HEYES Woche : Denglisch sprechen

Uwe-Karsten Heye

Wer gerade bei McHair, dem Hairkiller oder im Hair-Port war, um sich haartechnisch zu stylen (s-teilen), der wird hoffentlich seine Wünsche für Frisur und Kürze des Haarschopfes in deutscher Sprache vorbringen können. Sicher kann man da nicht sein. An McDonalds war man gewöhnt, BigMäcs und Doppel-Whopper haben es sich im deutschen Wortschatz ja schon lange gemütlich gemacht. Diese ins Alltagssprech eingedeutschen Fastfood-Ungeheuer – immer dann gern verwendet, wenn der Blick auf die im Auto sitzenden Gäste der Beefsteak- oder Cheeseburger-Ketten von McDonalds oder Burger King fällt, die in den Drive-In einfahren, um den fülligen Leib auf keinen Fall durch Bewegungshunger zu strapazieren. Jeder fünfte Deutsche hat Übergewicht, und wir wundern uns darüber, warum der US-amerikanische Präsident so viel Trabbel (trouble) hat, seinen Landsleuten eine Krankenversicherung schmackhaft zu machen. Unsere Krankenkassen stöhnen jedenfalls unter der Last der Freunde amerikanischer Instantkost. Ein Umstand, der durch einen anderen US-Import noch verstärkt wird: Die Angewohnheit, kiloweise Popcorn in die Kinovorstellung mitzunehmen, die den anderen jede Chance zu nehmen, dem Geschehen auf der Leinwand zu folgen, ohne von krachenden Kaugeräuschen gestört zu werden.

Ich kann nicht verhehlen, dass ich mich mitunter nach sprachpolizeilichen Eingriffen sehne, wenn ich die zunehmend mit Anglizismen durchsetzten Satzungetüme lese, mit denen der Durchschnittsdeutsche sein Tagespensum in Denglisch absolviert.

Ich habe es jedenfalls aufgegeben, meinen Sohn, gerade in die zweite Grundschulklasse geraten, aufzufordern, seine Lesefähigkeiten im Straßenbild aufzubessern. Er entziffert dann zwar Buchstaben von der Style Station bis zum Coffee To Go (auf sächsisch: Gaffe Dogo), aber er versteht nur Railway Station. Von „Germany’s next topmodel“ bis zur Vortragsreihe zu deutschem Kulturverständnis: „How german is it“? Wer weltläufig sein will, braucht’s englisch.

Das weiß auch die Dscheneräschen (Generation) Six Pack, die als Hells Angels Potsdam heimsuchen. Ihr Treffpunkt, der von den Ganzkörper-Tattoos auf Motorrädern besucht wird, heißt „The other place“. Die Rocker-Lounge nur für Club-Mitglieder sorgt für „bad vibrations“ bei der Polizei. Eine Location, von der wir gewiss noch manche story lesen werden, in Denglisch versteht sich.

Uwe-Karsten Heye schreibt an dieser Stelle regelmäßig für die PNN. Unser Autor war Redenschreiber bei Willy Brandt und Regierungssprecher von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder. Heute lebt Heye mit seiner Familie in Babelsberg und arbeitet dort als Autor und Publizist.