• Internationale Brüder Potsdams Mathias Deinert referierte zu Potsdams Freimaurern

Potsdam : Internationale Brüder Potsdams Mathias Deinert referierte zu Potsdams Freimaurern

H. Catenhusen

Sie ist die älteste, heute noch in Potsdam existierende Freimaurerloge: Die Loge Teutonia zur Weisheit. Im Jahre 1809 wurde sie gegründet, unter den Nationalsozialisten aufgelöst und 1991 als erste Freimaurerloge auf dem Gebiet der einstigen DDR wiederbelebt. Derzeit ist sie eine von fünf aktiven Logen Potsdams.

Über die Zwangsauflösung durch die Nazis referierte am Donnerstagabend der Historiker Mathias Deinert in der Nagelkreuzkapelle am einstigen Standort der Garnisonkirche. Stadtbekannte Persönlichkeiten, wie der Schulreformer Wilhelm von Türk (1774 bis 1846) oder der sozial engagierte Kaufmann August Friedrich Eisenhart (1773 bis 1846), waren einst Freimaurer. Auch der Organist Otto Becker gehörte der Loge Teutonia zur Weisheit an. Becker, der 1910 zum Organisten der Garnisonkirche berufen wurde, war einer jener Brüder - so bezeichnen sich die Freimaurer untereinander -, die das Verbot der Logen durch die Nationalsozialisten miterleben mussten.

Dabei hatte die Unterdrückung durch die braunen Machthaber eine längere Vorgeschichte: Völkisch-nationalistische Kreise hielten den Freimaurern vor, dass sie als eine weltumspannende Bruderschaft zu international eingestellt seien. Als Bund von Männern, die sich mit geheimen Symbolen angeblich sogar noch auf den Schlachtfeldern über die Fronten hinweg verständigten, warf man den Freimaurern schon im 19. Jahrhundert mangelnde Staatstreue vor, berichtete Deinert in seinem Vortrag. „Die Feindschaft des Bauern gegen den Freimaurer als Judenknecht muss bis zur Raserei aufgestachelt werden“, heißt es 1931 in einer Publikation der NSDAP. Im Jahre 1934 verfügte Hermann Göring die Auflösung aller Logen im Deutschen Reich.

Die Loge Teutonia zur Weisheit löste sich daraufhin auf und überließ der Stadt Potsdam das Logenhaus in der Kurfürstenstraße. Ende 1934 zog dort für zwei Jahre das städtische Museum ein. Ob es währenddessen aber überhaupt Ausstellungen dort gab, ist nicht bekannt. Zumindest die Museumsverwaltung residierte in dem Haus. Einige Zeit später zogen auch eine Jugendherberge und eine Berufsschule ein. Mitten im Krieg, im Jahre 1943, wurde das Gebäude zu einer Luftschutz-Rettungsstelle umgewandelt. Unter anderem wurden Luftschutzklosettanlagen und Gasschutztüren installiert.

Nach dem Krieg richteten die sowjetischen Besatzer eine Kommandantur in dem Haus ein. Auch zu DDR-Zeiten war das Haus eng mit den Sowjets verbunden. Als Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft dürfte es noch vielen Potsdamern in Erinnerung sein. Heute sind die Freimaurer dort Mieter. H. Catenhusen

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