• Hoffbauer-Stiftung: Den Kaiser-Besuch geschwänzt

Hoffbauer-Stiftung : Den Kaiser-Besuch geschwänzt

Die 111-jährige Geschichte der Hoffbauer-Stiftung ist „ein echter Krimi“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Frank Hohn, am Montag.

Guido Berg

Potsdam -  Als Vorbote einer im folgenden Jahr erscheinenden umfassenden Chronik der evangelischen Sozial- und Bildungseinrichtung weihten Hohn und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eine Ausstellung zur Stiftungsgeschichte ein. Die Freiluft-Exposition unter dem Titel „Verantwortung für Generationen“ an der Stiftungskirche auf der Halbinsel Hermannswerder ist dauerhaft zu sehen. Zentrales Objekt ist ein Betonkubus, dessen Außenseiten die Stiftungsgeschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart umreißt. Die verspiegelten Innenseiten enthalten Porträtfotos, etwa der Stiftungsgründer Hermann und Clara Hoffbauer.

Mit der Erforschung der Stiftungsgeschichte ist die Historikerin Stefanie von Hochberg beauftragt. Vorstandschef Hohn zufolge hätte die Chronik schon 2010 vorliegen sollen. Eine „Flut von Informationen und Material“ habe dies verhindert; stattdessen werde nun „sauber recherchiert“ und das Ergebnis „lesbar sein“, versprach Hohn. Die Chronik, versuchte Hohn Neugier zu wecken, werde darüber informieren, „warum Clara Hoffbauer einen Besuch des Kaisers auf Hermannswerder schwänzte, was eine Oberin auf dem Obersalzberg wollte, wie die Stiftungsleitung kaltgestellt wurde und welche Rolle die Stasi spielte ...“ Wie Hohn erklärte, habe die Stiftungsleitung den Nazis zunächst zugejubelt, später habe es auch Widerstand gegeben, „das nahe Kriegsende verhinderte eine völlige Zerschlagung der Stiftung“. Wie auf dem Betonkubus der Ausstellung zu lesen ist, war die Stiftung im Nationalsozialismus 1939 gleichgeschaltet worden, indem Gauamtsleiter Arthur Bergfeld die Stiftungsleitung übernahm. Die Heimschulen wurden „zu Kaderschmieden der neuen nationalsozialistischen deutschen Frauen“. 1941 waren zudem 60 000 Quadratmeter Grundbesitz enteignet und der Stadt Potsdam sowie Privatpersonen übertragen worden. Erst 2006 wurde die Rückübertragung „weitgehend“ abgeschlossen. Noch offen sei ein 70 Quadratmeter großes Grundstück an der Toreinfahrt zur Halbinsel, auf der eine Außenmauer steht, die die Hoffbauer-Stiftung nun von der Stadt zurückkaufen will. Hohn: „Wir haben ansonsten keine Vermögensstreitigkeiten mehr mit der Stadt Potsdam.“

Wie die Ausstellung ferner informiert, hat die Stiftung in der Weltwirtschaftskrise 1920 ihr gesamtes Barvermögen verloren. Das betrug 1916 noch 8,5 Millionen Reichsmark. Ursächlich für den Verlust ist eine Anweisung der Stifterin, wonach die Stiftung nicht in ausländischen Währungen, Aktien oder Immobilien investieren dürfe. Nach der völligen Entwertung der Reichsmark hat sich die Stiftung durch die Betreuung „zahlungskräftiger Pensionärinnen“ über Wasser halten können. Heute verfügt die Hoffbauer-Stiftung nach Angaben ihres Vorstandsvorsitzenden über ein Stiftungsvermögen von 60 Millionen Euro. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Immobilien auf Hermannswerder. Ausgangspunkt dieser Berechnung ist Hohn zufolge ein Quadratmeterpreis von 160 Euro, wie er 2001 auf Hermannswerder zu erzielen war. Der heutige Preis: 420 Euro pro Quadratmeter.