• Hasso Plattner über deutsche Unternehmen: "Eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz"

Hasso Plattner über deutsche Unternehmen : "Eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz"

Mit einer Gala wurde am Montagabend das 20-jährige Bestehen des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam gefeiert. Der Gründer und Namensgeber nahm bei seiner Rede wie immer kein Blatt vor den Mund - und wurde von den anderen Gästen hoch gelobt. 

Hasso Plattner mit dem Festredner August-Wilhelm Scheer. 
Hasso Plattner mit dem Festredner August-Wilhelm Scheer. Foto: Bernd Settnik/dpa

Potsdam - Software-Mäzen Hasso Plattner hat die Herangehensweise vieler deutscher Unternehmen an Innovationen kritisiert. In Deutschland herrsche oftmals eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz, die abgelegt werden müsse. "Der Endbenutzer muss ganz früh in der Entwicklung mitberücksichtigt werden", so Plattner. Das sei wichtiger, als auf dem Nürburgring unzählige Testrunden zu fahren, sagte er mit Blick auf die aus seiner Sicht teils benutzerunfreundliche Automobilindustrie.  Anlass für Plattners Rede war die Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des nach ihm benannten Instituts am Montag in Potsdam. Über 300 Gäste waren zu der Gala am Griebnitzsee gekommen, um an die Gründung des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) 1999 zu erinnern. 

Plattner erzählte bei der Veranstaltung erneut die Anekdote, wie er auf dem Telegrafenberg die Idee zur Universitätsgründung hatte und wie Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ihn später auf die Idee brachte, es stattdessen mit einem Institut zu versuchen. Später habe er dann erfahren, was die Gründung einer Universität gekostet hätte, so Plattner scherzhaft. "Ich bin ja nicht unvermögend, aber eine ganze Uni wäre weit über dem gewesen, was ich mir hätte leisten können", so der SAP-Mitbegründer. 

Er sei sehr zufrieden damit, was aus dem HPI geworden sei, so Plattner. "Es ist ein Prachtkind geworden." Am besten könne man das an den Studenten sehen, die überall in der Welt gern gesehen seien. 

Digital Health als "Krönung"

Die "Krönung" wäre für Plattner nun ein Erfolg des Digital Health-Projekts. Damit sollen die Unmengen von gesundheitlichen Daten "zum Nutzen der Patienten und der allgemeinen Gesundheit" genutzt werden, so der 75-Jährige. "Ich hoffe, dass die Stärke und die Ausstrahlung des HPI dabei hilft, das in die Welt zu tragen."  

Freunde Potsdams: Günther Jauch (l.) und Hasso Plattner bei der Gala zum 20-jährigen Bestehen des Hasso-Plattner-Instituts (HPI).
Freunde Potsdams: Günther Jauch (l.) und Hasso Plattner bei der Gala zum 20-jährigen Bestehen des Hasso-Plattner-Instituts (HPI).Foto: Bernd Settnik/dpa

Dass diese Daten beim HPI in den richtigen Händen sind, ist offenbar auch die Auffassung der Bundesregierung. Das Institut habe das Potenzial, Deutschland zum verantwortungsvollen Mitgestalter der digitalen Zukunft zu machen, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) bei der Gala - die von Wahl-Potsdamer Günther Jauch moderiert wurde. Viele technischen Herausforderungen seien heute gelöst, nun kämen gesellschaftliche Implikationen auf uns zu. Das Institut gebe jungen Menschen nicht nur eine Chance auf Bildung, sondern stehe gleichzeitig dafür, Probleme verantwortlich zu lösen, „und zwar nicht nur im technischen, sondern im ganzheitlichen Sinne“, so Braun. Das Institut sei ein Aushängeschild für die Bundesrepublik und ein hoffnungsvolles Zeichen, dass „Deutschland in der digitalen Zukunft viel zu bieten hat“.

In einer Reihe mit Bill Gates und Steve Jobs

 Die offizielle Festrede hielt August Wilhelm Scheer, Informatik-Pionier und langer Wegbegleiter von Plattner. Er nannte Plattner in einer Reihe mit Microsoft-Gründer Bill Gates, Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg und dem langjährigen Apple-Chef Steve Jobs. „Es sind Einzelne, die die Welt verändern, das gilt auch für die Digitalisierung“, so Scheer. Dafür, dass Plattner seine Kraft und seine Ideen am HPI jungen Menschen zur Verfügung stellt, müsse man dankbar sein.

Das HPI unterscheide sich in vielerlei Hinsicht von einer „normalen“ Informatik-Fakultät an einer staatlichen Universität, so Scheer weiter. Zum einen werde explizit Wert auf Anwendungsnähe, Kontakt zur Wirtschaft, Innovationsleistung und hohe Berufsqualifikation der Absolventen gelegt. Auch werde am HPI die gesamte Wertschöpfungskette einer Innovation durchdacht: Von der Forschung über den Prototypen und das fertige Produkt bis zum Markterfolg. Als Beispiel nannte er das am HPI entwickelte Datenverarbeitungssystem Hana, auf dem mittlerweile fast alle SAP-Systeme laufen. An staatlichen Universitäten werde die Wertschöpfung nicht immer so glücklich behandelt, sagte Scheer. „Wir geben viel in das System hinein, aber schauen oft zu wenig, was dabei herauskommt.“

Auch an die Wirtschaft formulierte der Unternehmer eine Warnung. Die Industrie müsse Software endlich als Produkt erkennen, das wichtiger als die Hardware ist. „Sonst werden wir die Industrie verlieren.“ Es sei ein hohes Verdienst des Hasso-Plattner-Instituts, dass man hier Ingenieurstum in anderer Form betrachte, so Scheer.

Konferenz zum Jubiläum

Am Dienstag und am Mittwoch richtet das HPI außerdem noch eine zweitägige Konferenz anlässlich des 20-jährigen Bestehens aus – das mit dem 50. Geburtstag des Internets zusammenfällt. Heute geht es dabei unter anderem um den Einfluss der weltweiten Vernetzung auf die Geschäftswelt und die Gesellschaft. Neben Plattner selbst werden wichtige Köpfe aus der Digitalwirtschaft erwartet – etwa SAP-Technologie-Vorstand Jürgen Müller, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner oder PayPal-Deutschland-Chef Frank Keller. Am Mittwoch steht das HPI selbst im Vordergrund. Vertreter der 14 unterschiedlichen IT-Fachgebiete informieren über aktuelle Projekte und 20 Jahre Forschung und Lehre. Alumni des Instituts geben Einblicke in ihre Karrieren bei Paypal, Facebook oder SAP. Die Teilnehmerplätze für die Konferenz sind ausgebucht.


HINTERGRUND 

Das vom Namensgeber finanzierte Hasso-Plattner-Institut hat seinen Studienbetrieb 1999 aufgenommen, die ersten Seminarräume waren am Potsdamer Luftschiffhafen. 2001 erfolgte die Einweihung des eigenen Institutsgebäudes am Griebnitzsee in Babelsberg. Der erste wissenschaftliche Direktor war Siegfried Wendt, seit 2004 ist es Christoph Meinel. Im selben Jahr kündigt Plattner einen massiven Ausbau des Instituts sowie eine Kooperation mit der Stanford University in Kalifornien an, außerdem wird er selbst Honorarprofessor. 2007 nimmt die HPI School of Design Thinking ihre Arbeit auf – nach dem Modell der „d.school“ an der Stanford University. 2017 gründen die Universität Potsdam und das HPI eine gemeinsame Digital Engineering Fakultät. Gestartet hat das HPI mit drei Professuren, demnächst werden es laut Plattner 23 sein. Mehr als 1000 Absolventen haben das Institut bereits besucht. (mit kix)