• Hilfe für Potsdamer Musikclubs: Rocken zur Rettung

Hilfe für Potsdamer Musikclubs : Rocken zur Rettung

Eine Gitarre von Subway To Sally für den Lindenpark: „Rettet die Clubs“ findet nun auch in Brandenburg statt, mehrere Potsdamer Bands sind dabei.

Übergabe von symbolischen Gitarren von Subway to Sally und East Blues Experience an den Lindenpark.
Übergabe von symbolischen Gitarren von Subway to Sally und East Blues Experience an den Lindenpark.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Mit Gitarren gegen das Vergessen: Die Potsdamer Band Subway To Sally und der Potsdamer Musiker Peter Schmidt von der Band East Blues Experience haben am Donnerstag fünf Gitarren an verschiedene Clubs der Landeshauptstadt übergeben. Jede ist mit dem Schriftzug einer Potsdamer Band verziert: Pothead, Subway To Sally, Roca Verde, Thee Flanders und East Blues Experience. Vier davon wurden mit jeweils 600 Euro vom Potsdamer Kreativquartier finanziert.

Große Band-Namen bei Aktion dabei

Damit beteiligten sich die Bands an der Aktion „Rettet die Clubs“, die 2020 von Musiker und Künstler Alex Molter und Filmkomponist Michael Beckmann ins Leben gerufen worden ist. Die Idee: Die von Molter geschaffenen Gitarren-Unikate aus Holz werden von namhaften Bands signiert und an wegen Corona geschlossene und notleidende Clubs verschenkt, damit sie diese dann versteigern können. 62 solcher Gitarren hat Molter bereits gefertigt, jeweils mit dem dazugehörigen Bandlogo. Zahlreiche Berliner Bands haben sich bereits an der Aktion beteiligt, darunter Rammstein, Seeed, die Ärzte, Ton Steine Scherben, Knorkator, City, Karat oder die Zöllner.

Erste Hilfswelle in Berlin erfolgreich

Nachdem die Aktion vergangenes Jahr erfolgreich in Berlin gelaufen ist und pro Gitarre zum Teil mehrere tausend Euro erzielt wurden, weitet „Rettet die Clubs“ die Initiative nun auch auf Brandenburg aus: 14 Brandenburger Bands und Einzelkünstler nehmen teil, darunter Keimzeit, Quaster von den Puhdys und die Potsdamer Band Hasenscheiße. Neben dem Lindenpark und dem Waschhaus werden die Gitarren dem Club Charlotte, dem Club Pirschheide, Gutenberg 100 und dem Rechenzentrum zu Gute kommen. Auch Konzert-Locations in Luckenwalde, Cottbus, Forst und Zepernick nehmen teil.

Vor der Pandemie 250 Shows im Jahr 

„Wo sollen wir spielen, wenn unter unseren Füßen die Bühnen wegbrechen?“, fasst Alex Molter die Grundidee von „Rettet die Clubs“ zusammen. Die Stimmung ist schlecht nach über einem Jahr Lockdown: „Vor der Pandemie hatten wir im Jahr rund 250 Veranstaltungen und 130 000 Gäste“, sagte Waschhaus-Geschäftsführer Mathias Paselk. Heute ist davon nichts mehr übrig. „Musiker und Clubs befinden sich nach wie vor im ersten Lockdown, es gab ja keine richtigen Öffnungen“, sagte Silvio Runge von Subway To Sally. Lange habe man 2020 noch geglaubt, im Dezember werde alles vorbei sein. „Wir dachten sogar: Hoffentlich sind die Clubs nicht wieder offen, bevor wir alle Gitarren versteigert haben!“, sagte Michael Beckmann.

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Selbst, wenn es in diesem Jahr doch noch möglich sein sollte, Konzerte zu spielen, wäre dies für viele Bands unrealistisch, weil Organisation und Planung von Tourneen und Festivals einen immensen Vorlauf haben: „Für eine Tour liegt der Vorlauf bei rund zwölf Monaten“, sagt Michael Simon von Subway To Sally. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir dieses Jahr noch auf einer Bühne stehen werden.“

Junge Bands werden Verlierer sein

Problematisch sei auch, dass durch die Pandemie viele Techniker:innen arbeitslos geworden seien: „Ich frage mich, wie viele wir davon später wiedersehen werden“, so Runge. Während Musiker:innen  viel Solidarität erfahren haben, seien Techniker:innen, die im Hintergrund arbeiten, oft vergessen worden. „Wir haben acht Festangestellte im Lindenpark, aber der viel größere Teil, der sonst Bar, Technik oder Security macht, ist gerade nicht mehr da“, sagte Reiko Käske, stellvertretender Leiter des Lindenparks. Wenn es wieder mit dem Konzertbetrieb losgeht, wartet ein weiteres Problem: Viele Konzerte von 2020 und 2021 müssen nachgeholt werden. „Da werden vor allem viele junge Bands auf der Strecke bleiben, weil alle Slots von den großen Bands besetzt sein werden“, sagte Simon. „Auch ich habe Sorge, dass viele junge Bands nicht mehr da sein werden“, sagte Käske.

Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.Foto: Andreas Klaer

Trotz dieser trüben Aussichten lobte Mathias Paselk die Landespolitik und Kulturministerin Manja Schüle (SPD), dank deren Hilfsprogrammen das Waschhaus und andere Clubs die Pandemie bislang überlebt haben: „Frau Schüle hat uns da sehr unterstützt.“ Ludwig Scheetz, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, räumte allerdings ein, dass die Hilfen noch unbürokratischer hätten sein könnten: „Es gab eine Vielzahl an Einzelprogrammen, die zum Teil sehr kompliziert waren.“ Im Landtag warte man nun auf den von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) angekündigten Sicherungsfonds für Kulturveranstaltungen, der bis zu 2,5 Milliarden Euro umfassen soll.

Wann der Lindenpark die drei Gitarren, die an den Club gegangen sind, verlosen will, steht noch nicht fest. Der Erlös soll aber unter anderem mit der Potsdamer Initiative Kultür geteilt werden, die Potsdamer:innen mit geringem Einkommen die kostenfreie Teilnahme an Kulturveranstaltungen ermöglicht. Auch das Waschhaus, das im Namen der Band Pothead eine Gitarre bekommen hat, will das Geld aus der Verlosung spenden. „Vielleicht an eine kleine Technik-Firma, die gerade keine Aufträge mehr hat“, so Paselk.

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