• Hilfen für finanziell Schwächere: Potsdamer Rathaus gegen SPD-Idee für Sozialzentrum

Hilfen für finanziell Schwächere : Potsdamer Rathaus gegen SPD-Idee für Sozialzentrum

Die Potsdamer SPD hatte ein zentrales Sozialzentrum für gebündelte Hilfsangebote angeregt - das ebenso SPD-geführte Sozialdezernat lehnt die Idee nun ab. Sie sei „aus der Zeit gefallen“.

(Symbolbild)
(Symbolbild)Foto: picture alliance / dpa

Potsdam - Die Überlegungen der Potsdamer SPD, ob und in welcher Weise diverse soziale Hilfsangebote in einem Sozialzentrum als zentrale Anlaufstelle gebündelt werden können, werden nun doch nicht umgesetzt. Das hat das Sozialdezernat nun den Stadtverordneten mitgeteilt. In einer Arbeitsgruppe mit Wohlfahrtsverbänden habe man das Vorhaben diskutiert: „Im Ergebnis wird die Einrichtung eines Sozialzentrums nicht befürwortet.“ Stattdessen bestehe Bedarf für eine ambulante beziehungsweise auch aufsuchende Sozialarbeit, etwa für obdachlose Frauen oder auch behinderte Menschen.

"Paradigma der Dezentralisierung"

Im Frühjahr 2020 hatte die Potsdamer SPD-Fraktion einen Vorschlag für ein Sozialzentrum gemacht, das als „niederschwellige Anlaufstelle“ soziale Hilfen anbieten sollte. Das wurde dann auch als Prüfauftrag so beschlossen. Doch herrsche derzeit ein „Paradigma der Dezentralisierung bei der Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen, wonach die Dienstleistungen zu den Menschen kommen sollten, nicht die Menschen zur Dienstleistung“, heißt es nun in der Analyse aus dem SPD-geführten Sozialdezernat. Gerade in Pandemiezeiten erscheine so ein Sozialzentrum „eher wie ein anachronistisches, aus der Zeit gefallenes Konzept“.

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Suppenküche und Tafel sollen stärker kooperieren

Vorgeschlagen wird aber zum Beispiel eine stärkere Kooperation zwischen der Potsdamer Tafel und der Suppenküche, allerdings sei für einen gemeinsamen Standort noch kein Areal gefunden worden. Auch gebe es aus Sicht der Stadtverwaltung eine Unterversorgung bei der akut nötigen Betreuung von psychisch Erkrankten, heißt es in der Analyse kritisch in Richtung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBB). 

So gebe es lange Wartezeiten für Termine bei Psychiatern oder Therapeuten. Geprüft werde ferner die Einführung eines allgemeinen Sozialdienstes (ASD) im Schlaatz, eine Art aufsuchende Hilfe. Dieses Modellprojekt solle sukzessive auf alle Stadtteile ausgeweitet werden, hofft das Sozialdezernat. Auch mehr Online-Angebote sieht das Rathaus als einen Weg, Betroffenen den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern.

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