• Heiraten während der Coronakrise: Nach der Quarantäne zur Trauung

Heiraten während der Coronakrise : Nach der Quarantäne zur Trauung

Im Potsdam fanden im vergangenen Jahr wegen der Coronakrise weniger Hochzeiten statt - einige davon unter besonderen Bedingungen.

89 Paare ließen sich 2020 in der Kirche am Neuendorfer Anger trauen (Archivbild).
89 Paare ließen sich 2020 in der Kirche am Neuendorfer Anger trauen (Archivbild).Foto: Archiv

Potsdam - Heiraten mit Maske, Abstand und Live- Schaltungen über das Handy: Für viele Paare, die sich 2020 in Potsdam das Ja-Wort gaben, wird die Eheschließung sicher als ganz besonderer Tag in Erinnerung bleiben, und zwar nicht nur wegen der Hochzeit selbst. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 971 Paare in der Landeshauptstadt getraut; etwas weniger als in den Vorjahren, wo diese Zahl meist bei mehr als 1000 lag. 

Der Grund ist bekannt: Viele Hochzeiten mussten abgesagt oder verschoben werden, weil manche Brautpaare nicht unter den geltenden Auflagen heiraten wollten, also ohne Angehörige, Freunde und große Feier. Allein im Belvedere traf dies auf 30 Trauungen zu, hier konnten nach dem ersten Lockdown erst ab dem 22. Mai wieder geheiratet werden, zudem konnten bis zum 13. Juni keine feierlichen Empfänge im Anschluss an die Hochzeit stattfinden. 

Trauung mit Videokonferenz

Andere ließen sich davon nicht abschrecken und wurden kreativ: „Da seit dem Beginn der Corona-Pandemie entweder nur mit einer sehr beschränkten Zahl von Gästen oder ganz ohne Gäste geheiratet werden durfte, haben einige Paare ihre Angehörigen und Freunde per Videokonferenz an der Eheschließungszeremonie teilhaben lassen“, sagt Ulrike Wildner, Leiterin des Potsdamer Standesamtes. 

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Da dennoch viele Trauungen auf 2021 verschoben wurden, müssen Heiratswillige sich sputen, um noch an Termine zu kommen: Schon jetzt sind für dieses Jahr sämtliche Samstagstermine zwischen April und Ende September ausgebucht – einzelne Samstagtermine bis Anfang April gibt es aber noch. „Potsdam ist und bleibt mit seinen Orten für Eheschließungen im Unesco-Welterbe eine der schönsten und beliebtesten Hochzeits-Destinationen Deutschlands“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert. 

Pandemie trennte Paar für Monate

Die Pandemie stellte viele Paare vor unerwartete Herausforderungen: Ein deutsch-amerikanisches Paar war aufgrund der Reisebeschränkungen seit Weihnachten 2019 voneinander getrennt und sah sich erst nach acht Monaten am Tag der Hochzeit im Potsdamer Belvedere wieder – wobei lange unklar war, ob diese überhaupt stattfinden würde. Die Reisebeschränkungen waren erst kurz vorher gelockert worden und der Bräutigam musste nach seiner Einreise aus den USA erst einmal in Quarantäne, bevor er vor den Standesbeamten trat.

Auch bei einer anderen Heirat im Belvedere lösten die Reisebeschränkungen Probleme aus: Ein Paar musste schneller heiraten, als ursprünglich geplant, weil der Ehemann vor Antritt einer neuen Arbeitsstelle in China die dort vorgeschriebene Quarantänezeit sonst nicht hätte einhalten können. Auch im Standesamt im Potsdamer Rathaus gab es besondere Momente: Eine Braut überraschte ihren Bräutigam mit eigenen Gesangsaufnahmen, die während der Zeremonie erklangen – richtiges Singen war aufgrund der Hygiene-Bestimmungen nicht möglich. 

Die meisten Trauungen fanden im Standesamt statt 

An insgesamt neun Orten kann in Potsdam geheiratet werden: Die meisten Trauungen fanden 2020 im Standesamt statt, insgesamt 746. Auf Platz zwei liegt die Neuendorfer Angerkirche in Babelsberg: 89 Paare wurden dort standesamtlich getraut. Im Maurischen Kabinett des Belvederes auf dem Pfingstberg gab es 70 Hochzeiten – 2019 waren es noch 105. Insgesamt 34 Trauungen fanden im Schloss Kartzow statt, auf dem Krongut Bornstedt wurde 26 Mal das Eheversprechen abgelegt, in der Biosphäre gab es ebenso drei Eheschließungen wie im Urania-Planetarium. Im Gemeindehaus Nuthetal, das vom Standesamt Potsdam mitbetreut wird, gab es sieben Hochzeiten. 

In der Blauen Galerie in den Neuen Kammern im Park Sanssouci und im Schloss Lindstedt fanden im letzten Jahr hingegen keine Eheschließungen statt. Die zwei exklusiven Orte für große Feiern der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten waren zwar nicht geschlossen, wurden aber von niemanden gebucht. 

Hochzeiten sind auch jetzt nach wie vor möglich, doch es gelten strenge Hygiene-Regeln: An Eheschließungen können derzeit nur das Brautpaar, die im gleichen Haushalt lebenden Kinder und ein Fotograf teilnehmen. Für alle Teilnehmenden – auch das Brautpaar – gilt Maskenpflicht, ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren. Die Anmeldung ist bis auf weiteres nur per Post möglich, die Unterlagen können unter www.vv.potsdam.de heruntergeladen werden. 

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