• Hundewelpen und Katzen: Ungewollte Pandemie-Haustiere

Hundewelpen und Katzen : Ungewollte Pandemie-Haustiere

Das Tierheim Potsdam bekommt vermehrt Anfragen von Bürger:innen. Nach Weihnachten gab es jedoch keinen Anstieg. In Zukunft könnten auch Fundtiere wieder Unterschlupf in der Einrichtung finden.

Tierpflegerin Stefanie Krüger mit Neuzugang „Blacky“. Der einjährige Labrador-Riesenpudel-Mischling sucht neue Besitzer.
Tierpflegerin Stefanie Krüger mit Neuzugang „Blacky“. Der einjährige Labrador-Riesenpudel-Mischling sucht neue Besitzer.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Seit Beginn der Pandemie haben sich viele Menschen Haustiere zugelegt: Entweder, um der Einsamkeit und Monotonie im Lockdown zu entfliehen oder weil das Homeoffice längere Anwesenheit zu Hause möglich gemacht hat. Auch zu Weihnachten werden immer wieder Hundewelpen oder Katzen verschenkt, die oft nicht lange in ihrem neuen Zuhause bleiben. Im Tierheim Potsdam war davon nach den Feiertagen jedoch nichts zu spüren: „Es gab zu diesem Thema keine für uns erkennbaren Abgabeanfragen“, sagt Günter Hein, Vorsitzender des Tierschutzvereins Potsdam, der das Tierheim an der Michendorfer Chaussee in der Templiner Vorstadt betreibt.

Auch die Tierrettung Potsdam hatte nach Weihnachten keine vermehrten Fälle zu verzeichnen: „Auch befreundete Tierheime haben nichts davon gemeldet, das ist natürlich sehr erfreulich“, sagt Jörg Seydel von der Tierrettung Potsdam. „Vielleicht hat unsere jahrelange Aufklärung langsam gefruchtet.“ Tatsächlich raten Tierschützer:innen immer wieder von Haustieren als Weihnachtsgeschenk ab. Auch das Tierheim Potsdam hat dies klar kommuniziert: Im Vorfeld der Feiertage gibt es keine Tiervermittlungen. Derzeit ist das Tierheim nicht überfüllt und kann auch neue Tiere aufnehmen.

Zahl der Aussetzungen hat zugenommen

Mit Blick auf das ganze Jahr sieht es schon ein bisschen anders aus: „Im Zusammenhang mit der Pandemie registrieren wir verstärkt, dass Menschen sich auf kurzem Weg Haustiere beschafft haben und beschaffen, zum Beispiel über Ebay-Kleinanzeigen“, sagt Hein. Oft wollen die neuen Besitzer:innen die Tiere nach kurzer Zeit nicht mehr haben: Entweder, weil der zunächst willkommene Liebling zu ungeahnter Größe heranwächst oder eine Krankheit bekommt. „Hinzu kommt, dass die Notwendigkeit einer erforderlichen zeitlichen Hinwendung und damit einer sozialisierenden Erziehung nicht bedacht wurde“, sagt Hein. Wenn der Hund dann nicht hört oder schlimmstenfalls beißt, wird die Verantwortung schnell abgeschoben.

Günter Hein, Vorsitzender des Tierschutzvereins Potsdam.
Günter Hein, Vorsitzender des Tierschutzvereins Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Auch im Tierheim Potsdam gebe es deshalb vermehrt Anfragen, ob Tiere aufgenommen werden können, sagt Hein. Doch das kostet etwas: tierärztliche Untersuchungen, gegebenenfalls Weiterbehandlung mit Medikamentengabe, Gehalt für die Tierpflegerinnen, Futter, Betriebskosten. „Da kommen immer mehrere hundert Euro zusammen“, sagt Hein. „Am anderen Ende des Telefons vernehmen wir meistens Luftschnappen.“ Nicht jeder ist bereit, unter diesen Bedingungen ein Tier im Tierheim abzugeben.

Dadurch scheint es auch vermehrt zu Aussetzungen zu kommen: „Wir hatten im Jahr 2021 rund 350 Einsätze mehr als 2020“, sagt Seydel. Insgesamt zählte die Tierrettung Potsdam, die über ein Netzwerk von rund 150 Aktiven verfügt, im vergangenen Jahr 6277 Einsätze. Darunter fallen sowohl schriftliche Anfragen und telefonische Beratungen als auch Tiertransporte und Einsätze zur Sicherung von Tieren, von letzteren gab es 941. „Ich schätze, dass wir in den nächsten zwei Jahren mehr davon erleben werden, wenn nach der Pandemie viele Menschen aus dem Homeoffice ins Büro zurückkehren werden“, sagt Seydel.

Rettungseinsätze für Stockenten 

Viele Einsätze der Tierrettung beziehen sich allerdings auf verletzte oder verirrte Wildtiere: „Gerade im Frühjahr gibt es immer wieder viele Jungtiere, zum Beispiel von Vögeln oder Eichhörnchen“, so Seydel. Da Stockenten gerne auf innerstädtischen Balkonen brüten, müssen auch von diesen des Öfteren Jungtiere gerettet werden.

Dieses Gebäude soll als nächstes saniert werden.
Dieses Gebäude soll als nächstes saniert werden.Foto: Andreas Klaer

Eines des bekanntesten Gesichter der Tierrettung Potsdam ist Gordon Ebeling, der mit seiner mobilen Tierarztpraxis immer wieder in der Stadt unterwegs war. Vor kurzem ist er „sesshaft“ geworden, denn er hat die Tierarztpraxis am Pfingstberg übernommen. Ebeling bleibe der Tierrettung mit seiner mobilen Praxis dennoch erhalten, sagt Seydel, allerdings nur noch Ausnahmefällen: „Wenn es akute Notfälle gibt, ist er immer bereit, mit dem RTW loszufahren.“ Zudem ist und bleibe Ebeling im Vorstand der Tierrettung Potsdam.

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Auch Fundtiere werden immer wieder von der Tierrettung gesichert, zuständig ist allerdings die Stadt, die sich im Anschluss um die Unterbringung kümmern muss. 2021 gab es 50 Fundtiere in Potsdam, 17 davon waren Katzen, sie wurden am häufigsten aufgefunden. Seit 2022 werden die Tiere nicht mehr in das 40 Kilometer entfernte Tierheim in Zossen gebracht, sondern entweder nach Bad Belzig in das Heim des Vereins Tierisch Belzig e.V. oder in das Tierheim der Tierrettung Potsdam e.V. nach Medewitz bei Wiesenburg. Auch hier betragen die Fahrtwege rund 40 Kilometer.

Auf etwa 600 Quadratmetern könnten auch Fundtiere unterkommen.
Auf etwa 600 Quadratmetern könnten auch Fundtiere unterkommen.Foto: Andreas Klaer

Tierheim hofft auf Fördergelder vom Land

Das Tierheim Potsdam verfügt noch nicht über die Kapazitäten, um die Potsdamer Fundtiere aufzunehmen, allerdings könnte sich dies bald ändern: Derzeit saniert der Verein das zweite der insgesamt fünf Häuser auf dem Gelände, von denen bislang vier leer stehen. „Geplant ist, ab dem Frühjahr zunächst das Dach, die Fassade und die Grundmauern zu sanieren sowie Fenster und Außentüren einzubauen“, sagt Günther Hein. Unterstützt wird das Tierheim dabei vom Ingenieurbüro Dr. Zauft aus Potsdam.

Die Kosten der Sanierung liegen bei mehreren Hunderttausend Euro, doch möglicherweise kann der Verein auf Hilfe durch das Land hoffen: Das Tierheim hat beim Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit einen entsprechenden Förderantrag gestellt, der eine Förderung von bis zu 50.000 Euro ermöglichen könnte. „Entschieden wurde darüber noch nicht, aber wir sind sehr hoffnungsvoll“, sagt Hein.

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