Potsdam : Honecker-Neffe weg

Peter Feist ist „auf absehbare Zeit nicht zu Hause“ Neuer Vorstand der AG Modell-Fort gewählt

Erhart Hohenstein

Ohne ihren bisherigen Vorsitzenden Peter Feist, einem Neffen des früheren DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker, präsentiert sich die Arbeitsgemeinschaft Modell-Fort Sanssouci e.V. Mit dem am Ernst-von-Bergmann-Klinikum als Projektmanager tätigen Mario Vollert an der Spitze wurde ein neuer Vorstand gewählt.

AG-Mitglieder hatten sich seit Wochen vergeblich um einen Kontakt mit Feist bemüht. Dann brachten sie in Erfahrung, dass der Honecker-Neffe angeblich derzeit eine Freiheitsstrafe verbüße. Aber mehr wisse er auch nicht, erklärte Vollert. Feists Mutter sagte den PNN nur: „Mein Sohn hält sich auf absehbare Zeit nicht zu Hause auf. Seine Mitgliedschaft in der Modell-Fort-AG ruht.“

Peter Feist ist der Sohn von Manfred Feist, des Bruders von Margot Honecker, der in der DDR-Zeit höhere Partei- und Staatsämter bekleidet hatte. Im Jahr 2003 hatte sich Feist kritisch über seinen prominenten Onkel geäußert: Honecker hätte nicht wegen der Mauertoten, sondern wegen Landes- und Hochverrats angeklagt werden sollen. Er habe fortgesetzt die Verfassung gebrochen. „Tante Margot“ sei zu keiner Einsicht über ihre Rolle in der DDR fähig. Dass die Honeckers den Untergang der DDR erleben mussten, sei für beide die größte Strafe gewesen.

Peter Feist, der in der DDR Philosophie studiert hatte, beackerte nach der Wende verschiedene berufliche Felder als Friedensforscher, Publizist, Tourismusunternehmer, Reisebuchautor und als Festungsexperte. Er nahm an Beratungen linksgerichteter Arbeitskreise zu Übergangsstrategien vom Kapitalismus zum Sozialismus teil. Im Januar schloss sich der heute 49-Jährige der von dem Publizisten Jürgen Elsässer gegründeten „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ an, die von den Linken bis zu Rechtsextremen reichen soll.

Als Vorsitzender der AG Modell-Fort hatte Feist dafür gesorgt, dass die 2004 von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zugeschüttete Anlage im Park Sanssouci als bedeutendes militärhistorisches Denkmal anerkannt wurde. Die Neupflanzung von Bäumen, die in das Gelände des Forts eingriffen, wurde rückgängig gemacht. Auf seinen Standort wird durch eine Informationstafel hingewiesen. Laut Vollert setzt die Arbeitsgemeinschaft ihre Bemühungen fort, die Anlage wieder freizulegen und touristisch zu präsentieren. Dazu müssten als erstes die mit dem Verschwinden Feists eingeschlafenen Arbeitskontakte zur Schlösserstiftung reaktiviert werden. Neu im Vereinsvorstand ist der Potsdamer Geologe Hans Paech, ein Experte für historische Schanzen und Festungen.

Das Modell-Fort war auf Befehl Kaiser Wilhelms II. von dem bei Krupp angestellten Ingenieur Oberstleutnant a. D. Julius Diener entworfen und 1893 im Maßstab von 1:10 errichtet worden. Es stellte ein neuartiges Panzerfort dar, das dem Beschuss mit Granaten von hoher Sprengkraft widerstehen sollte. Die im Volksmund fälschlich „Prinzenspielplatz“ genannte Anlage verfiel nach 1945, die wertvolle Ausstattung an Panzerwerken und Modellgeschützen wurde geplündert. Erhart Hohenstein

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