Potsdam : In Potsdam wird zu wenig gebaut

Wohnungsunternehmen: In Potsdam fehlen 10 000 Wohnungen, anderswo stehen halbe Städte leer

Während Teile der märkischen Provinz unter einer anrollenden Leerstandswelle zu verwaisen drohen, bleibt die Landeshauptstadt die Boom-Town der Mark. 600 neue Wohnungen wollen die im Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) vereinten Potsdamer Gesellschaften bis zum Jahr 2016 bauen. Doch das wird nicht reichen: „In Potsdam wird Wohnraum knapp“, konstatierte BBU-Vorstandschefin Maren Kern am Mittwoch vor Journalisten. In acht Jahren werde die Stadt mit rund 176 000 etwa 20 000 Einwohner mehr zählen als heute. Dafür würden nach aktueller Annahme rund 10 000 Wohnungen gebraucht.

Die Landeshauptstadt steht exemplarisch für zwei gegenläufige Trends im Land Brandenburg. Das nahe Berliner Umfeld mit Städten wie Potsdam, Teltow oder Falkensee erfährt weiterhin Wachstum und Zuzug, während es in Landkreisen wie der Uckermark, Spree-Neiße oder Oberhavel zunehmend Geisterstädte mit bis zu 75 Prozent leer stehender Wohnungen geben wird.

In Potsdam ist die Leerstandsquote innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 5,5 auf 1,9 Prozent gesenkt worden. Das heißt in konkreten Zahlen, dass von 2024 leer stehenden Wohnungen heute noch 657 Wohnungen nicht genutzt werden. Doch anders als in Brandenburg, wo der Leerstand vor allem durch Abriss von insgesamt 52 000 Wohnungen halbiert wurde, ist in Potsdam ausschließlich durch Sanierung und Modernisierung Leerstand beseitigt worden.

Nun droht den ländlichen Regionen wegen gestrichener Fördermittel, ausbleibender Altlastenhilfe und Einwohnerschwund erneut ein Anstieg an Leerstand. „Die Erfolgsgeschichte des Stadtumbaus Ost ist in Gefahr“, warnt BBU-Chefin Kern. In der Landeshauptstadt indes wird die ohnehin geringe Leerstandsreserve in etwa fünf Jahren aufgebraucht sein: Zu rasant ist der Bevölkerungswachstum, mit dem der Wohnungsneubau nicht Schritt halte. Nach BBU-Angaben werden jährlich nur 700 neue Wohnungen in Potsdam fertig gebaut. „Die Nachfrage ist aber höher“, sagte Kern. Sie appellierte an Stadt und Land, gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft, Bauindustrie und Handwerk Anreize und Fördermodelle für den Wohnungsneubau zu schaffen.

Förderung müsse es zudem geben, um neuen Wohnraum bezahlbar zu machen. Denn Ziel der im BBU vereinten Wohnungsunternehmen seien keine Renditen, sondern stabile Mieten, betonte Kern. Die Brutto-Mieten der BBU-Mitgliedsunternehmen, zu denen auch die großen Potsdamer Gesellschaften gehören, liegen im Berliner Umland bei durchschnittlich 4,94 Euro je Quadratmeter. „Doch Neubaukosten liegen pro Quadratmeter bei mindestens 8,50 Euro, woraus sich keine günstige Miete ergibt“, sagt Kern. Für das Gros der Mieter der BBU-Unternehmen sei ein Neubau zu teuer. Deshalb suche der BBU mit Städten wie Potsdam und dem Land nach kreativen Lösungen, um den Wohnungsbestand möglichst kostengünstig zu erweitern.

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