• „Ich war ein Junge aus New Orleans“

Potsdam : „Ich war ein Junge aus New Orleans“

Drehbuchautor Gary Goldman an der HFF über seine Arbeit in Hollywood

Juliane Schoenherr

Wenn man den Hollywood-Drehbuchautoren und -produzenten Gary Goldman im Internet sucht, findet man zunächst nur seinen Namensvetter. Dieser arbeitet verwirrenderweise ebenfalls als Filmschaffender in der amerikanischen Traumfabrik – jedoch im Bereich Animationsfilm.

Die Filmographie des Gary Goldman, der gestern einen Vortrag an der Hochschule für Film- und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) hielt, ist hingegen von Science-Fiction und Actionkino geprägt. So tragen unter anderem die Drehbücher von „Minority Report“ und „Total Recall“ seine Handschrift. Auch an „Basic Instinct“, „Matrix“ und „Big Trouble in Little China“ hat der 52-Jährige mitgearbeitet.

Eigentlich war Goldman auf Urlaub in Berlin, als er durch einen Freund auf die Filmhochschule aufmerksam wurde. Nachdem er sich das Gebäude angeschaut hatte, entschied er spontan, hier eine kleine Vorlesung zu geben. Da viele HFF-Studenten während der Semesterferien nicht in Potsdam sind, kamen jedoch nur die Teilnehmer der deutsch-chinesischen Sommerakademie in den Genuss seines sehr lebendigen Vortrags. Dieser zeigte einmal mehr, dass das amerikanische „Give a lesson“ wenig gemein haben mit einer deutschen Vorlesung. Sehr offen und humorvoll sprach der Filmemacher über seine Karriere, die sich völlig anders entwickelt hat, als er eigentlich geplant hatte. „Ich war ein Junge aus New Orleans, der eigentlich nur kleine feine Kunstfilme über seine Stadt und die Menschen dort drehen wollte“, erzählte Goldmann. In die Blockbuster-Maschinerie sei er dann hinein gerutscht. In den vergangen Jahren hat er eng mit Regisseuren wie Steven Spielberg und Paul Verhoeven zusammen gearbeitet.

Jedoch betonte Goldman auch, dass Drehbuchautoren in Hollywood wenig Freiheiten haben, weil die Filme vor allem kommerziell erfolgreich sein müssen. „Das Drehbuch ist das Wichtigste beim Film, ganz im Gegensatz zum Drehbuchautor“, sagte er ironisch. In der Regel würden mehrere Autoren an einem Film schreiben und das Ende sei oft ganz anders als im Originaldrehbuch.

Goldman will demnächst wieder stärker zu seinen Wurzeln zurück kehren und ein kleines Charakterstück schreiben. „Das werde ich aber auf keinen Fall an ein großes Filmstudio verkaufen“, sagte er, sondern ganz nach meinen eigenen Vorstellungen umsetzen – selbst wenn ich es am Ende mit einer Videokamera drehen muss.“