Potsdam : In den Fluss kommen

„Wellen und Wogen“ im Großen Waisenhaus

Astrid Priebs-Tröger

Wasser ist Leben. Besonders lebendig zeigt es sich kurz vor den Sommerferien im historischen Treppenhaus des ehemaligen Großen Militärwaisenhauses. Über einhundert Potsdamer Schüler – so viele wie schon seit Waisenhauszeiten nicht mehr – sind zur Vernissage ihrer Ausstellung „Wellen und Wogen“ gekommen. Und jedes einzelne Gemurmel in der oberen Etage direkt unter dem weithin sichtbaren Monopteros trägt bei zu einem mächtig anschwellenden (Rede-)Strom.

Die Dritt- bis Achtklässler waren beteiligt an dem Jugendkunstprojekt „Wellen und Wogen“, das der Kik e.V. mit Unterstützung der Stiftung Großes Waisenhaus im gerade zu Ende gegangenen Schuljahr realisierte. Die Künstlerinnen Inken Gusner und Dorothea Neumann haben mit den Schülern von zwei Potsdamer Grund- und Gesamtschulen, vom Einstein-Gymnasium sowie vom Projekt „Innewohnen“ Bilder, Collagen und Plastiken zum Thema Wasser erarbeitet.

Riesige Wasserfahrzeuge, in denen Technisches und Tierisches fantasievoll miteinander verschmilzt, dabei manchmal an U-Boote oder auch an Ufos erinnern, hängen freischwebend über drei Etagen im Treppenhaus. Zwischen ihnen mehrere gigantische transparente Wasserbewohner.

Auf den beiden oberen Etagen sind sowohl grafische Arbeiten über Wasser in den verschiedenen Aggregatzuständen als auch prächtig gemalte und collagierte Unterwasserwelten mit ebensolchen vielfarbigen Lebewesen zu sehen. Workshopteilnehmer aus der Rosa-Luxemburg-Schule und der Steuben-Gesamtschule berichten bei der Vernissage stolz, wie sie selbst Leinwände bespannten, diese grundierten und dann überaus farbenfroh gestalteten. Und sie erzählten, wie sie eigenhändig aus scharfkantigem Maschendraht die Körper für Schiffe und Fische herstellten – ein in der Praxis manchmal schmerzhafter Prozess.

Und bei dem einen oder anderen dauerte es auch eine Weile, bis er in den kreativen Fluss kam. Denn, das stellte Inken Gusner bei der Projektarbeit immer wieder fest, vielen Schülern falle es schwer, nicht vorrangig zielfixiert zu arbeiten. In den Fluss kommen, der eigenen Intuition zu vertrauen, etwas entstehen lassen, seien für Künstler übliche Arbeitsweisen. Im schulischen Lehrplan ist dagegen für Kreativitätsübungen und behutsames Sich-treiben-lassen kaum Zeit und Raum vorgesehen.

Da waren die beiden Künstlerinnen sehr froh, dass die Lehrer schon theoretisch vorgearbeitet hatten. Gerade die Grundschüler verblüfften mit viel Detailwissen zum Thema Wasser, seiner Bedeutung als grundlegende Ressource und Möglichkeiten zu seiner sparsamen Verwendung. Denn es war auch Ziel des Projektes, die Kinder und Jugendlichen im Umgang mit der weltweit schwindenden Ressource zu sensibilisieren. Sieht man jetzt die farbenfrohen Ergebnisse besonders in der oberen Etage, die insgesamt wie ein exotisches Aquarium anmutet, kann man sicher sein, dass deren Schöpfer wissen, wie viel Reichtum von Fauna und Flora das nasse Element eigentlich ermöglicht. Und zum Schutz desselben ist der Weg dann nicht mehr ganz so weit. Astrid Priebs-Tröger

geöffnet bis Mitte September, Mo bis Sa 10-17 Uhr, Großes Waisenhaus, Eingang Lindenstraße 34 a

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.