• Hasso-Plattner-Institut: Lösungen für Potsdams Verkehrsprobleme

Hasso-Plattner-Institut : Lösungen für Potsdams Verkehrsprobleme

In der Design Thinking Woche am Hasso-Plattner-Institut werden innovative Ideen vorgestellt, wie man Potsdams Verkehrsprobleme lösen könnte.

Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Private Bus-Kabinen, autonomes Fahren und kostenloser Kaffee: In der Design Thinking Woche des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) wurden am Mittwoch zahlreiche innovative Ideen vorgestellt, wie man Potsdams Verkehrsprobleme lösen könnte. Die Woche, an der 50 Personen aus aller Welt teilnahmen – etwa aus Ägypten, Rumänien, Chile, Dänemark oder Kolumbien – fand im Rahmen des Verkehrsprojektes Potsdam statt, einem dreimonatigen Projekt der HPI School of Design Thinking. „Es ging darum, sich die Situation in Potsdam anzuschauen und drei Probleme zu lösen: Den Verkehr zu reduzieren, die CO2-Emissionen zu verringern und trotzdem den Komfort für die Verkehrsteilnehmer zu erhöhen“, sagt Projektleiter Philipp Pajak.

Insgesamt zehn Teams aus HPI-Studenten und freien Bewerbern hatten dazu eine Woche lang Umfragen, Daten und Experten-Interviews zur Verkehrssituation in Potsdam ausgewertet. Einige der Ideen waren relativ einfach umzusetzen, andere wirkten eher futuristisch: Eines der Teams zeigte in einer Spielszene, wie eine Angestellte jeden Tag rund eine Stunde für ihren Arbeitsweg benötigt – wäre es nicht am besten, wenn sie das gar nicht müsste? Der Vorschlag: Die Stadt Potsdam fördert Unternehmen darin, dass sie ihren Angestellten ermöglicht, mehr von zu Hause zu arbeiten, wenn diese für die Arbeit ohnehin nur einen Computer und einen Internetanschluss benötigten. Mit Telefon-Meetings und Video-Konferenzen kann alles Weitere im Job besprochen werden.

Foto: Andreas Klaer

Multifunktionale Häuser sollen helfen

Ein anderes Team konzentrierte sich darauf, Wege in der Stadt zu reduzieren: Warum muss es zwischen Arbeitsplatz, Kita, Schule und Supermarkt so große Distanzen geben, die per Auto, Bus oder Bahn überwunden werden müssen? Multifunktionale Häuser, in denen sich Büros, Kitas und Supermärkte auf verschiedenen Stockwerken befinden, sollen dazu beitragen, Wege und damit auch Zeit zu sparen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte ein Team, das sich dafür aussprach, dass man seine Einkäufe einfach per Internetbestellung an große Bus- oder Bahnstationen liefern lassen sollte, wo man sie dann auf dem Nachhauseweg abholen könne – das spare Zeit für den Einkauf und für den Fahrtweg.

Viele Vorschläge plädierten dafür, Alternativen zum Auto attraktiver zu machen: So schlug ein Team vor, dass man sich einen kostenlosen Kaffee oder ein anderes Getränk in der Bahn aussuchen kann, wenn man sein Ticket an den entsprechenden Automaten hält. „Die Menschen brauchen andere, neue Erfahrungen von Mobilität, damit sie sich statt für das Auto für ein anderes Verkehrsmittel entscheiden“, sagte einer der Teilnehmer, dessen Team sich für mehr autofreie Straßen und Viertel aussprach: Ähnlich wie Spielstraßen sollte es vor allem in kleineren Straßen in Wohngebieten vermehrt Orte geben, an denen man erfahren kann, wie angenehm es plötzlich ohne Autos ist.

Privatkabinen zum Arbeiten

In eine ähnliche Richtung ging die Idee für eine Virtual Reality-App, die ein Gefühl dafür geben soll, wie Busfahren in der Zukunft aussehen könnte: Täglich könne man sich den passenden Termin für seine Busfahrt aussuchen und sogar kleine Privatkabinen reservieren, in denen man etwa per Bus-Wlan am Laptop arbeiten könnte, so die Vision. Ein anderes Team schlug vor, den Schulunterricht eine Stunde später beginnen zu lassen, damit der Berufsverkehr entlastet wird.

Zwei Teams versuchten, den Öffentlichen Nahverkehr mittels einer App für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwägen attraktiver zu machen: So soll man sich per Smartphone schnell darüber informieren können, an welchen Bahnhöfen die Fahrstühle funktionieren oder nicht. Rollstuhlfahrer, so die Zukunftsvision, sollten sich später durch autonomes Fahren von A nach B bewegen können, ohne auf Busse und Bahnen angewiesen zu sein. Eltern hingegen sollen mit einem Reservierungssystem angezeigt bekommen, ob eine Bahn voll oder weniger voll ist und sich einen Platz reservieren können.

Das Projekt läuft noch bis zum 30. September

Was mit den Ideen weiter passieren wird, ist noch unklar: Das HPI-Verkehrsprojekt endet am 30. September, dann werden alle Vorschläge in einem Dokument gebündelt. Die HPI-Stiftung entscheide dann, ob das Projekt weitergeführt wird, so Philipp Pajak. Man befinde sich allerdings auch im Austausch mit der Stadtverwaltung. Die dürfte an den Visionen der HPI-Ideenschmiede durchaus interessiert sein, schließlich plant Potsdam mit Krampnitz derzeit ein „autoarmes Viertel“.

Ein Vertreter der Stadt, der Fahrradbeauftragte Torsten von Einem, war bei der Präsentation der Ideen dabei: „Mir haben vor allem die Vorschläge gefallen, die auf eine Änderung unseres Verhaltens abzielen, auch dass Unternehmen mehr Möglichkeiten für Home-Office anbieten, fand ich gut. Weniger überzeugt bin ich vom Autonomen Fahren, denn das nimmt dann doch wieder Platz für andere Verkehrsmittel weg.“ Ein Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland war von der Idee angetan, die Nutzung von Bussen und Bahnen zu einer angenehmeren Erfahrung zu machen: „Die Städte konkurrieren letztlich mit großen Autokonzernen, die alles daran setzen, dass man sich in seinem Auto wohlfühlt. Solche positiven Erlebnisse brauchen wir auch im Öffentlichen Nahverkehr.“