• Historische Mitte in Potsdam: Die Rückkehr der Säulen

Historische Mitte in Potsdam : Die Rückkehr der Säulen

Die Ringerkolonnade soll bis zum Frühjahr 2016 wieder am Stadtschloss Potsdam stehen – allerdings vorerst noch ohne Ringer.

Zurück zum Schloss. Die Ringerkolonnade zieht vom bisherigen Standort am Neptunbecken wieder zurück Richtung Landtagsschloss. Im Frühjahr 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, wie Horst Müller-Zinsius (u. M.) erklärte.Alle Bilder anzeigen
Fotos: Björn Stelley (3), Hirschberger/dpa (1)
27.07.2015 22:20Zurück zum Schloss. Die Ringerkolonnade zieht vom bisherigen Standort am Neptunbecken wieder zurück Richtung Landtagsschloss. Im...

Potsdam - Es ist ein weiterer Schritt zur Wiedergewinnung der historischen Stadtmitte: Am Montag hat die Umsetzung der sogenannten Ringerkolonnade begonnen. Viele Fußgänger und Radfahrer, die am Landtagsschloss vorbeikommen, werden die Baustelle bereits seit einigen Wochen bemerkt haben: Zwischen Filmmuseum und Schloss soll die Ringerkolonnade nun wieder errichtet werden. Bislang hatte die imposante Säulenreihe ihren Platz in der Nähe des Potsdamer Hafens am Rande des heutigen Lustgartengeländes. Dorthin hatte man im Jahre 1970 das im Krieg beschädigte Bauwerk umgesetzt – allerdings nur rund die Hälfte der originalen Säulenreihe. Im Frühjahr nächsten Jahres soll der Rückumzug abgeschlossen sein, wie Sigrun Rabbe von der Pro Potsdam am Montag vor Pressevertretern sagte. Einen kompletten Wiederaufbau in der historischen Länge werde es – jedenfalls vorerst – aber nicht geben. Nur die bislang an der Havel stehende Säulenreihe kehrt zurück an den Steubenplatz.

Die Säulenreihe zieht vom Lustgarten zum Schloss um

Für Horst Müller-Zinsius, den Geschäftsführer der Sanierungsträger Potsdam GmbH, ist das Projekt eine Herzensangelegenheit: „Auf der emotionalen Prioritätenliste steht es ganz oben“, erklärte Müller-Zinsius am Montag. In den kommenden Monaten wird man zuschauen können, wie die korinthischen Säulen quasi aus dem Boden wachsen. Derzeit bereiten Handwerker am Steubenplatz den Baugrund vor. „Man hat sogar teilweise das historische Fundament vor Ort gefunden“, sagte Müller-Zinsius. Die vorhandenen Reste im Boden sollen in wesentlichen Teilen wieder verwendet werden. Für Freunde originalgetreuer Rekonstruktionen etwas irritierend: Derzeit ragt Armierungsstahl aus der Baugrube. Auf das historische Gestein des alten Fundaments soll Beton aufgebracht werden, um auf diese Weise das Fundament insgesamt fertigzustellen. Als Grund für diese Abweichung von der historischen Bauweise nannte Projektleiterin Birgit Peseke die heutigen Bauvorschriften. „Wenn ich ein Bauwerk an einer Stelle demontiere und an anderer Stelle wieder errichte, ist es wie ein Neubau zu betrachten und damit sind die bautechnischen Nachweise nach heutigen Vorschriften zu erbringen“, erläuterte die Stadtplanerin.

Wer sich jetzt schon einmal einen Eindruck von der künftigen Höhe der Kolonnade machen möchte, kann sich an den Fenstern des Landtagsschlosses orientieren: Etwa bis zur Unterkante der Fenster des zweiten Obergeschosses wird die Kolonnade heranreichen. Laut Peseke ist das Säulenbauwerk samt Attika 8,50 Meter hoch. Während die nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtete Säulenreihe früher vom Stadtschloss bis zum Marstall – dem heutigen Filmmuseum – reichte, wird es nun eine Lücke zwischen Schlossfassade und Säulen geben. Auch die letzten Meter bis zum Filmmuseum – dort wo heute die Straßenbahn fährt – werden frei bleiben. Zudem sollen die Säulen zwar in der alten Fluchtlinie, aber im Vergleich zum Original ein wenig verschoben wieder aufgebaut werden.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten sind notwendig

Am bisherigen Standort des Bauwerks im Lustgarten werden die Säulen derzeit demontiert. Einzelne Kapitelle schwebten am Montag mithilfe eines Krans zur Erde. Die Attika des ursprünglich um 1746 errichteten Bauwerks ist schon komplett heruntergenommen worden. Umfangreiche Reinigungs- und Sanierungsarbeiten sind geplant. Einige wenige Säulentrommeln können nicht wiederverwendet werden, da sie zu beschädigt sind. Wie das Originalmaterial soll auch der Sandstein für die Ergänzungsteile aus Sachsen kommen. Die Arbeiten an der Kolonnade werden von der Potsdamer Firma Fiebig und der Naturstein Potsdam GmbH ausgeführt.

Für einige sicher ein Wermutstropfen: Der historische Figurenschmuck kehrt – jedenfalls vorerst – nicht auf die Kolonnade zurück. Die erhaltenen Ringer, Putten und Vasen lagern bei der Schlösserstiftung. Geld für ihre Restaurierung ist derzeit nicht da. Auch ohne den Figurenschmuck kosten die Bauarbeiten an der Kolonnade laut Sanierungsträger rund eine halbe Million Euro. Allein die Restaurierung eines einzelnen Ringers würde nach Angaben von Rabbe zwischen 11 000 und 19 000 Euro kosten.

Uferpromenade an der Alten Fahrt soll im Spätherbst eröffnet werden

Noch bevor die Ringerkolonnade wieder am Stadtschloss stehen wird, können sich – einen Steinwurf entfernt – die Potsdamer über die neu gestaltete Uferpromenade hinter den Bauten an der Alten Fahrt erfreuen. Wie Anna Winkler, Pressesprecherin des Sanierungsträgers, am Montag sagte, werden voraussichtlich im Spätherbst die Uferpromenade und der Otto-Braun-Platz vollendet sein.

Das Steuben-Denkmal, das jetzt noch hinter dem Filmmuseum steht, wird hingegen vorerst nicht auf dem Steubenplatz am Stadtschloss aufgestellt. Dort sollte es eigentlich seinen endgültigen Standort finden. „Es gibt keine konkrete Planung, wann man es umsetzt“, sagte Winkler auf PNN-Nachfrage. Als Grund nannte sie die geplanten Bauarbeiten auf dem Areal der Fachhochschule. Dort werde es durch die künftige Bautätigkeit zu viel Unruhe und Erschütterungen kommen. Dieses Risiko wolle man dem Denkmal ersparen. Zu den Planungen auf dem Fachhochschulgelände sagte Winkler, der Sanierungsträger werde in den nächsten ein bis zwei Monaten seine Planungen für die Neubebauung der Fläche vorlegen. Dann müsse die Stadtverordnetenversammlung darüber befinden. Erst dann könne der Bebauungsplan erarbeitet werden.

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