• Corona sorgt für Einbruch bei den Tourismuszahlen

Heftiger Einbruch bei Übernachtungszahlen : Touristischer Neustart mit Hindernissen

Die Tourismuszahlen in Potsdam sind im ersten Halbjahr weiter eingebrochen. Aktuell sind allerdings alle Zimmer belegt – jedoch gibt es Personalprobleme.

Touristen in Potsdam: Derzeit ziehen die Zahlen wieder an
Touristen in Potsdam: Derzeit ziehen die Zahlen wieder anFoto: Ottmar Winter

Potsdam - Der monatelange Corona-Lockdown in der ersten Jahreshälfte hat die Zahl der Touristen in Potsdam weiter einbrechen lassen. Das zeigen am Dienstag veröffentlichte Daten des Landesamts für Statistik. Demnach wurden von Januar bis Juni noch 191.400 Übernachtungen in Potsdam registriert. 

Das sind noch einmal 36 Prozent weniger als in der ersten Jahreshälfte 2020, als die Pandemie begann. In der ersten Jahreshälfte 2019 hatten die Hoteliers in der Stadt noch über 620 000 Übernachtungen gezählt. Im Vergleich zu den jetzigen Zahlen entspricht der Rückgang damit rund 70 Prozent.

"Herbe Verluste"

Wegen der Pandemie hätten alle Reisegebiete „herbe Verluste hinnehmen“ müssen, so die Statistiker. Neben Potsdam war den Zahlen nach besonders stark der Spreewald und das Dahme-Seenland betroffen, mit Rückgängen bei den Übernachtungen von mehr als 40 Prozent im Vergleich zu 2020. Allerdings hat sich die Lage seit dem Ende des Lockdowns verbessert. „Im Augenblick hören wird, dass fast alle Zimmer vermietet werden“, sagte der Chef der kommunalen Tourismusgesellschaft Potsdam Marketing und Service (PMSG), Raimund Jennert, den PNN auf Anfrage. Das sei sehr ermutigend, gerade im Sinne des Standorts Potsdams. 

Im Vergleich mit anderen Städten habe Potsdam in der Pandemie noch vergleichsweise geringe Verluste bei den Übernachtungen verzeichnet. Beim jetzigen Gästeboom gehe es vor allem um Touristen, allerdings gebe es inzwischen auch wieder erste Anmeldungen für Tagungen. Fehlen würden noch die Gäste aus dem Ausland – das werde aber durch die gestiegene Zahl von Deutschen, die innerhalb ihres Landes Urlaub machen, mehr als kompensiert. Das ist auch wichtig für die Stadtkasse: So waren im Zuge der Krise auch die Einnahmen aus der Bettensteuer für Touristen eingebrochen – diese hatte pro Jahr bis zu 1,5 Millionen Euro in die Stadtkasse gespült.

Personalprobleme im Inselhotel

Und gleichwohl gibt es noch erhebliche Probleme. So schilderte der Chef des Inselhotels auf Hermannswerder, Burkhard Scholz, man werde von Anfragen nach Übernachtungen überrannt. Allerdings hätten im Lockdown einige Mitarbeiter das Hotel verlassen – und diese habe man bisher nicht wieder ersetzen können. 

So könne man derzeit nur maximal 60 der 88 Doppelzimmer anbieten. Auch bei Leiharbeitsfirmen finde man in dieser Lage keine Hilfe mehr. „Wir suchen nun Personal im Ausland.“ So habe man Kontakt zu sieben Kosovaren mit guten Deutschkenntnissen – die aber nun schon seit 2018 auf ein Arbeitsvisum für Deutschland warten würden.

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Das Problem hatte die PMSG bereits in ihrem Geschäftsbericht für 2020 beschrieben. Würden staatliche Hilfen als unzureichend empfunden, verliere eine serviceorientierte Branche ihr wichtigstes Gut: Die qualifizierten Mitarbeiter. Jennert sagte, aus seiner Sicht werde man besser entlohnen müssen – sonst werde man die Stellen nicht wieder besetzen können. Das werde nicht nur in der Hotel-, sondern auch in der Gastrobranche höhere Preise für die Kunden bedeuten. „Das merkt man schon jetzt an einigen Stellen.“

Bleiben die Gäste länger?

Noch etwas ist an den neuen Statistiken bemerkenswert: Die Zahl der Beherbungsbetriebe in Potsdam ist bisher nur leicht rückläufig. Mitte 2019 wurden 60 solcher Unternehmen gezählt, jetzt sind es noch 54. Jennert sagte, hier seien auch Hotels dabei, die gerade saniert würden. Auch im gesamten Land lag die Zahl der Bettenbetriebe aktuell noch bei 1673, das waren 17 weniger als Mitte 2019. Die Zahl der in Potsdam zur Verfügung stehenden Betten sank laut den Statistikern von 6020 auf 5884, ein Minus von 2,2 Prozent. 

Und zugleich gibt es auch positive Trends: So lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste Mitte 2019 noch bei 2,3 Tagen, zuletzt waren es 3,5 Tage. Tourismusexperte Jennert sagte, für diesen Wert würden auch Montagearbeiter gezählt – ob diese Werte tatsächlich valide seien, werde sich noch zeigen. Allerdings sagte auch Hotelchef Scholz, zunehmend würden Gäste auch länger in Potsdam bleiben – schon weil viele noch auf längere Auslandsreisen verzichteten.

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