• Potsdam: Großer Ansturm auf Harry-Potter-Schau

"Harry Potter. The Exhibition" in Potsdam : Tausende Fans wollten Harry Potter sehen

Die Harry-Potter-Schau ist wie erwartet ein Renner. Tausende Besucher sahen die Ausstellung in Potsdam am ersten Wochenende. Ob Wartezeit oder Kosten – ihnen wurde offenbar nichts zu viel.

Andrea Lütkewitz
Josephine und Schanti aus Halle kamen als Harry und Draco verkleidet zur Harry-Potter-Schau nach Babelsberg.
Josephine und Schanti aus Halle kamen als Harry und Draco verkleidet zur Harry-Potter-Schau nach Babelsberg.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Undenkbar ist das: Dass die Erzfeinde Harry Potter und Draco Malfoy aus der weltberühmten Fantasy-Romanreihe „Harry Potter“ von J. K. Rowling am Ende beste Freunde werden. Somit ist es ausnahmsweise einmal die Wirklichkeit, die hier mehr Fantasie als die Buchwelt zulässt – denn wenn die beiden Mädchen Schanti und Josephine in ihre Kostüme und in die Rolle ihrer Lieblingsfiguren schlüpfen, dann tun sie das gemeinsam.

Freundinnen verkleiden sich als Harry Potter und Draco Malfoy

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, wer von den beiden Zwölfjährigen wer ist: Josephine mit Brille und Blitznarbe auf der Stirn ist Harry, Schanti mit blonder Perücke Draco. „Ja, wir sind Freundinnen“, sagen sie, angesprochen auf ihre Erscheinung, und lachen. In stilechter Kleidung sind sie am Samstag gemeinsam mit Josephines Mutter in die Caligarihalle des Filmparks Babelsberg gekommen. Seit dem 13. Oktober ist hier „Harry Potter. The Exhibition“ zu sehen, und das wollen sich Josephine und Schanti auf keinen Fall entgehen lassen.

Die Mädchen, die extra aus Halle angereist sind, freuen sich auf die Originalkostüme und -requisiten sowie die nachempfundenen Filmschauplätze aus acht „Harry Potter“-Filmen, die durch multimediale Elemente wie sich bewegende Gemälde und eine Geräuschkulisse aus Musik, Stimmen oder Effekten ergänzt werden. Und Josephine und Schanti sind nicht die einzigen, die das sehen wollen.

2800 vorab verkaufte Karten für Samstag

Mit ihnen warten Hunderte weitere Besucher bereits kurz vor Öffnung auf Einlass, darunter viele Kinder mit ihren Eltern. Im 15-Minuten-Takt werden sie von den Mitarbeitern hineingelassen. Wer nicht vorher schon Tickets für ein bestimmtes Zeitfenster gebucht hat, kann sich nicht einreihen – die Ausstellung ist nach Informationen des Veranstalters bereits am frühen Morgen ausverkauft, so wie schon am Wochenende zuvor. Für den Samstag macht das bis zum Abend 2880 verkaufte Karten. In der Woche sei der Andrang zwar etwas geringer, aber bislang seien auch hier immer nachmittags die Tagestickets ausverkauft gewesen.

Die Stimmung bei den Wartenden war gut.
Die Stimmung bei den Wartenden war gut.Foto: M. Thomas

Das Warten scheint den meisten Besuchern jedoch nicht viel auszumachen, es herrscht gute Stimmung und die Atmosphäre eines großen Fantreffens. Viele Kinder und auch einige Erwachsene sind als Hexen oder Zauberer verkleidet oder tragen zumindest Schals oder Krawatten in den Farben von Gryffindor, Ravenclaw, Slytherin oder Hufflepuff – das sind in den Potter-Romanen die Häuser, denen die Schüler in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, zugeordnet werden. Mit ihnen verbunden werden bestimmte Charaktereigenschaften, so gelten etwa Gryffindors, zu denen auch Harry Potter gehört, als mutig und Slytherins, denen Harrys Erzfeind Draco angehört, als ehrgeizig und listig.

Gryffindor-Farben dominieren bei Potter-Fans

Bei den wartenden Besuchern sind auffällig oft die Gryffindor-Farben Scharlachrot und Gold zu sehen. Auch Jan und Alea, beide neun Jahre alt, tragen diese Farben. „Die Kostüme haben sie bei einer Ausschreibung des Tagespropheten gewonnen“, sagt die Mutter der beiden augenzwinkernd. Der „Tagesprophet“, das ist in der Zaubererwelt so etwas wie die Potsdamer Neueste Nachrichten in Potsdam – eine Tageszeitung also. Vor einem Jahr sei die Familie in London gewesen, um sich die Studios anzusehen, in denen die Harry-Potter-Filme gedreht wurden. Die Uniformen hätten plötzlich auf dem Hotelbett gelegen, wie von Zauberhand.

Jan und Alea - natürlich in Gryffindor-Umhängen - warten auf den Einlass. 
Jan und Alea - natürlich in Gryffindor-Umhängen - warten auf den Einlass. Foto: A. Lütkewitz

Es ist der sogenannte Sprechende Hut, der in der Geschichte den Schülern in Hogwarts aufgesetzt wird und dann das jeweilige Haus benennt. In der Ausstellung haben Besucher die Möglichkeit, sich von jenem Hut ebenfalls sagen zu lassen, zu welchem Haus sie gehören. Aber was, wenn der Hut Jan und Alea nun beispielsweise nach Slytherin schicken will? „Ist mir auch egal“, sagt Alea entspannt, bevor es in die Caligarihalle geht. Hauptsache, es geht endlich überhaupt in irgendein Haus hinein.

In der Ausstellung werden zahlreiche Requisiten aus den Harry-Potter-Filmen gezeigt.
In der Ausstellung werden zahlreiche Requisiten aus den Harry-Potter-Filmen gezeigt.Foto: M. Thomas

Im Shop gibt es Zauberstäbe und magische Süßigkeiten

Am Ende eine Verkleidung zu tauschen, das ist theoretisch tatsächlich möglich. Denn am Ende der Schau wartet ein großer Shop auf die Besucher, in dem es alles gibt, was das Fanherz begehrt – vom Zauberstab bis zu magischen Süßigkeiten, ebenfalls zum Teil in nachempfundenen Filmsettings präsentiert. Kinder und Jugendliche unterhalten sich im Shop aufgeregt und zeigen einander die Fotos, die sie mit ihren Handys in der Ausstellung gemacht haben. „Die Kostüme waren toll“, finden die 13-jährige Deborah und die 15-jährige Verena. Es habe ihnen besonders gefallen, wie detailreich Kleidung und Ausstattung gearbeitet seien. „Das kriegt man ja im Film nicht immer so genau mit“, meinen sie.

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Und noch immer ist die Stimmung gut, sowie zu Beginn in der Warteschlange. Die meisten Besucher scheinen zufrieden mit dem, was sie soeben in der Ausstellung gesehen haben – trotz des nicht gerade günstigen Eintritts von 72 Euro für eine vierköpfige Familie am Wochenende und der teilweise hohen Preise für die Zauberumhänge, Schals oder Krawatten im Souvenirshop. Aber viele Besucher hatten die richtige Hogwarts-Uniform für sich ja ohnehin schon vorher gefunden.

+++ In Potsdam ist die Ausstellung bis 10. März 2019 zu Gast, geöffnet hat die Schau täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis samstags bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene unter der Woche 19,95 Euro, am Wochenende 23,95 Euro. Familien mit bis zu zwei Kindern zahlen 49,95 Euro in der Woche beziehungsweise 69,95 Euro am Wochenende. Um Wartezeiten zu vermeiden, können Zeitfenster-Tickets vorab online gebucht werden. 

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