• Höchster Anstieg seit Beginn der Pandemie: Corona-Lage in Potsdam spitzt sich immer stärker zu

Höchster Anstieg seit Beginn der Pandemie : Corona-Lage in Potsdam spitzt sich immer stärker zu

Die Corona-Inzidenz steigt nach 79 neuen Infektionen auf 112. Die Bibliotheken, Musik- und Volkshochschule müssen schließen. Der Weihnachtsmarkt wurde endgültig abgesagt.

In Potsdams Innenstadt gilt in weiten Teilen eine Maskenpflicht
In Potsdams Innenstadt gilt in weiten Teilen eine MaskenpflichtFoto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Innerhalb von nur drei Tagen habe sich die Zahl der Neuinfektionen in der Stadt verdreifacht, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwoch vor den Stadtverordneten. In den Krankenhäusern müssen immer mehr Corona-Patienten versorgt werden; das Bergmann-Klinikum erweitert seine Covid-Station deshalb auf 39 Betten. Am Mittwoch wurden dort 26 Infizierte behandelt, sieben auf der Intensivstation (Vortag: drei). Eine 81-jährige an Covid-19 erkrankte Frau aus Teltow-Fläming verstarb am Mittwoch im Klinikum. Die Stadt registrierte Mittwochmorgen 79 Neuinfektionen – mit Abstand die höchste Zahl überhaupt seit Pandemiebeginn. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner liegt nun laut Stadt bei 112.

38 der 79 neu bestätigten Corona-Infektionen sind einem Ausbruch im Vitanas Seniorenzentrum am Volkspark in der Johannes-Lepsius-Straße zuzuordnen. Dort haben sich 28 Bewohner und zehn Mitarbeitende mit Corona infiziert, wie eine Sprecherin des Berliner Betreibers auf PNN- Anfrage bestätigte. Die Betroffenen seien derzeit allesamt asymptomatisch, es gebe aktuell keine schwerwiegenden Krankheitsverläufe. Das Heim bietet nach Trägerangaben 124 Pflegeplätze in Einzelzimmern und hat 80 Mitarbeitende. Neben dem Pflegeheim sind laut Schubert an acht Schulen Corona-Infektionen aufgetreten sowie in drei Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge. Der Oberbürgermeister mahnte die Potsdamerinnen und Potsdamer zur Vorsicht. „Wenn wir so weitermachen, ist das der sichere Weg in den Lockdown“, sagte Schubert.

An der Grenze des Machbaren

Die Verdreifachung der Zahl der Infektionen innerhalb kürzester Zeit hat das Potsdamer Gesundheitsamt bei der Kontaktverfolgung und der Eindämmung von Ausbrüchen offenkundig an seine Kapazitätsgrenze gebracht. Oberbürgermeister Schubert reagiert darauf mit einschneidenden Maßnahmen – denn das Amt sei „zur Bewältigung der Lage von zentraler Bedeutung“, es leiste die derzeit „elementarste Arbeit“, wie er erklärte.

Seit Mittwoch seien 35 Bundeswehrsoldaten zur Kontaktverfolgung von Infizierten sowie an der Corona-Hotline im Einsatz. Zudem seien zusätzliche befristete Stellen ausgeschrieben, gerichtet vor allem an Studierende. Vor allem jedoch werden jetzt, so Schubert, 50 Verwaltungsmitarbeiter ins Gesundheitsamt abgeordnet. Ziel sei, dort „nicht permanent Kompromisse“ eingehen zu müssen, sagte der Oberbürgermeister. So habe sich das Amt zuletzt angesichts des in Potsdam am Hafen liegenden Flusskreuzfahrtschiffes mit zehn Infizierten, 26 Passagieren und weiteren acht Besatzungsmitgliedern um Einzelfallmeldungen nur noch eingeschränkt kümmern können. Dies solle nicht mehr passieren – auch wenn damit zu rechnen sei, dass solche Corona-Ausbrüche zunehmen.

Mehr Maskenpflicht. Sie gilt jetzt auch in der Friedrich-Ebert-Straße.
Mehr Maskenpflicht. Sie gilt jetzt auch in der Friedrich-Ebert-Straße.Foto: Sebastian Gabsch

Klar müsse sein, so Schubert, dass die Verwaltung angesichts des Einsatzes von vielen Mitarbeitenden im Gesundheitsamt nicht mehr alle Leistungen erbringen könne. Dazu gehörten auch Aufträge und Kleine Anfragen von Stadtverordneten.

Gleichzeitig gilt in der Verwaltung jetzt eine höhere Pandemiestufe mit strengeren Regeln. Ab Montag, dem 9. November, werden deshalb die Stadt- und Landesbibliothek und deren Zweigstellen vorerst geschlossen bleiben, ebenso die städtische Musikschule sowie die Volkshochschule. Es sollen lediglich einzelne Kurse wie beispielsweise Integrationskurse fortgeführt werden.

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Außerdem werden Serviceleistungen für die Bürger eingeschränkt: Sprechstunden werden ab Montag – wie im Frühjahr – nur noch telefonisch stattfinden. Einzig der Bürgerservice und die Kfz-Behörde bleiben zunächst für persönliche Termine geöffnet. Die Kapazitäten des Bürgerservice könnten derzeit nicht erhöht werden, sagte die Ordnungsbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung. Dies sei aufgrund der Corona-Richtlinien nicht möglich, es werde im Schichtbetrieb gearbeitet, um im Fall einer Infektion eines Mitarbeiters nicht alle anderen in Quarantäne schicken zu müssen. Der Bürgerservice bearbeite derzeit rund 400 Termine täglich, so Meier. Wer dringend einen brauche, der solle am frühen Morgen in die Online-Terminvergabe für den aktuellen Tag schauen. Eine Terminvergabe vor Ort gebe es nicht, um „unkontrollierten Publikumsverkehr“ zu vermeiden.

Wieder Parkplatz. Auf dem Bassinplatz dürfen nun Klinikum-Mitarbeitende parken.
Wieder Parkplatz. Auf dem Bassinplatz dürfen nun Klinikum-Mitarbeitende parken.Foto: Sebastian Gabsch

Sichtbar wird die angespannte Corona-Lage auch am Luisenplatz sowie am Bassinplatz: Wie bereits im Frühjahr werden beide Flächen ab sofort als Parkplätze für die Mitarbeitenden des St. Josefs-Krankenhauses und des Bergmann-Klinikums genutzt. Sie sollen damit einfacher zu ihren Arbeitsplätzen kommen.

Kein Weihnachtsmarkt, aber blaues Licht

Eine definitive Absage erteilte die Stadtspitze am Mittwoch zudem für den Weihnachtsmarkt „Blauer Lichterglanz“ in der Potsdamer Innenstadt. „Unabhängig von der Eindämmungsverordnung des Landes“ werde kein Weihnachtsmarkt in der Innenstadt stattfinden, so Beigeordnete Meier. Weihnachtlich leuchten wird es in der Innenstadt dennoch – die Stadt habe den Weihnachtsmarktbetreiber beauftragt, einen Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor aufzustellen sowie die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt anzubringen.

Die einzigen zunächst guten Nachrichten gab es von finanzieller Seite. Trotz der coronabedingten Einbrüche bei den Steuereinnahmen benötige die Stadt für das Jahr 2020 keinen Nachtragshaushalt, so Oberbürgermeister Schubert. Ein Grund dafür seien die Rettungsschirme des Bundes und der Länder für die Kommunen. Mitte November sei jedoch mit weiteren Daten dazu zu rechnen, wie sich die Finanzlage der Stadt in den kommenden Jahren verändern könnte. Diese werde man im Dezember vorstellen. Schon jetzt geht man im Rathaus wie berichtet von einem Minus in der Stadtkasse im mehrstelligen Millionenbereich aus.

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