• Integrationsprojekt: Einmal selbst Gastgeber sein

Integrationsprojekt : Einmal selbst Gastgeber sein

IN der Potsdamer Suppenküche kamen für Bedürftige ganz besondere Spezialitäten auf den Tisch.

Sarah Stoffers
Vorbehalte abbauen. Bei Couscous, gefüllten Weinblättern und Hummus kamen Flüchtlinge und bedürftige Besucher der Suppenküche ins Gespräch.
Vorbehalte abbauen. Bei Couscous, gefüllten Weinblättern und Hummus kamen Flüchtlinge und bedürftige Besucher der Suppenküche ins...Foto: Manfred Thomas

Potsdam - In der Küche herrscht kurz vor der Essensausgabe noch geschäftiges Gewusel. Mohammad legt bei einigen Speisen letzte Hand an. Einige tragen schon ein paar der hübsch drapierten Platten und dampfenden Schüsseln in den Speisesaal. „Vorsicht, macht einmal bitte Platz“ – Maher Akili balanciert vorsichtig mit einem riesigen Topf voll heißer Kartoffelsuppe an den Gästen vorbei.

Am Sonntag kochten in der Suppenküche der Volkssolidarität gleich hinter dem Potsdamer Rathaus Flüchtlinge aus Syrien, Palästina oder dem Irak für Bedürftige die Speisen ihrer Heimat. Es gibt Salate mit Feta, Couscous, gefüllte Weinblätter, Hummus, Trinkjoghurt Ayran und Mandelgebäck.

"Sonderpreis Nachbarschaft" für das Projekt

Das Projekt „Buntes Essen“ der Potsdamer Bürgerstiftung und der Suppenküche der Volkssolidarität fand zum dritten Mal statt. Beim ersten große Kochen im November 2015 gab es deutsches und afrikanisches Essen aus Kamerun. Im letzten Jahr lud das Team, wie auch heute, zu syrischen und arabischen Speisen ein. Das Projekt wurde in diesem Jahr beim Potsdamer Integrationspreis mit dem mit 1000 Euro dotierten „Sonderpreis Nachbarschaft“ ausgezeichnet.

„Wir wollen Danke sagen. Die Deutschen haben uns sehr geholfen. Jetzt geben wir etwas zurück“, sagt der 18-jährige Syrer Maher Akili, der aufs Gymnasium geht und Ingenieur werden möchte. Ihm sei es vor allem wichtig, dass alle miteinander ins Gespräch kommen, egal ob Syrer, Araber oder Deutsche.

In die Rolle des Gebers wechseln

Es gebe zwar viele in Deutschland, die sich in der Willkommenskultur einbrächten, aber leider auch immer noch einige Vorbehalte gegen die Flüchtlinge, sagt Marie-Luise Glahr von der Bürgerstiftung. „Die Idee ist, ein Zeichen zu setzen. Zu zeigen, dass sich die neuen Einwohner einbringen können.“ Auch sollen die Flüchtlinge einmal in die Rolle des Gebers wechseln. „Sie sind stolz auf ihre Köstlichkeiten und ihre Kultur.“

Die Teilnehmer sind alle über die Potsdamer Bürgerstiftung, die noch weitere Flüchtlingsprojekte organisiert, zu „Buntes Essen“ gekommen. So wie Mohammad Alan, der vor etwa zwei Jahren aus dem Irak nach Potsdam kam. Der 20-Jährige ist eigentlich gelernter Koch und hat, so sagt er, in seiner Heimat einige Jahre in einem Sternerestaurant gearbeitet. Auch in Deutschland würde er am liebsten als Koch Arbeit finden, was schwer ist, denn seine Qualifikation werde hier bisher nicht anerkannt.

Vorbehalte zu Beginn des Projekts

Das Mittagessen ist heute kostenlos. Sonst nimmt die Suppenküche, die am Donnerstag 20-jähriges Bestehen feiert und außer an Neujahr jeden Tag geöffnet hat, etwa 2 Euro pro Essen, berichtet der Leiter der Küche, Peter Müller. Unter den Gästen hätte es zu Beginn des Projekts einige Vorbehalte gegeben. Es sei nicht immer leicht zu vermitteln, warum Flüchtlinge viel Unterstützung bekommen, während auch andere in Deutschland Hilfe benötigen. „Wir hier in der Suppenküche sind neutral. Wir sind für alle da“, sagt Müller.

Mit dem leckeren Essen scheinen einige Vorbehalte zu schwinden. Ein paar der Flüchtlinge unterhalten sich mit den anderen Gästen angeregt über ihr Leben in Deutschland, ihren Alltag und ihre Erfahrungen. Viele holen sich Nachschlag und bedanken sich beim Kochteam. „Es hat sehr lecker geschmeckt. Ihr könnt gerne bald wiederkommen“, sagt einer der Gäste.

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