur und gesellschaftliches Engagement" gefördert werden sollen.

Kongsnæs-Mieteinnahmen sollen in die Förderung von Kultur und benachteiligten Jugendlichen fließen

Die gemeinnützige Stiftung ist in diesem Jahr gegründet worden und mittlerweile in die Stiftungsrolle eingetragen. Die Matrosenstation soll - neben weiteren denkmalgeschützten Gebäuden - in die Stiftung eingebracht werden, wie Linckersdorff den PNN am Montag sagte. Das sei aus steuerrechtlichen Gründen aber unter anderem erst dann möglich, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. 

Zwar ist die Ventehalle seit zwei Jahren fertig und auch zwei Häuser der Matrosenstation sind bereits abgenommen, am sogenannten Bootshaus stehen aber noch Arbeiten aus: Dort sollen noch im Dezember die Fenster eingebaut werden, sagt Linckersdorff. "Wenn die Fenster im Bootshaus und im Wintergarten eingebaut sind, kann der Innenausbau fertiggestellt werden." Die Arbeiten hätten sich wegen der coronabedingten Lieferengpässe unter anderem beim Holz verzögert. Linckersdorff rechnet nun mit einer Fertigstellung zwischen Februar und April 2022.

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Das Ensemble werde dann an die Stiftung gehen und dort verbleiben. "Laut der Satzung meiner Stiftung darf keine Liegenschaft verkauft werden, die dort eingebracht worden ist", erklärt der Bauherr und Investor: "Kongsnæs ist mein Lebenswerk - ich möchte, dass das erhalten bleibt." Die Stiftung könne das Geld aus den Mieteinnahmen für gemeinnützige Zwecke ausgeben. Es werde um die Förderung von Kunst, Kultur und benachteiligten Jugendlichen gehen, sagt Linckersdorff. Die eigentliche Stiftungsarbeit soll im kommenden Jahr beginnen.

Auch ein norwegischer Diplomat wird ausgezeichnet

Die Willy-Brandt-Stiftung in Oslo, die das Potsdamer Projekt nun ehrt, wurde im Jahr 2000 von der norwegischen und der deutschen Regierung zur Förderung der Beziehungen zwischen beiden Ländern gegründet. Im gleichen Jahr wurde auch erstmals der Willy-Brandt-Preis verliehen. Benannt wurde sie nach dem früheren sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt, der die NS-Zeit im Exil in Norwegen verbracht hatte und 1971 in Oslo den Friedensnobelpreis erhielt.

Neben dem Kongsnæs-Projekt wird in diesem Jahr auf norwegischer Seite der Diplomat Sverre Jervell ausgezeichnet, wie die Stiftung mitteilte. Jervell war in den 1970er-Jahren an der Norwegischen Botschaft in Ost-Berlin tätig und arbeitete später an der Norwegischen Botschaft in Deutschland. Frühere Preisträger*innen des Willy-Brandt-Preises sind unter anderem die Schriftsteller Jostein Gaarder und Jon Fosse, die Sängerin Wenche Myhre, der Schauspieler Horst Tappert, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Norwegen und das Munch-Haus in Warnemünde.

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