Potsdam : Heldenhafte Rückkehr

Zehn Attika-Figuren kehren dank einer Spende der Hasso Plattner-Foundation auf das Dach des Landtages zurück. Am Dienstag wurden die ersten aufgestellt. 

Andromeda ist eine der Figuren, die nun auf den Landtag zurückkehrten. 
Andromeda ist eine der Figuren, die nun auf den Landtag zurückkehrten. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Ganz leicht dreht sich die schwere Sandstein-Skulptur des griechischen Halbgottes Perseus am Kran über dem Baugerüst am brandenburgischen Landtag. Dann schwebt er Zentimeter für Zentimeter an seinen alten Platz. Seine Frau Andromeda sitzt bereits daneben und lässt ihren Blick über die Breite Straße schweifen. Das mythologische Paar, das am Dienstag (24.11.) auf dem westlichen Flügel über der Fahnentreppe des ehemaligen Stadtschlosses aufgestellt wurde, gehört zu den ersten von zehn Attika-Figuren, die nun auf das Dach des Landtages zurückkehren. „Das Gebäude wird nach und nach wieder lebendig“, freute sich Silke Kiesant, Skulpturenkustodin der Stiftung preußische Schlösser und Gärten.

Am Dienstag wurden die Figuren angeliefert und auf das Dach gehoben. 
Am Dienstag wurden die Figuren angeliefert und auf das Dach gehoben. Foto: Andreas Klaer

Bislang war das Landtags-Dach noch relativ kahl: Von den 76 Attika-Figuren, die hier einst über die Stadt wachten, wurden erst fünf wieder aufgestellt. Unter ihnen die Skulpturen von Ariadne und Theseus, die 2019 auf dem östlichen Kopfbau aufgestellt wurden. Nun kommen auf einen Schlag gleich zehn weitere hinzu: Ermöglicht wurde dies durch eine zunächst anonyme Großspende von 2017. Hinter dieser verbarg sich die Stiftung des SAP-Gründers und Mäzens Hasso Plattner. Das bestätigte die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten (SPSG) nun. Dank dieser finanziellen Zuwendung habe man nicht nur Grundlagenforschung an den Skulpturen durchführen und eine umfangreiche Fotodokumentation erstellen können, sondern auch die Restaurierung beziehungsweise Rekonstruktion von zehn Skulpturen beauftragen können.

Vier Musen für die Spitze

Das Dach bevölkert sich an prominenter Stelle: An der südwestlichen Spitze sollen sich als nächstes noch vier Musen zu Andromeda und Perseus gesellen, nämlich Urania, die Muse der Astronomie, Terpsichore, die für Chorlyrik und Tanz steht, Erato, die Muse der Liebesdichtung, und Polyhymnia, die Muse der Hymnendichtung. „Da hat man ein schönes Bild, wenn man von der Langen Brücke oder der Breiten Straße aus auf den Landtag zukommt“, sagt Kiesant. „Das ist eine geballte Ladung Kultur.“

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Wann die nächsten Figuren aufgestellt werden, ist noch unklar: Dies hängt unter anderem mit den Wetterbedingungen zusammen, sagt Kiesant. Die Aufstellung von Andromeda und Perseus hatte sich aus baulichen Gründen bereits um zwei Wochen verzögert. „Es wäre natürlich großartig, wenn wir die Ecke noch dieses Jahr schaffen“, so Kiesant. Je nach Witterung könnte dann auch zügig mit den restlichen Figuren weitergemacht werden. Sprich: Solange es keinen Frost gibt.

Ein Original, neun Kopien

Am nordöstlichen Kopfbau, also gegenüber dem Museum Barberini, sollen Penelope und ihr Mann Odysseus, die Nymphe Eurydike und die römische Weisheitsgöttin Minerva aufgestellt werden. Bei Eurydike handelt es sich um das einzige Original von den zehn Skulpturen. Die restlichen sind Kopien, da die rund 250 Jahre alten Originale zum Teil stark beschädigt sind oder nicht mehr existieren. „Vorab war grundsätzlich zu prüfen, ob der Zustand der originalen Kunstwerke eine dauerhafte Wiederaufstellung im Freien überhaupt zulässt“, so die Schlösserstiftung. Bei den meisten ausgewählten Figuren stellte sich heraus, dass die innere Beschaffenheit des Sandsteins, Kriegseinwirkungen, Fehlstellen oder frühere Restaurierungen eine Rekonstruktion notwendig machten.

Am Kran schwebten die Attika-Figuren gen Landtagsdach.
Am Kran schwebten die Attika-Figuren gen Landtagsdach.Foto: Andreas Klaer

Neben Eurydike ist auch die Minerva-Skulptur erhalten, eine Restaurierung des Originals erfolgte mithilfe einer Spende des Vereins Potsdamer Stadtschloss. Der Zustand der Skulptur, die viele Jahre ein wichtiger Teil der Dauerausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte war, erlaubte jedoch keine Wiederaufstellung. Deshalb wurde eine Kopie angefertigt. Neben den Restauratoren der SPSG waren mehr als zehn freiberufliche Restauratoren und Bildhauer aus Berlin, Potsdam und Sachsen an dem Projekt beteiligt.

Es fehlen noch Spender

Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, werden sowohl die südwestliche als auch die nordöstliche und nordwestliche Spitze des Landtagsdaches von Figurengruppen gekrönt sein. „Wir haben das nach besonders prägnanten Orten ausgesucht, und dabei waren die Kopfbauten besonders wichtig“, sagt Silke Kiesant. Sie hofft, dass man sich bald besser vorstellen kann, wie das ehemalige Stadtschloss mit der Knobelsdorff-Fassade einst ausgesehen hat – und dass dies künftige Spender motiviert. Denn noch fehlen 37 Skulpturen sowie Trophäen, Adlergruppen und 56 Vasen. Die 24 Figuren, die einst auf der Innenseite mit Blick auf den Hof des Stadtschlosses standen, sollen hingegen nicht wieder aufgestellt werden.

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