• Heiraten in Potsdam: Liebe in Zeiten von Corona

Heiraten in Potsdam : Liebe in Zeiten von Corona

Bräute fürchten um ihre Kleider, Änderungen sind derzeit kaum noch möglich: Potsdamer Brautmodengeschäfte hoffen, durch die Krise zu kommen.

Das Brautmodengeschäftr Seeweiss. 
Das Brautmodengeschäftr Seeweiss. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Kommt das Hochzeitskleid noch rechtzeitig? Potsdamer Brautmodengeschäfte müssen derzeit viele besorgte Bräute beruhigen. Tausende Hochzeiten sind in Gefahr, weil Kleider nicht geliefert werden können, schrieb vergangene Woche die Bild-Zeitung. Dramatisch oder übertrieben?, fragte die PNN bei zwei Potsdamer Hochzeitsausstattern. „Die Sorgen sind absolut berechtigt“ sagt Mandy Dübner von Jetzt & Immer, Braut- und Festtagsmoden, an der Plaza am Sterncenter.

Das Brautmodengeschäft am Plaza vor dem Stern-Center bekommt derzeit weniger Kleider. Die vorhandenen können auch nicht umgearbeitet werden. 
Das Brautmodengeschäft am Plaza vor dem Stern-Center bekommt derzeit weniger Kleider. Die vorhandenen können auch nicht...Foto: Sebastian Rost

Die Inhaberin von Potsdams größtem Fachgeschäft dieser Branche nutzt die Zeit für eine Inventur. Alle bereits gelieferten Kleider sollen umgehend von den Bräuten abgeholt werden, selbst wenn sie noch nicht passgenau geändert wurden. Denn die Näherinnen, die normalerweise die Kleider individuell umändern, dürfen nicht mehr an der Kundin arbeiten. Und die Läden haben sowieso geschlossen. Die Frauen müssen sich nun selber um das Umnähen kümmern. „Ich hoffe, dass meine Kundinnen dafür Verständnis haben“, sagt Dübner zerknirscht. Aber da sie nicht weiß, wie lange der Laden noch geschlossen bleiben muss, kann sie auch keine Garantie für eine Fertigstellung übernehmen. Sie hat bereits drei Mitarbeiterinnen in Kurzzeit geschickt, zwei Minijobberinnen musste sie entlassen. Es könnte sogar sein, dass sie ihr Geschäft ganz schließen muss. „Winter und Frühling mit den vielen Messen sind für uns Hauptsaison.

Wer will in diesem Jahr noch heiraten?

Und selbst, wenn es dann weitergeht: „Wer hat denn Lust, noch in diesem Jahr zu heiraten, wenn es ihm selbst durch die Krise finanziell schlecht geht?“ Viele werden die Hochzeit wohl verschieben, vermutet sie. Die Unsicherheit sei groß. Eine Kundin, die Anfang Mai heiraten will, weiß überhaupt nicht, was sie machen soll. Das Standesamt sei derzeit für solche Nachfragen gar nicht zu erreichen. Lieferengpässe gebe es außerdem. Die Sommerkollektion eines Herstellers aus Asien ist nun erst für September angekündigt, zu spät für den Sommer. Andere liefern gar nicht mehr aus.

Geschlossen hat derzeit auch das Brautmodengeschäft Seeweiss von Mandy Pischke-Dubbert in der Berliner Straße. Die Inhaberin übt sich in Optimismus. „Ich gehe davon aus, dass die Hochzeiten im Sommer stattfinden.“ Sie hatte Absagen für Termine in April und Mai. „Jetzt ist sowieso keiner in Feierlaune“. Ihre zwei Näherinnen haben zum Glück noch einige Kleider zum Umnähen abgesteckt und für 14 Tage Arbeit. Die Kleider können dann fertig abgeholt werden. Sie hofft, dass sie ab Ende April wieder Kundinnen empfangen darf und es weitergeht. Denn drei bis vier Monate Vorlauf brauche es mindestens für ein Hochzeitskleid. „Ich stehe im engen Kontakt mit den Designern, die mir versprechen, schnell zu liefern, und dann muss es ja noch angepasst werden.“

Täglich Anrufe von aufgeregten Bräuten

Sie bekomme derzeit täglich Anrufe von aufgeregten Bräuten, die sich Sorgen machen, ob alles klappt oder fragen, was sie machen sollen. „Nicht aufgeben“, sagt Pischke-Dubbert, und bitte nicht aus Panik was im Internet bestellen. „Wir kriegen das hin.“ Ein Brautkleid auszusuchen, das sei doch ein besonderes Erlebnis. Notfalls würden sie auch Kleider aus dem Showroom verkaufen. Sorgen um ihr Geschäft, das sie 2015 eröffnete, macht sie sich weniger. „Ich gehe davon aus, dass wir das überstehen, auch wenn sicherlich manche Hochzeiten ausfallen werden.“ Betroffen sei allerdings die ganze Bandbreite der Hochzeitsdienstleister, Floristen, Fotografen, Gastronomen, Musiker und mehr. Frauen, die jetzt noch für den Sommer ein Kleid brauchen, rät sie vor allem, schnell zu sein. „Wenn dann wieder geöffnet ist, bitte nicht mehr trödeln.“ 

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