• HPI Campus in Potsdam: Blaupause Stanford

HPI Campus in Potsdam : Blaupause Stanford

Die Digitale Fakultät des Hasso-Plattner-Instituts soll zum „Waldcampus“ nach dem berühmten kalifornischen Vorbild in Stanford ausgebaut werden. Golm wird Standort für die Gesundheitswissenschaftliche Fakultät.

Oliver Günther
Oliver Günther

Babelsberg/Golm - Ein moderner Universitäts-Campus, durchzogen von Bäumen, die Gebäude architektonisch vom Feinsten, dazwischen tummeln sich motivierte Studenten, die am Hasso-Plattner-Institut unter idealen Lehrbedingungen ausgebildet werden, um später innovative Lösungen für die Welt von morgen zu ertüfteln. Nichts weniger als das ist die Vision von SAP-Mitbegründer und Mäzen Hasso Plattner für das von ihm gestiftete und nach ihm benannte Institut am Griebnitzsee: ein „Waldcampus“ nach dem Vorbild der kalifornischen Stanford University.

Und der Mäzen hat es eilig, der 74-Jährige möchte seine Vorstellungen möglichst in absehbarer Zeit verwirklicht sehen. In den nächsten Jahren ist daher buchstäblich Großes geplant auf dem Babelsberger Uni-Campus, um das HPI, das erst seit einem Jahr Fakultät der Uni Potsdam ist, auch baulich mit dem auszustatten, was für die vier geplanten Studiengänge und seine zwölf Professoren nötig ist.

Allen Beteiligten geht es darum, dass möglichst viel Wald erhalten bleibt

Dafür will die Stadt wie berichtet einen neuen Bebauungsplan aufstellen, der im Wesentlichen zwei große Waldstücke nördlich und südlich der Bahntrasse sowie den Bereich der zwei Parkplätze vor dem Uni-Hauptgebäude am Campus Griebnitzsee umfasst. Eine erste Masterplan-Studie zur Erweiterung des Campus’ stellten Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos), HPI-Direktor Christoph Meinel und Uni-Präsident Oliver Günther am Freitag vor. Geplant sind demnach mehrere Gebäude, in denen Hörsäle, Büros, Labore, Großrechner und jede Menge Technik untergebracht werden sollen. Wie sie aussehen und auf dem Gelände angeordnet werden sollen, will man mit einem Masterplan klären.

Parallel sollen Umweltprüfungen stattfinden, um so schnell wie möglich loslegen zu können. Bereits 2019 solle mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden, kündigte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann an. Allen Beteiligten gehe es darum, dass möglichst viel Wald erhalten bleibt, sagte Rubelt. Keinesfalls sei ein „Kahlschlag“ geplant. Hasso Plattner selbst war es, der den Begriff vom „Waldcampus“ geprägt habe, sekundierte Meinel. Studierende und Mitarbeiter sollen in der „schönen Natur Potsdams arbeiten und studieren“.

HPI: Mit doppelter Größe in die digitale Zukunft

Rein flächenmäßig werde sich das HPI fast verdoppeln, sagte Meinel. Bereits im Herbst sollen die ersten beiden Studiengänge etabliert werden: Digital Health, der die Gesundheitsversorgung durch die digitale Verarbeitung großer Datenmengen revolutionieren soll, und Data Engineering. Starten will man mit je 30 Studierenden pro Semester. Danach folgen die Studiengänge Cyber-Security, der sich mit Fragen der Datensicherheit befasst, und Smart Energy, bei dem es um intelligente Technologien für Energiewandlung, -speicherung und -verbrauchssteuerung geht. Auch das Thema Künstliche Intelligenz spiele zunehmend eine Rolle, so Meinel. Möglicherweise werde dafür sogar ein weiterer Studiengang aufgebaut. Perspektivisch soll sich die Zahl der Studierenden an der HPI-Fakultät damit von aktuell 750 auf 1500 verdoppeln, kündigte Meinel an.

Wie viel die HPI-Erweiterung, in dessen Bau und Lehrbetrieb Plattner über seine Stiftung bereits mindestens 200 Millionen Euro gesteckt hat, kostet, bleibt unklar. Dass der Mäzen nicht gern über Zahlen redet, ist bekannt, doch dürfte auch diese Investition eher in drei- als in zweistelliger Millionenhöhe liegen.

Universität Potsdam soll vom HPI-Ausbau profitieren

Auch die Uni selbst soll vom Ausbau der Digitalen Fakultät profitieren. Mit der Juristischen und der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät sind zwei der größten Bereiche der Uni am Griebnitzsee beheimatet, 6500 Studierende sind es insgesamt. Auch sie sollen künftig die neuen Hörsäle nutzen können. Dass zudem der gesamte Campus neu geordnet und zu einer gestalterischen Einheit geformt werde, „gefällt uns sehr gut“, sagte Günther.

Weil die meisten Studierenden „aus dem Mauseloch des S-Bahn-Tunnels hervorquellen“ (Goetzmann) und sich in Richtung Campus bewegen, soll dort auch künftig der zentrale Eingangsbereich geschaffen werden. Günther schwebt dafür eine Art Portal vor. Ohnehin bediente sich der Uni-Präsident für seine Vergleiche in der Antike. Denn öffentliches Herzstück der Anlage werde „eine Agora“ sein, ein langgestreckter Platz nach dem Vorbild von Fest- und Versammlungsplätzen in den altgriechischen Stadtstaaten. Die dort befindlichen Parkplätze verschwinden, parkende Autos sollen in Tiefgaragen unter die Erde verbannt werden.

Günther: Uni Potsdam auf dem Weg zu bedeutendsten Playern der deutschen Hochschullandschaft 

Während das HPI am Griebnitzsee baut, treibt die Uni die Entwicklung in Golm voran. Ein Teil der Brache nördlich des Rewe-Marktes an der Straße In der Feldmark, auf dem in den nächsten Jahren ein Technologiepark entstehen soll, wird für die Erweiterung der Hochschule genutzt. Dieses Areal soll Sitz der siebenten Fakultät der Uni werden, der Gesundheitswissenschaftlichen Fakultät, die zum 1. April gegründet werden soll. Träger sind neben der Uni auch die BTU Cottbus und die Medizinische Hochschule Brandenburg mit Standorten in Brandenburg an der Havel und Neuruppin. Potsdam ist mit sieben Professuren der größte der drei Standorte, Cottbus soll fünf bekommen, Neuruppin vier. Außerdem entstehen Neubauten für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und die Humanwissenschaftliche Fakultät. Auch hier sind Investitionen in jeweils zweistelliger Millionenhöhe geplant.

Günther sieht die Uni Potsdam damit auf dem Weg zu den bedeutendsten Playern der deutschen Hochschullandschaft und zog einen Vergleich zu München-Garching, einem der wichtigsten Standorte für die Lehre von Naturwissenschaften. Insbesondere von der Phalanx zwischen der Gesundheitswissenschaftlichen Fakultät und dem Bereich Digital Health der HPI-Fakultät verspricht er sich Synergieeffekte, denn diesem Bereich gehöre die Zukunft: „Wie sich Informatik und Medizin gegenseitig befruchten – das wird die Welt verändern“, prophezeite Günther.

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Kommentar: Was die Universität und das Hasso-Plattner-Institut in den nächsten Jahren am Griebnitzsee und in Golm vorhaben, sucht deutschlandweit wohl seinesgleichen. PNN-Redakteur Peer Straube über ein Projekt der Superlative.

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